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Kleines, reiches Liechtenstein: Die Hilti Art Foundation

Die Konten in Liechtenstein sind eher geheim, aber wertvolle Kunst gibt es dort auch. Und die ist öffentlich zu bestaunen: Das neue Museum der Hilti Art Foundation in Vaduz zeigt klassische Moderne.

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  • Wertvolle Kunst haben Michael Hilti und seine Familie für die Hilti Art Foundation erworben - darunter Max Beckmanns "Selbstbildnis mit Glaskugel" und die Skulptur "Mann im Dunkeln". 1/2
    Wertvolle Kunst haben Michael Hilti und seine Familie für die Hilti Art Foundation erworben - darunter Max Beckmanns "Selbstbildnis mit Glaskugel" und die Skulptur "Mann im Dunkeln". Foto: 
  • Ein Doppelmuseum, mitten in Vaduz. 2/2
    Ein Doppelmuseum, mitten in Vaduz. Foto: 
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Tief verschattete Augenhöhlen, ein missmutiger Mund - und in der Hand hält Max Beckmann eine Glaskugel. Hinter ihm öffnet sich eine Tür in die schwarze, leere Nacht. Zuversicht sieht anders aus: Der Künstler als Unheilsprophet. Im Jahre 1936 malte er dieses Selbstporträt, als die Nationalsozialisten längst gegen ihn hetzten, sein Werk als "entartet" diffamierten. Bald darauf verließ er Berlin und emigrierte nach Amsterdam.

Beckmanns großartiges "Selbstbildnis mit Glaskugel" ist weit gereist in den vergangenen acht Jahrzehnten, jetzt hängt es mitten in Vaduz, und zwar in der Hilti Art Foundation, dem weißen Würfel neben dem schwarzen Monolithen des Kunstmuseums Liechtenstein. "Mysterium Mensch" heißt das erste Kapitel der Ausstellung, das auch Wilhelm Lehmbrucks "Torso der Großen Stehenden", Pablo Picassos "Femme dans un fauteuil" oder Alberto Giacomettis Gemälde "Diego dans un intérieur" zeigt.

Als ein Mysterium erscheint fast auch dieses außergewöhnliche Museum. Der Besucher ist fasziniert von höchster Qualität auf kleiner Fläche. Und kommt vollends ins Staunen, wenn er im Katalog nachliest, dass die Hilti Art Foundation das Beckmann-Gemälde erst im vergangenen Jahr erworben hat! Der Kenner beginnt zu rechnen, was dieses Bild wohl gekostet haben mag in Zeiten des irrwitzigen Kunstmarkt-Booms. Vor zehn Jahren jedenfalls wechselte dieses Selbstbildnis auf einer Sotheby's-Auktion noch für 16,8 Millionen Dollar den Besitzer.

Kleines, reiches Liechtenstein. Nun, man pflegt ja so manches Vorurteil über das Fürstentum am Alpenrhein, das nur rund 36.000 Einwohner zählt, in dessen Tageszeitung der Lokalteil aber "Inland" heißt und dessen Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation gegen Russland spielt. Es ist aber nicht so, dass in Vaduz, der Hauptstadt, die Briefkästen nur als Scheinfirmen-Adressen dienen und in jedem zweiten Haus eine Bank sitzt. Etwa 41 Prozent der arbeitenden Bevölkerung ist vielmehr in Industrie und Gewerbe tätig, vor allem auch für die weltweit agierende Hilti AG, einem Werkzeughersteller und einem Spezialisten für Befestigungstechnik. Richtig, auch der Künzelsauer Reinhold Würth verdient sein Geld in dieser Branche und sammelt Kunst.

Die Familie Hilti baut ihre Sammlung seit den 1990er Jahren systematisch auf, unter dem Dach der Hilti Art Foundation. 200 Werke umfasst sie mittlerweile, beginnend mit einem prächtigen Paul Gauguin ("Entre les lys"). 50 Gemälde, Skulpturen und Objekte sind jetzt zu sehen. Marc, Macke, Ernst, Gris, Magritte, Mondrian . . . Die großen Namen sind auch im Kapitel "Experiment und Existenz" vertreten, aber eben mit beeindruckenden Werken. Klasse statt Masse - und eine gute Geldanlage.

Das sagt Michael Hilti, Initiator und Beirat der Hilti Art Foundation, als Sammler und Unternehmer. Der 68-Jährige aber betont: "Die Künstler haben keine Kunst erschaffen, damit die Werke im Depot oder im Banktresor verschwinden." Stolz steht er neben dem düsteren Beckmann-Gemälde - aber lachend. Wobei Michael Hiltis persönliche Sammelleidenschaft ihren Ausdruck auf der dritten Etage des Museums findet: Kunst der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart hinein, Werke von Albers, Graubner, Uecker, Knoebel oder auch des Schweizer "Konkreten" Gottfried Honegger, den Hilti sehr schätzt. Die Gespräche mit innovativen, kreativen Künstlern, nicht nur über Kunst, sondern über "Gott und die Welt", eröffneten neue Horizonte, sagt Hilti.

So führt die Hilti Art Foundation den Besitz des Familientrusts, Michael Hiltis Sammlung und jene der Schwester zusammen; das neue, privat finanzierte Museum dient als Schatzkammer. Es war ein Glücksfall, dass die Foundation an das im Jahre 2000 eröffnete und sich international erfolgreich um die Kunst der Gegenwart bemühende Kunstmuseum Liechtenstein andocken konnte. Und zwar unterirdisch, ohne die Fassaden zu verschmelzen. Das ist ein schönes Doppel architektonischer Moderne aus fein geschliffenem Beton mitten in Vaduz, wo das mittelalterliche Fürstenschloss das Stadtbild beherrscht.

Der Weg zur Hilti Art Foundation (entworfen von Morger und Dettli) verläuft übers Foyer des Kunstmuseums und schwungvoll hinunter in den ersten Raum mit dem Beckmann-Selbstbildnis. Dann steigt der Besucher über zwei steile Treppen in die zwei oberen Säle hinauf. Eine schöne Metapher für die himmelwärtsstrebende Kunst.

Aber das ist auch ein pragmatischer und sehr liechtensteinischer Bau, denn unten im Haus hat, völlig separiert, mit eigenem Eingang, der alteingesessene Vaduzer Juwelier Huber seinen Laden. Und zeigt im Schaufenster Uhren: auch nur große, teure Namen.

Zwei moderne Museen in Vaduz

Ausflugstipp Das Kunstmuseum Liechtenstein mit der Hilti Art Foundation hat täglich außer montags von 10-17 Uhr geöffnet (Do bis 20 Uhr). Eine Reise lohnt sich, und wer etwa das Kunstmuseum Bregenz besucht, hat es auch nicht mehr weit bis nach Liechtenstein. Praktisch wäre auch für Urlauber auf der Fahrt nach Chur/San Bernardino ein Kunst-Stopp. www.hiltiartfoundation.li

 

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