Partner der

Ist eine Rose wirklich eine Rose?

An der Blume kommt kein Künstler vorbei. Aber was passiert, wenn der Künstler und die Blume eins werden? Eine Ausstellung in Schloss Moyland.

|
Lasst Blumen sprechen: „Große Anthurien“ von Norbert Tadeusz.  Foto: 

  Irgendwann malt jeder Künstler mal Blumen, auch Gerhard Richter, Georg Baselitz und A.R. Penck. Ob Barock oder 21. Jahrhundert, Pop Art oder genveränderte „Bio Art“ – kein Künstler kommt an der Blume vorbei. „Lasst Blumen sprechen!“, lautet der berühmte Werbeslogan einer Blumenversandfirma. Joseph Beuys schrieb ihn 1974 auf eine Postkarte, die er dann unlimitiert vervielfältigen ließ. Auf dem Original klebt eine getrocknete Blüte. Natürlich malte der Experte für Filz und Fett auch Blumen – ganz zart und flüchtig, in lila Wasserfarben.

Die Blume in der Kunst – das ist ein schier unüberschaubares Feld. Das Museum Schloss Moyland am Niederrhein widmet dem Thema nun eine eigene Ausstellung und stellt sie als Museum mit dem weltweit größten Bestand an frühen Beuys-Arbeiten passenderweise unter das Motto „Lasst Blumen sprechen!“ (bis zum 23. Oktober zu sehen). Das Museum am Niederrhein nahe der niederländischen Grenze fernab der großen Kunstmetropolen beweist mit der Schau aus 75 Arbeiten von rund 40 zeitgenössischen Künstlern wie Richter, Baselitz, Andy Warhol, Beuys, Thomas Schütte oder Luc Tuymans wieder einmal, dass auch Häuser mit kleinem Budget und Team „große Kunst“ können.

Ein ausgeklügelter Parcours mit ironischen, aber auch sozialkritischen Stationen führt durch die Ausstellungshalle, einige Schlosssäle und Teile der Parkanlage. Schon zu Beginn irritiert ein meterlanges Blumenwiesenpanorama des Japaners Hiroyuki Masuyama. Aus Hunderten Einzelfotos besteht das Blumenbild, und das Auge muss schon geschult sein, um zu erkennen, dass hier zusammenwächst, was nicht zusammengehört: Sommer- und Frühjahrsblüher, Schnee und pralles Wiesengrün.

Ironisch spielen junge Künstlerinnen wie Vera Lossau oder Chiara Lecca mit den üppigen Blumenstillleben des Barock. Lossau malte jede Blüte einzeln ab und bändigte die chaotische Blumenvielfalt in einem strengen Rechteck aus 30 schwarzen Tafeln. Lecca stellte für den Schlosssaal ein ausladendes Blumenbouquet her, das majestätisch auf einem Tisch thront. Blumen und Blüten faszinieren seit jeher durch ihre Schönheit. Aber nach den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges sei die Blume in der Kunst zunächst etwas verschmäht worden, sagt Kurator Alexander Grönert. Es musste erst Andy Warhol kommen, der 1964 statt seiner „Desaster“-Bilder plötzlich bunte Pop Art-Blümchen malte.

Aber was passiert, wenn Künstler und Blume sozusagen eins werden? Mit Hilfe eines Molekularlabors hat der Künstler Eduardo Kac eine mit seinem eigenen Erbgut gentechnisch veränderte Petunie geschaffen. „Edunia“ nannte er den blassroten Hybrid, der von einer herkömmlichen Petunie nicht zu unterscheiden ist. „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“, schrieb einst die Autorin und Kunstsammlerin Gertrude Stein. In der Kunst im Zeitalter der Gentechnologie gilt das nicht mehr.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Tatort-Musik dank der Bietigheimer Musikschule

Ehemalige Schüler aus dem Kreis, die ehemals an lokalen Musikschulen unterrichtet wurden, haben es geschafft, und sind professionelle Musiker geworden. Ein Überblick. weiter lesen