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Große US-Kunst-Ausstellung im Schauwerk Sindelfingen

Vom Bibelgürtel bis zu McDonalds: Die USA einmal durch die Kunstbrille des Sammler-Ehepaars Christiane und Peter Schaufler gesehen - ein ganz besonderes Ausstellungserlebnis im Schauwerk Sindelfingen.

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  • America to go? "George" von Jonathan Seliger (2000). 1/2
    America to go? "George" von Jonathan Seliger (2000). Foto: 
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    Donald Baechlers schneeweiße Bronze-Flowers vor Peter Halleys starken Farben. Foto: 
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Wohltuend, dass einem hier im Sindelfinger Schauwerk nicht wieder dieser auf Dauer doch nur noch schrecklich fade schmeckende Einheitseintopf aufgetischt wird, wenn es gilt, in unseren Museen die Duftmarken der amerikanischen Kunst zu setzen. Ob nun im Hamburger Bahnhof in Berlin, in der neuen Pinakothek in München oder in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf - die Staatsgalerie in Stuttgart nicht ausgenommen -, überall grüßt artig das Murmeltier und es kommen einem die gewiss hochwertigen Rothkos, Warhols, Rauschenbergs und Wesselmanns entgegen. Dazwischen blitzt zugegeben schon mal eine Softplastik von Claes Oldenburg oder eine emotional stark aufgeladene Farbfeldmalerei von Morris Louis auf, aber schlussendlich bleibt doch der Eindruck, dass man sich immer in der schon bestens bekannten Einbahnstraße bewegt.

Der im August dieses Jahres verstorbene Sindelfinger Kunstsammler Peter Schaufler ist die Sache, das heißt die Suche nach den Hervorbringungen der zeitgenössischen Kunst, anders angegangen. Als er Ende der 70er Jahre zusammen mit seiner Frau Christiane begann, die Kunstgalerien, die Kunstmärkte und Künstlerateliers nach Novitäten abzuklopfen, da war für einen Ankauf immer wichtig, dass nicht etwa das Renommee und der Bekanntheitsgrad des Künstlers sondern dass ausschließlich der Charme, das Charisma und versteht sich auch die Qualität der jeweiligen Arbeit gefangen nahm. Das Bauchgefühl bei den Schauflers musste stimmen, und so finden sich heute in den Depots der Schaufler-Stiftung immerhin so an die 3000 Werke, die den ganz speziellen persönlichen Kunstgeschmack der Sammler veranschaulichen.

Verständlicherweise haben sich die Schauflers zunächst in heimischen Gefilden umgetan. Die Düsseldorfer Zero-Bewegung kam auf die Bestell-Liste, mit der Konkreten Malerei wurde geliebäugelt, die Konzeptkunst spielte eine große Rolle, und spätestens bei der Beschäftigung mit der Minimal Art wurden auch die USA ins Visier genommen, denn an Carl Andre, Donald Judd, Sol LeWitt, Dan Flavin und John McCracken ging ja kein Weg vorbei.

So kamen die Amerikaner immer mehr ins Schaufler'sche Blickfeld, und die jetzt gerade im Sindelfinger Schauwerk eröffnete Gedenk-Ausstellung für Peter Schaufler, "I like America", zeigt, wie tief das Sammlerehepaar in die dortige Kunstszene eingestiegen ist.

Natürlich werden in dieser wirklich opulent bestückten Amerika-Schau Klassiker wie Frank Stella oder Jim Dine vorgeführt. Aber die Hauptrolle spielen eindeutig Künstler wie Robert Longo oder Dennis Hopper, der gemeinhin als genialer "Easy Rider"-Schauspieler und Regisseur bewundert wird, aber den die wenigsten als äußerst beeindruckenden und höchst talentierten hyperrealistischen Großbild-und Panoramamaler kennen. Seine ins Riesenformat gebrachten Porträts von Andy Warhol und Roy Lichtenstein und vor allem seine Breitwandstudie "Double Standard" von 1961, auf der man durch die Windschutzscheibe eines Autos auf eine als typisch amerikanisch verstandene Straßen-Szenerie blickt, unterstreichen auch die Absicht der Schauflers, via Kunst den american way of life einzufangen und zu spiegeln.

Kritische Untertöne bringt etwa Robert Longo reichlich mit ein, indem er in einer auf pechschwarz getrimmten neogotischen Kathedrale blendend helles Licht durch die Glasfenster fluten lässt und damit wohl auf die verschiedenen Bibelgürtel in den USA anspielt - auch wenn er die berühmten Hollywood-Buchstaben und damit die gesamte Traumfabrik ein wenig ins Kippen bringt. Oder wenn er die Haudrauf-Mentalität seiner Landsleute geißelt, indem er einen waffenstarrenden Düsenjet über den Bildhimmel jagt.

Das ambivalente Verhältnis der Schauflers zu den USA - sie rühmen einerseits die Großzügigkeit und die Weite des Landes und verdammen gleichzeitig die dortigen politischen Gegebenheiten - dokumentiert sich auch beispielsweise in den Arbeiten eines Tom Sachs, wo die gigantische Fast-Food-Kette McDonalds ihr Fett abbekommt oder das knallige Sternenbanner in die Unschuldsfarbe Weiß getaucht wird und so Glanz und Bedeutung verliert.

Informationen

Ausstellung Die Schau "I like America" ist bis 4. September 2016 im Schauwerk Sindelfingen, Eschenbrünnlestrasse 15/1, zu sehen. Öffnungszeiten: Di und Do 15-16.30 Uhr (ausschließlich im Rahmen einer öffentlichen Führung), Sa und So 11-17 Uhr; Eintritt 8 Euro; Katalog 29.95 Euro. Infos: www.schauwerk-sindelfingen.de

 

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