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Gandhi der Musik - Zum Tod von Ravi Shankar

Er war Indiens "nationaler Schatz". Mit dem Sitar-Meister Ravi Shankar ist eine der wichtigsten indischen Persönlichkeiten gestorben. Er war Weltmusiker, als es diesen Begriff noch gar nicht gab.

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Beatles-Gitarrist George Harrison (rechts) war Ravi Shankars berühmtester Schüler. Fotos: Action Press, dpa

Noch am 4. November konnte man den 92-jährigen Pandit Ravi Shankar im kalifornischen Long Beach bei einem gemeinsamen Sitar-Konzert mit seiner Tochter Anoushka auf der Bühne erleben. Trotz zunehmender gesundheitlicher Probleme wollte der Saitenvirtuose nicht auf das Konzertieren verzichten, schreibt die Ravi Shankar Foundation in ihrem Nachruf. In seiner Heimat war Shankar ein Idol.

Mit einer Operation in einem Krankenhaus in San Diego sollte der Allgemeinzustand des Musikers und Komponisten verbessert werden, doch er war durch seine Atemwegs- und Herzprobleme bereits zu sehr geschwächt und starb an diesem Dienstag. Indiens Premierminister Manmohan Singh nannte Shankar gestern einen "nationalen Schatz", den das Land verloren habe und sprach den Indern damit aus dem Herzen.

Shankar, am 7. April 1920 in Varanasi geboren, machte seine ersten künstlerischen Schritte bereits im Alter von 13 Jahren in der Tanzgruppe seines Bruders Uday Shankar. Auf den Welttourneen der Gruppe lernte er andere Kulturen und Sprachen kennen, entschied sich im Alter von 18 Jahren aber für eine fünf Jahre dauernde Ausbildung der klassischen indischen Musik beim Virtuosen Alauddin Khan. Die westlichen Einflüsse ließen ihn allerdings nicht mehr los. Er schrieb für Tanztheater und Ballett, seine Filmmusik-Kompositionen wurden populär. Shankar gewann bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 1957 den Silbernen Bären für die Musik zum Film "Kabuliwala"; das von ihm gegründete "Indian National Orchestra" öffnete sich auch für westliche Klänge.

Da konnte Shankar noch nicht wissen, dass er einer der wichtigsten kulturellen Botschafter seines Landes werden und Größen der Musik nachhaltig beeinflussen sollte. Bereits 1952 wurde Stargeiger Yehudi Menuhin auf ihn aufmerksam und verglich sein musikalisches Genie mit dem von Mozart. 15 Jahre später sollten sie gemeinsam den Grammy Award für ihr Album "West Meets East" überreicht bekommen. Zwischenzeitlich war Shankar durch Europa- und US-Tourneen immer populärer geworden, hatte den speziellen Klang der Sitar einem neuen Publikum nähergebracht. The Byrds, die Rolling Stones, der Komponist Philip Glass wurden genauso von Shankar geprägt wie Jazzer John Coltrane, der seinem Sohn sogar den Namen Ravi gab. Für den unerwarteten Superstarkult sorgte allerdings die Freundschaft zu George Harrison.

Der Beatles-Gitarrist, der ihn als "Godfather of World Music" bezeichnete, lernte von Shankar rudimentär das Spielen der Sitar - unter anderem zu hören im Song "Norwegian Wood" - , und gemeinsam zogen sie 1971 auch beim "Concert for Bangladesh" in New York, einem der ersten Charity-Festivals überhaupt, an einem Strang, um Bangladesch-Flüchtlingen zu helfen. Die Box des Live-Mitschnitts mit drei Schallplatten, auf denen auch Bob Dylan, Eric Clapton und Ringo Starr zu hören sind, gehörte für viele Jahre in jeden ordentlichen Plattenschrank. Mit trockenem Humor reagierte Shankar auf Beifall vor dem Beginn seines Konzerts: "Wenn Ihnen das Stimmen der Instrumente bereits so gefallen hat, hoffe ich, dass ihnen der eigentliche Vortrag noch mehr Freude bereiten wird."

Shankar war auch durch weitere Festival-Auftritte in Monterey oder Woodstock immer berühmter geworden und hatte ungewollt den Soundtrack für exzessive Drogenpartys der Hippie-Generation abgeliefert. "Als George mein Schüler wurde, kamen die jungen Leute in Scharen, weil mit den Hippies auch das Interesse für indische Kultur wuchs. Leider wurde dann alles in einen Hut geworfen: Drogen und Kamasutra und Hasch und alles. Ich war so etwas wie ein Rockstar", sagte Shankar dem Musikmagazin Rolling Stone. Er selbst konnte Drogen und dem bunten Chaos nichts abgewinnen, hatte Mühe damit, dass seine spirituell motivierte Musik dazu benutzt wurde.

Der dreifache Grammy-Gewinner, der 1982 auch für seine Musik für den Film "Gandhi" Oscar-nominiert wurde und über Jahre hinweg als Politiker Mitglied des indischen Oberhauses war, setzte aber immer wieder auf seine musikalischen Wurzeln und blieb der klassischen indischen Musik immer treu. Mit seinem jüngsten Album "The Living Room Sessions Part 1" ist er für die Grammy-Awards 2013 nominiert - nun also posthum.

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