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Frank Sinatra: My Way

Groß war er nicht, eher ein schmächtiger, schlaksiger Typ. Aber diese Wangenknochen und seine starken Unterlippen: "Wie ein junger Lincoln", schwärmte der Bildhauer Jo Davidson, als er eine Büste Frank Sinatras schuf.

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Frank Sinatra, „The Voice“. Ein Bild aus dem Jubiläumsband „Sinatra 100“.    Foto: 

Gene Kelly sprach 1944 von "einem dünnen italienischen Sänger", mit dem er den Film "Urlaub in Hollywood" drehte: "Natürlich war der dürre Kerl damals der Schwarm aller Frauen Amerikas. Wenn er sang, fielen sie in Ohnmacht." Jahrzehnte später wankten auch reifere Damen, wenn der fülligere, angegraute Frank Sinatra im Smoking, das Whiskey-Glas in der einen Hand, die Zigarette in der anderen, die "Strangers In The Night" verklärte.

Aber der vor 100 Jahren, am 12. Dezember 1915 geborene Frank Sinatra, Sohn italienischer Einwanderer, war schlichtweg "The Voice": eine der prägenden Stimmen des 20. Jahrhunderts. Er ist ein Pop-Mythos. Daran erinnert jetzt auch ein prächtiges Familienalbum, der "offizielle Jubiläumsband", herausgegeben von Charles Pignone: "Sinatra 100". Dieser zeigt mit geradezu ikonografischen Sinatra-Bildern, aber auch mit weitgehend unbekanntem Fotomaterial die Stationen einer beispiellosen Karriere als Entertainer auf, von der Kindheit in Hoboken, New Jersey, bis zu den legendären Auftritten auf den Showbühnen und seinen Erfolgen als "Ol' Blue Eyes" in den späten 70er Jahren.

"Sinatra 100" bietet natürlich keinen investigativen Journalismus, ist kein Enthüllungsbuch - wenngleich es die Tiefschläge, Krisen und die ewigen Spekulationen über Sinatras Mafia-Verstrickungen nicht verschweigt. Freunde und auch die Familienmitglieder beschreiben Sinatra als den aufrichtigsten, ehrlichsten, hilfsbereitesten Menschen. Andere erlebten ihn als cholerischen, selbstherrlichen Star - dazwischen gab es offenbar nichts. "Sinatra 100" ist ein großartiges Bilderbuch, gespickt mit vielen Zitaten. Und man sollte beim Durchblättern unbedingt Sinatra-Platten auflegen.

Diese Stimme: Sinatra fing mit dem Jazz an, wuchs in der Swing-Ära auf, sein erster Nummer-eins-Hit war 1940 "I'll Never Smile Again". Er scharte Big-Band-Größen wie Count Basie um sich und war ein Perfektionist. Er sang so sanft wie rau und kräftig - unverwechselbar. Sinatras Vorbild war der samtige Einschmeichler Bing Crosby, aber Sinatra bot den härteren Showbiz-Sound.

Und Sinatra phrasierte wie kein anderer: Jedes Wort eine Ansprache. Sein Erfolgsgeheimnis: "Ich glaube, es liegt daran, dass ich das Publikum ganz persönlich in die Songs einbeziehe und weil ich selbst davon berührt bin." Sinatra war ein poetischer Interpret, dafür entwickelte er auch einen ganz eigenen Stil, den er sich dem Geiger Jascha Heifetz und dem Posaunisten Tommy Dorsey abschaute: das Legato, Töne in die Länge zu ziehen auf einem Atem.

In den 40er Jahren hatte Frankie Boy für einen gigantischen Hype gesorgt, er war der Held der kreischenden weiblichen "Bobbysoxers". Dann folgte nach dem kometenhaften Aufstieg der Absturz. Ausgerechnet in Hollywood und mit einer Charakterrolle landete er 1953 ein sensationelles Comeback: Für den Matrosen Maggio, eine geschundene, tragische Figur, in Fred Zinnemanns Kriegsfilm "Verdammt in alle Ewigkeit" erhielt er den Oscar für die beste Nebenrolle. Danach war kein Halten mehr: Sinatra, der "Chairman of the Board".

Ja, er drehte auch mehr als 60 Filme, darunter "Die oberen Zehntausend" mit Grace Kelly. In solchem Milieu fühlte er sich wohl. Kinoreif aber war sein ganzes Leben: Die vier Ehen, darunter mit Ava Gardner und Mia Farrow, die Skandale, die Saufgelage mit seinen "Rat Pack"-Freunden Dean Martin und Sammy Davis jr., das Business auch in der Spielhölle Las Vegas.

Wirklich abtreten konnte er nicht, ein Champion verlässt nicht freiwillig den Ring. Im Juni 1993, mit 77 Jahren, kam "The Voice" auf Abschiedstournee auch in Stuttgart vorbei, open-air auf dem Schlossplatz. "Come Fly With Me"? Die Stimme bröckelte, stürzte ab. Songtexte las er vom Monitor ab, und wenn sich Sinatra bückte, um Rosen zu ernten, wirkte das gebrechlich. Dann aber kam die Lebensbeichte: "I did it my way". Der Sinatra-Song schlechthin, das Amerika feiert sich zwischen Glamour und Rinnstein: "My Way", gesungen und buchstabiert. Ein kämpferischer Sieg über jedes Schicksal.

Frank Sinatra starb am 14. Mai 1998 in Beverly Hills und bleibt unsterblich.

"The Voice" und seine Fans auf CD

Ciceros Hommage Er ist ein großer Frank-Sinatra-Fan, und jetzt hat Roger Cicero aus Anlass des 100. Geburtstags seines Idols eine Hommage veröffentlicht: das Album "Cicero Sings Sinatra" (RCA/Sony Music) mit 20 Stücken aus Sinatras gewaltigem Repertoire, neu aufgearbeitet. Cicero warf einen persönlichen Blick auf Sinatras Oeuvre. Im Big-Band-Format wurden die ausgewählten und meist sehr jazzig eingefärbten Stücke nicht etwa im Studio, sondern "live in Hamburg" eingespielt. Als Gäste dürfen neben dem allzeit smarten Cicero die in "Cheek To Cheek" sehr starke Yvonne Catterfeld, der bewährte Teilzeit-Crooner Sasha und der stimmlich tiefer gelegte Xavier Naidoo im ewig jungen "New York, New York" auftrumpfen. Alles live inklusive Publikumseuphorie.

Das Original Etwa 1500 Lieder sang Frank Sinatra im Laufe seines Lebens vor den Mikrofonen, "er trainierte vor jeder Aufnahme-Session wie ein Boxer für einen Titelkampf", erinnerte sich Produzent Sonny Burke. 150 Millionen Platten verkaufte er weltweit. Die besten und die größten Hits sind als Deluxe-Edition auf vier CDs und mit dickem, schön bebildertem Begleitheft neu gesammelt: "Ultimate Sinatra" (Universal).

Die Videos seiner größten Hits.

 

 

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