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Essen und Nahrung bei der Kleinplastik-Triennale in Fellbach

Auch Künstler haben Hunger,  also schlägt sich das Thema „Nahrung“ auch in der Objektkunst nieder. Zu sehen auf der 13. Kleinplastik-Triennale.

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  • Zum Triennale-Thema „Food“ in Fellbach passen die Einmachgläser der Schweizer Künstler Valentin Beck und Adrian Rast perfekt. 1/2
    Zum Triennale-Thema „Food“ in Fellbach passen die Einmachgläser der Schweizer Künstler Valentin Beck und Adrian Rast perfekt. Foto: 
  • Ein rechter Augenschmaus: die vom Amerikaner Mark Dion an Seile gehängten Fische. 2/2
    Ein rechter Augenschmaus: die vom Amerikaner Mark Dion an Seile gehängten Fische. Foto: 
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Wenn sich die jetzt zum 13. Mal ausgerufene Kleinplastik-Triennale in Fellbach mit dem Thema „Food“  beschäftigt, dann muss doch umgehend die Frage kommen, was denn bitteschön unsere Nahrungsbeschaffung und vor allem unsere Essensgewohnheiten mit Bildhauerei und Objektkunst zu tun haben? Dazu ist zu sagen, dass sich die Darstellung von Lebensmitteln wie ein roter Faden quer durch alle Dekaden der Kunstgeschichte zieht. Denken wir doch nur einmal an die goldene Zeit der niederländischen beziehungsweise flämischen Stillleben-Maler, die uns außer Muscheln, Fischen, Feldhasen und anderem Wildbret jede Menge Weintrauben, Äpfel, Zitronen und Orangen zum Verzehr angedient haben.

Je nun, kann man einwenden, da wird unsere Nahrung aber doch arg eindimensional auf der flachen Leinwand präsentiert, die Kleinplastik bietet doch zumindest haptisch gesehen deutlich mehr Vermittlungsanreize? Kein Problem, denn selbst im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts haben Großkünstler wie etwa Claes Oldenburg oder Daniel Spoerri einen nicht geringen Teil ihrer Kreativität der Darstellung unserer Esskultur gewidmet.

Oldenburg hat uns die schönsten Kunst-Steaks und Tortenstücke serviert und er hat außerdem schon 1962 mit der Soft Sculpture eines „Giant Hamburger“, also eines gigantischen Hamburgers quasi das Zeitalter der Fast-Food-Ketten eingeläutet. Und der  knitze und pfiffige Schweizer Eat-Art-Erfinder Daniel Spoerri hat sich ausgiebig um unsere Mahlzeitreste gekümmert, er hat unabgeräumte Restauranttischplatten samt Besteck, geleerten Weinflaschen und mit Kippen gefüllten Aschenbechern unter Glas gebracht und sie damit für die Museums-Ewigkeit konserviert.

Und was tischt nun die Fellbacher  Triennale auf, die von der früheren Biennale-Kommissarin und jetzigen Direktorin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt, Susanne Gaensheimer, und ihrer Schweizer Kollegin Anna Goetz kuratiert wird? Wie geht die ganz aktuelle Kunst, will sagen, wie gehen die derzeit angesagten Bildhauer und Objektkünstler mit dem Thema „Essen und Nahrung“ um?

Man darf sagen, dass sie sich nicht ausschließlich auf das Anpreisen ihrer Lieblingshappen kaprizieren, sie wollen tiefer schürfen und die Bedingungen unserer Nahrungsbeschaffung und vor allem die damit verbundene Nahrungsverteilung aufdecken, sie wollen dokumentieren, dass sich die Kluft zwischen Arm und Reich nicht nur am Vermögensstand, sondern auch an der Sättigungsmöglichkeit ablesen lässt. Und sie gehen noch weiter, schauen kritisch darauf, wie wir die Natur optimieren wollen und sie dabei zerstören.

Andere propagieren neue Lebensmittel, die mit geringem Aufwand zu produzieren sind und großen Ertrag garantieren. So beispielsweise der 1982 geborene Waliser Dan Rees, der küchentaugliche Wasserbottiche in der Alten Kelter in Fellbach aufstellt und darin proteinhaltige Seealgen als grünes Manna und „Superfood“ heranzüchtet, das künftig einmal Nahrungsengpässe beseitigen soll.

In Fellbach sind natürlich auch Künstler vor Ort, die Flora und Fauna als ideales Materialreservoir betrachten, wo sich mit Blüten, Gräsern, Federn und Zweigen ästhetisch hochfeine Kleinskulpturen schaffen lassen wie bei dem 1979 geborenen Berliner Björn Braun, der prompt für sein „Zebrafinkennest“ den Ludwig Gies-Preis der Kölner Letter-Stiftung erhalten hat.

Dass der Amerikaner Mark Dion, Jahrgang 1961, in Sachen „Food“ starke Stücke beibringen kann, dürfte klar sein. Seine am Seil hängenden kapitalen Fische und auch die in Zusammenarbeit mit Dana Sherwood entstandene wunderbare Eisbecher-und-Pudding-Parade dürften im Publikum einen großen Eindruck schinden.

 Wie auch die mit Einmachgläsern prall gefüllten Regale der beiden Schweizer Jungkünstler Valentin Beck und Adrian Rast (Jahrgang 1986 und 1988), die die Supermärkte nach Lebensmitteln mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum  abgegrast haben und diese dann zu Dörrobst, Marmeladen und Chutneys verarbeitet haben. Der Besucher darf kundtun, was ihm so ein eingewecktes Gesälz wert ist. Und er darf bei dieser 13. Kleinplastik-Triennale auch mal eine echte heiße Suppe löffeln, denn der 1961 in Buenos Aires geborene und für seine Kochaktionen bekannte Installationskünstler Rirkrit Tiravanija rührt auch in Fellbach in den Töpfen. Da kann man nur guten Appetit wünschen!

Erfolgsgeschichte seit 1980

Kleinplastik Nicht die großen Brocken in den Bildhauerateliers haben den damaligen Fellbacher Oberbürgermeister Friedrich-Wilhelm Kiel interessiert, er wollte der Kleinplastik ein Forum bieten und so hat er 1980 die erste Kunstausstellung für zeitgenössische Kleinplastik in Fellbach ausgerufen. Immer wird darauf geachtet, dass sich Künstler aus allen fünf Kontinenten an der Triennale beteiligen können. Entscheidend für deren Renommee ist auch die Berufung von bedeutenden Museumsleuten als Kuratoren. In Fellbach tätig waren u. a. Heinz Fuchs, Manfred Schneckenburger, Werner Meyer, Thomas Deecke, Jean-Christophe Ammann, Ulrike Groos, Yilmaz Dziewior und in diesem Jahr Susanne Gaensheimer. Gezeigt werden Arbeiten von 40 Künstlern.

Öffnungszeiten Die 13. Kleinplastik-Triennale in der Alten Kelter in Fellbach: bis 2. Oktober;  Di-Fr 14-19 Uhr, Do 14-21 Uhr, Sa und So 11-19 Uhr. .

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