Partner der

Dunkle Krone, heller Blick: Triumphaler Museumsneubau in Washington

Es ist einer der wichtigsten Museumsbauten der vergangenen Jahre: Das National Museum Of African American History And Culture ist ein Triumph.

|
Die Statue, die an Tommie Smiths and John Carlos’ Black-Power-Demonstration bei den Olympischen Spielen 1968 erinnert.  Foto: 

Wie eine dreistöckige Krone ragt der Bau auf. Mächtig und trotzdem leicht. Dunkel, aber niemals bedrohlich. Spektakulär bricht die feine Ziselierung seiner Hülle das Licht. In wenigen Tagen wird Barack Obama, der erste schwarze Präsident der USA, das National Museum Of African American History And Culture eröffnen. Nun gewährte es erste Einblicke. Sie sind spektakulär.

Von welcher Seite sich der Besucher dem Museum an Washingtons National Mall auch nähert: Er wird es erst spät sehen. So erhaben der Bau aus der Nähe ist, mehr als die Hälfte des NMAAHC liegt unter der Erde.

Lonnie Bunch (63) ist erschöpft und fröhlich, als er durch den Bau führt. „Als ich vor elf Jahren den Posten des Museumsdirektors übernommen habe, hatten wir ein einziges Artefakt. Wir hatten kein Geld, aber wir brauchten viel. Wir hatten nur eine Vision.“ Über viele Jahre wurden mehrere Sammlungen kuratiert, tausende Gegenstände aus den ganzen USA zusammengetragen. Die Geschichte der Sklaverei, eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte. Persönlich, detailreich, große Linien, einzelne Schicksale. Wer die dunklen Gänge im tiefsten Geschoss verlässt, ihre Peitschen und Ketten, die Bilder wie Vieh verkaufter Familien, dürfte kaum nicht bewegt sein.

Es ist ein weiter, weiter Bogen, der dann die Überwindung der Sklaverei im Bürgerkrieg und den Weg aus dem Rassismus zusammenbringt mit sozialen Bewegungen, Black Power, Malcolm X, Martin Luther King, farbigen Soldaten – und schließlich dem ersten schwarzen Präsidenten. Didaktisch ist das oft glänzend.

Politische und Kulturgeschichte sind in diesem Glaskubus absichtsvoll verwoben. Leid, Trauer und Schmerz; Kraft, Fröhlichkeit und Zuversicht. In unerschrockenem Symbolismus zitiert die Silhouette des Baus eine Krone der westafrikanischen Yoruba, seine kunstvoll durchbrochenen Bronze-Aluminiumbänder die feinteiligen Eisenarbeiten der Sklaven in New Orleans oder South Carolina. Der ghanaisch-britische Baumeister David Adjaye dürfte damit endgültig zum ersten schwarzen Star-Architekten werden.

Je höher man im Haus steigt, umso heller wird es. Triumphe im Sport, Muhammad Ali. Undenkbar wäre die Sportgroßmacht USA ohne schwarzen Athleten, der bis heute auch hier schwärende Rassismus wird nicht verschwiegen. Heiter, lässig und cool die Räume schwarzer Musik. Jazz, Tanz, Hip Hop, Rap. Michael Jacksons Uniformjacke, Fantasiegewänder aus der Ära des Funk, Miles Davis und John Coltrane und immer wieder Film und Literatur – alles hängt mit allem zusammen.

Im obersten Stock, er beherbergt grandios bildende Kunst, öffnet sich mit einem Mal in einem Auslass der Hülle ein triumphaler Panoramablick über die Mall. Dort drüben ragt das Washington Monument auf, liegt das Weiße Haus, ist das Lincoln Memorial zu erkennen. Wenige Orte werden von mehr Amerikanern besucht als die Identitätskoordinaten der Mall. Barack und Michelle Obama machten am Mittwochabend eine Tour durch das neue Museum.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Expertenhilfe von Ruheständlern

Über den Senior-Experten-Service geben Rentner und Pensionäre ihr berufliches Wissen und Können im Inland und im Ausland weiter. So wie der ehemalige Bietigheimer Chefarzt Michael Butters. weiter lesen