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Die Kunst-Besessenen: Stifterpaar Hollweg beflügelt die Kunstszene

Karin und Uwe Hollweg unterhalten in Bremen ein Museum. Jeden Tag gehen sie dahin, um ihrer Kunst nah zu sein – und über Förderung zu entscheiden.

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Vor Bildern von Mark Tobey in ihrem Privatmuseum: Uwe und Karin Hollweg, die jährlich mehr als eine Million Euro für Kultur ausgeben.  Foto: 

Uwe Hollweg, auch heute in Sakko mit Einstecktuch, gönnt sich im Büro eine Kuba-Zigarre, während seine Frau durch das Privatmuseum gegenüber der Kunsthalle Bremen führt. „Hier dieses fantastische Farbdripping des Kaliforniers Sam Francis“, sagt sie, „und dort die übermalten Selbstporträts von Richard Hamilton.“ Diese Serie des britischen Pop-Art-Künstlers habe viel gekostet, aber ihr Mann habe ruckzuck Ja gesagt.

Die Hollwegs, er 78, sie 69, sind kunstbesessen. Mit der vor 20 Jahren gegründeten Karin-und-Uwe-Hollweg-Stiftung schießen sie eigenen Angaben zufolge jährlich mehr als eine Million Euro in Kunst, Kultur und Denkmalpflege, vor allem in Bremen. Hier engagieren sie sich für die Kunsthalle und die Deutsche Kammerphilharmonie – Institutionen, die ihrer Meinung nach Bremens Image verbessern.

Zum Wiederaufbau der Dresdener Frauenkirche haben sie gut eine halbe Million Euro beigesteuert. Das ergreifendste Dankeschön nach all den Baustellenbesuchen war für Karin Hollweg die Eröffnungsfeier: „Ludwig Güttlers Blechbläserensemble, die ganze Atmosphäre, das hat mich tief berührt.“ Seitdem steht die Nachbildung des vergoldeten Turmkreuzes im Büro der Stiftung.

Uwe Hollweg ist ein Mann mit Humor, der sich hanseatisch zurückhaltend gibt. Er sei nicht reich, allenfalls wohlhabend. „Wir brauchen keine Jacht, kein Flugzeug, nur mal einen schönen Urlaub, gern nach Spanien. Wir sind Golfer und werden im hohen Alter immer schlechter.“

Sein Vermögen hat der Kaufmann im väterlichen Sanitär- und Heizungsgroßhandel Cordes & Graefe gemacht, heute ein europaweit tätiges Familienunternehmen mit mehr als 15 000 Mitarbeitern. Sich für andere zu engagieren, hat in seiner Familie Tradition. Schon sein Vater war spendabel, sagt Hollweg: „Nach dem Krieg gab’s für die Mitarbeiter Kohlen und für die Kinder den ersten Konfirmationsanzug.“

Karin Hollwegs Vater war in Los Angeles Werbegrafiker, sie selbst Malerin. Schon früh haben sich die Hollwegs deshalb zu Weihnachten und Geburtstagen nicht Päckchen und Parfüms geschenkt, sondern Kunst. Allen voran Arbeiten von Wols (1913–1951), diesem Grenzgänger zwischen Surrealismus und Expressionismus.

600 ihrer Gemälde, Installationen und Künstlerbücher haben die Hollwegs – in Absprache mit ihren drei Töchtern – ihrer Stiftung bereits vermacht. Bis Ende des Jahres sollen es 1200 Werke sein. Uwe Hollweg: „Wir wollen, dass das ganze Sammelsurium langfristig zusammenbleibt.“

Mittlerweile ist Uwe Hollweg Ehrenbürger und gemeinsam mit seiner Frau mit der Maecenas-Ehrung ausgezeichnet worden. Nur „einige Genossen haben so ihre Schwierigkeiten mit unserer Stiftung“, räumt das CDU-Mitglied Hollweg ein. Deren Ansicht nach müsse allein der Staat entscheiden, wofür in der Kulturszene Geld ausgegeben wird, und nicht private Stifter. Die Antwort der Hollwegs: Ihr Privat-Museum haben sie bereits verdoppelt.

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