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Die Klammer greift nicht

Wenn man sich schon von Daniel Libeskind am Kö-Bogen eine hochedle Shopping-Mall hinstellen lässt, dann will man in Düsseldorf auch in Sachen Kunst richtig klotzen. Die Quadriennale 2014 soll es richten.

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  • Stadtvisionen aus dem Computer bei der Düsseldorfer Quadriennale in der Ausstellung "Smart New World" in der Kunsthalle. Fotos: Gerda Meier-Grolman 1/2
    Stadtvisionen aus dem Computer bei der Düsseldorfer Quadriennale in der Ausstellung "Smart New World" in der Kunsthalle. Fotos: Gerda Meier-Grolman
  • Die besten Kunstinszenierungen bei der Quadriennale findet man im Untergeschoss des Ständehauses, hier Martin Kippenbergers Installation "Ich geh jetzt in den Birkenwald, denn meine Pillen wirken bald". 2/2
    Die besten Kunstinszenierungen bei der Quadriennale findet man im Untergeschoss des Ständehauses, hier Martin Kippenbergers Installation "Ich geh jetzt in den Birkenwald, denn meine Pillen wirken bald".
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Die Rheinmetropole Düsseldorf ist nicht die Weltkunststadt Kassel, und die Quadriennale nicht die documenta. Also werden sich nur wenige Kunstfreunde an die Quadriennalen 2006 und 2010 erinnern, die die Kulturmeile zwischen dem Kunstpalast Ehrenhof, den NRW-Kunstsammlungen, der Kunsthalle, dem rheinländischen Kunstverein und der weiter südlich gelegenen Kunstherberge K 21 aufwerten sollten.

Der Versuch, die musealen Anstrengungen während der Quadriennalen unter einer einprägsamen verbalen Klammer zu bündeln, um sie so tiefer im Bewusstsein der Kulturgemeinde zu verankern, wollte nicht so recht zünden. Immerhin konnte man sich 2006 unter dem Leitthema "Der Körper in der Kunst" an so eindrucksvollen Künstler-Persönlichkeiten wie Caravaggio, Francis Bacon und Bruce Nauman delektieren. 2010 ging es dann unter dem schon etwas schwammiger gehaltenen Obertitel "Kunstgegenwärtig" vor allem darum, die großen Zeiten des Düsseldorfer Kunstgeschehens aufzulisten.

Können denn nun die Ausstellungsprojekte der 13 Kunstinstitute, die unter der großspurigen, so ziemlich alles umfassenden Zukunftsformel "Über das Morgen hinaus", versammelt wurden, weiter tragen und nachhaltiger wirken als die Vorgänger es vermochten? Das wird gewiss schwer werden, denn die finanziellen Möglichkeiten der Düsseldorfer Kunsthäuser bewegen sich derzeit gegen Null, wenn sogar die sich stets recht kulturoffen gebende Landesmutter Hannelore Kraft klammheimlich und gnadenlos die Etats der eigenen Kunstsammlungen zusammenstreicht.

Ausstellungen, die ja unter allen Umständen was hermachen sollen, sind heutzutage überhaupt nur mit kräftiger Sponsorenhilfe zu stemmen. Und selbst solche potenten Geldgeber geraten in diesen Krisenzeiten ins Trudeln. So muss etwa der in Düsseldorf residierende Eon-Konzern jetzt eines seiner Hauptstücke in seinen Kunstdepots, das Großformat "Number 5" von Jackson Pollock, ins Auktionshaus bringen, damit er seine Kulturförderung weiter betreiben kann.

Wie auch immer, die Klammer "Über das Morgen hinaus" greift nicht. Schon zwischen der edel bestückten Werkschau in den Kunstsammlungen K 20, wo die Großmeister Kandinsky, Malewitsch und Mondrian den "weißen Abgrund Unendlichkeit" ausloten, und den erfrischend frechen Kunstvisionen der "Kellerkinder", will sagen den Vertretern der jüngeren Künstlergenerationen, im Ständehaus mit Arbeiten von Jeff Wall, Roni Horn, Thomas Demand, Martin Kippenberger, Thomas Schütte und Gregor Schneider lässt sich kaum Gemeinsames entdecken.

Schon gar nicht, wenn man die ungeheuer aufwendig gemachte Kunstpalast-Schau "Kunst und Alchemie - Das Geheimnis der Verwandlung" mit Werken von Brueghel, Cranach, Rubens und Rembrandt bis Anish Kapoor, Rebecca Horn, Sigmar Polke und Neo Rauch Revue passieren lässt und sie in Verbindung bringt mit den Video-Arbeiten der Elaine Sturtevant bei Julia Stoschek in der Schanzenstrasse. Gar nicht zu reden von den Sky-Art-Kunststücken des Zero-Meisters Otto Piene in der Langen-Foundation in Hombroich oder von der visualisierten Kritik am "Datenkapitalismus" in der "Smart New World" in der Düsseldorfer Kunsthalle.

In Sachen Nachhaltigkeit wird auf jeden Fall die Quadriennale-Schau "Unter der Erde. Von Kafka bis Kippenberger" im K 21 im Düsseldorfer Ständehaus punkten. So wunderbar inszeniert hat man Kippenbergers Großinstallationen "Ich geh jetzt in den Birkenwald, denn meine Pillen wirken bald" und die Fahrt der Mannpuppe auf dem Elektromobil durch die Tunnelröhre noch nie gesehen.

Wassily Kandinsky, Martin Kippenberger und die anderen

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