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Clooney, Fonda und Redford beim Filmfestival in Venedig

Eine Komödie über Rassismus, eine Geschichte über Sex im Alter: Die Stars bringen kritische, heikle Stoffe nach Venedig mit.

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Augenscheinlich bester Laune treten die Hollywood-Altstars Jane Fonda und Robert Redford am Lido auf, um ihren neuen Film „Our Souls at Night“ zu präsentieren.  Foto: 

Seit seiner Glanzzeit als Luxus-Strandbad der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts kämpft der Lido gegen den eigenen Niedergang. Die Aura des schleichenden Verfalls verleiht dem Inselstreifen am Ende der Lagune von Venedig als Kulisse für das Filmfestival jedoch sein unvergleichliches Flair von Tragik und Sehnsucht. Zur 74. Ausgabe der „Mostra del Cinema“ sichern sich junge Mädchen vom frühen Morgen an die besten Plätze am Roten Teppich, um auf George Clooney und andere Stars zu warten.

Das älteste Filmfestival der Welt zieht trotz Untergangsstimmung mit Clooney, Matt Damon und Julianne Moore als Hauptdarsteller seines Films „Suburbicon“ ebenso wie mit Jane Fonda, Robert Redford und Judi Dench nach wie vor Stars an. Dass Deutschland nicht im Wettbewerb vertreten ist, erklärt Festivalchef Alberto Barbera mit mangelnder Qualität. Ebenso wie das italienische Kino sei es zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Immerhin ist Deutschland in der monumentalen Ko-Produktion des chinesischen Künstlers Ai Weiwei „Human Flow“ über die globale Flüchtlingskrise im Rennen um den Goldenen Löwen vertreten.

Clooney ist seit seiner Hochzeit in Venedig vor zwei Jahren geübt darin, die Fans und Fotografen abzuhängen und sich gemeinsam mit seiner Frau Amal zu genau kalkulierten Gelegenheiten für Selfies und Berührungen darzubieten. Fünf Restaurants ließ er am Vorabend der Präsentation seines Films in Venedig reservieren, um die Verfolgung durch die Paparazzi-Boote zu erschweren. Am Ende spürten sie ihn dennoch bei Da Ivo auf, wo er bereits vor zwei Jahren den Abend vor seiner rauschenden Hochzeitsparty am Canal Grande verbracht hatte.

Vor der Präsentation von „Suburbicon“, Clooneys bitterer Komödie über den amerikanischen Traum der fünfziger Jahre einer weißen Stadt ohne Schwarze, zeigt Clooney sich mit seiner Frau Amal, die als Menschenrechtsanwältin für die gute Sache eintritt, und den beiden Zwillingen Ella und Alexander in winzigen gestreiften Gondoliere-Hemdchen als Idealfamilie. Das genaue Gegenteil der nur scheinbaren Idealfamilie in seinem auf einem Drehbuch der Coen-Brüder aus den achtziger Jahren basierenden Film.

Matt Damon als ganz normaler Angestellter und Julianne Moore als seine im Rollstuhl sitzende Ehefrau und deren Zwillingsschwester, die Glücksträumen à la Blanche aus „Endstation Sehnsucht“ nachhängt, verwandeln sich darin unter Clooneys Regie in ganz normale Monster.

Wie jeder US-Amerikaner am Lido wird in diesem Jahr auch Clooney mit Fragen nach seiner Haltung zu Donald Trump bedrängt. Ganz Amerika sei wütend, gesteht er gelassen im schwarzen Hemd mit offenem Kragen ein. Sein Film beschreibe, wie die USA die eigenen  „Rassismusprobleme nie gelöst hat und deshalb droht, wieder in die damaligen Fehler zu verfallen“.

Hochkarätige Regisseure

Dass Stars mit ihrer Aura auch unbequemen Themen zum Erfolg verhelfen können, beweisen am Lido nicht zuletzt Jane Fonda und Robert Redford mit „Our Souls at Night“ über Liebe und Sex im Alter. Wie unbeholfen Menschen bei der gegenseitigen Annäherung nicht nur mit 16, sondern auch mit 81 wie im Fall von Redford sein können, zeigen die beiden Altstars mit minutiöser Genauigkeit und spielerischem Humor. Ganz ohne Peinlichkeit versichern die beiden am Lido mit dem Ehrenlöwen ausgezeichneten Stars, Sex werde mit dem Alter immer besser. Sie lacht dabei siegesgewiss, er sagt die Worte wie das Ergebnis einer sachlichen Erwägung.

 Der Charme des Festivals am Lido liegt in traditionellem Glamour vor der unvergleichlichen Kulisse der Lagune und weniger bekannten, dafür aber umso hochkarätigeren Regisseuren. So erzählt die iranische Videokünstlerin Shirin Neshat über das Leben der ägyptischen Sängerin Oum Kulthum. Der Australier Jason Raftopoulos präsentiert mit den für das Kino seines Landes typischen monumentalen Bildern die Geschichte eines Versagers, der alles verliert, aber dabei eine Beziehung zu seinem Sohn entwickelt.

 Das seit den Zeiten von Thomas Manns Roman „Tod in Venedig“ berühmte Hotel des Bains wenige hundert Meter jenseits des Festivalareals bietet noch immer einen desolaten Anblick. Sämtliche Fenster im Erdgeschoss sind mit Pressholzplatten vernagelt. Eine Metallbarriere soll das heruntergekommene Prachthotel vor den Blicken Neugieriger schützen. Die geplante Luxuswohnanlage lässt noch immer auf sich warten.

Immerhin ist das über Jahre klaffende Bauloch neben dem Spielcasino als Hauptort der Biennale mit einem roten Plastikkubus überbaut, in dem wieder Filme gezeigt werden. Und die Betonpoller an den Zufahrten verbergen ihre Sicherheitsfunktion unter blauen Plastikkästen.

Gefeiert wurde am Wochenende die 82-jährige Judi Dench für ihre Rolle in „Victoria & Abdul“. Regisseur Stephen Frears erzählt nach „The Queen“ wieder eine wahre Geschichte über das britische Königshaus, Dench spielt Königin Victoria. Außer Konkurrenz stellte Vince Vaughn den brutalen Gefängnisthriller „Brawl in Cell Block 99“ mit Don Johnson und Udo Kier vor. Außerdem war Sienna Miller in „The Private Life of a Modern Woman“ an der Seite von Alec Baldwin zu sehen. Berührend waren auch Helen Mirren und Donald Sutherland als älteres Paar, das sich in „The Leisure Seeker“ nach vielen gemeinsamen Ehejahren auf seine letzte große Reise macht – eine melancholische Geschichte über die Liebe und das Abschiednehmen. dpa

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