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Cannes: Roadmovie, Sexszenen und ein tanzender "Tore"

Oscar-Preisträger Alexander Payne und Schauspielerin Adèle Exarchopoulos begeistern in Cannes. Zwischen Hoffnungsträgern und Enttäuschungen lief gestern in einer Nebenreihe der Filmfestspiele der einzige deutsche Beitrag: "Tore tanzt".

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Der deutsche Schauspieler Julius Feldmeier in "Tore tanzt". Der Film war in der Reihe "Un Certain Regard" des 66. Filmfestivals in Cannes zu sehen. Foto: dpa

Kurz vor dem Finale am Wochenende bleibt das Rennen um die Goldene Palme beim Filmfestival in Cannes spannend. Oscar-Preisträger Alexander Payne ("Sideways") stellte am Donnerstag sein mit Spannung erwartetes neues Werk "Nebraska" vor: ein anrührendes Roadmovie über die Reise eines Sohnes mit seinem alten Vater.

Auch das intime und sexuell explizite "La vie dAdèle" des Franzosen Abdellatif Kechiche überzeugte viele Zuschauer - vor allem die junge Hauptdarstellerin scheint beste Chancen auf eine Auszeichnung zu haben. Faszinierend ist dabei nicht nur, dass der Film mit drei Stunden kurzweilig wirkt, sondern dass Hauptdarstellerin Adèle Exarchopoulos diesen Raum ganz natürlich füllt. Ungewöhnlich sind auch die langen, ausführlich gezeigten Sex-Szenen der beiden Frauen. Kechiche erzählt die universelle Geschichte der ersten großen Liebe.

In der renommierten Nebenreihe Un Certain Regard stand gestern auch die Premiere des einzigen deutschen Spielfilms in Cannes auf dem Programm. Das Debüt "Tore tanzt" von Regisseurin Katrin Gebbe kreist um den Heranwachsenden Tore, der sich durch Zufall mit einer fremden Familie befreundet, bei ihr einzieht und dann fürchterlichen Missbrauch erlebt. Der beginnt schleichend, ist erst verbal und wird zunehmend gewalttätiger. Gebbe findet dafür zum Teil sehr poetische, der harschen Realität entrückte Bilder. Ein Film, der nachwirkt. Selbst wenn sie in Cannes nichts gewinnen sollte, hat das Filmfestival mit der in Hamburg lebenden Gebbe doch eine beachtenswerte deutsche Jungregisseurin entdeckt. Enttäuscht hat in Cannes hingegen Nicolas Winding Refns "Only God Forgives". Vor zwei Jahren hatte der dänische Regisseur an der Croisette für "Drive" eine Palme für die beste Regie bekommen und mit dem kultigen Gewaltthriller nebenbei Schauspieler Ryan Gosling endgültig zum Star gemacht. In seinem neuen Film dickt er die dünne Handlung mit Gewaltakten an, bleibt dabei aber steif und leblos.

J. C. Chandors "All Is Lost" mit Robert Redford feierte außer Konkurrenz Premiere - und wurde mit stehenden Ovationen bejubelt. Gewalt gibt es hier nur in dem Sinn, in dem sie von der Natur ausgeht: Der Film spielt auf hoher See, zeigt nur einen Mann und verzichtet fast völlig auf das gesprochene Wort.

Die letzten Wettbewerbsbeiträge dieses Festivals werden morgen gezeigt, die Preisvergabe ist am Sonntagabend.

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