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Buchhalter der Träume

John Coltrane, Jimi Hendrix, Michael Jackson und die Rolling Stones - "The Fritz" brachte sie alle nach Deutschland. Der legendäre Konzertveranstalter Fritz Rau ist tot. Er starb am Montag im Alter von 83 Jahren.

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"Fritz is a Godfather", sagte Mick Jagger über ihn: Fritz Rau. Foto: dpa

Sein erstes großes Konzert veranstaltete er angeblich im Alter von 15 Jahren in der Heidelberger Stadthalle mit Posaunist Albert Mangelsdorff. Kurz darauf begegnete Fritz Rau dem Konzertagenten Horst Lippmann, der ihn als Tourneebegleiter anheuerte. 1963 kam es zur Zusammenarbeit, die Agentur Lippmann + Rau entstand, die das Konzertleben in Deutschland prägen sollte.

Eigentlich wollte er Rechtsanwalt werden, doch dann folgte Fritz Rau seiner Berufung: Der gebürtige Pforzheimer wurde Deutschlands bedeutendster Konzertveranstalter. Von den 60ern bis in die späten 90er hatte er fast alle Stars des Rock- und Popgeschäfts unter Vertrag. Zunächst sind es Folkmusiker und Jazzer, die sich auf Tournee mit dem "Buchhalter der Träume" begeben: John Coltrane, Dave Brubeck, Duke Ellington. Es folgen Soulmusiker wie James Brown, Ray Charles oder Aretha Franklin. Als er 1968 Jimi Hendrix und die Doors engagiert, schafft Rau mit Horst Lippmann den Durchbruch. Mindestens 25 Bands und Solokünstler pro Jahr lernen "The Fritz" kennen und schätzen. Der Herr mit dem zotteligen Vollbart, der unkonzentriert wirkte, aber hellwach war und knallhart verhandeln konnte, wird für viele Musiker zum Ersatzpapa für ein paar Wochen. Bob Dylan, Frank Zappa, Johnny Cash, Eric Burdon, Michael Jackson und seine Lieblingsband, die Rolling Stones, alle kommen, wenn der Branchenprimus ruft.

Joan Baez urteilt über den liebenswerten Workaholic: "Er schläft nie und überlebt bei Bier, Schnitzeln und Gugelhupf". Auch die jungen deutschen Musiker, die sich vom Schlager abwenden und Rockmusik machen, schätzen Raus Zuverlässigkeit und seine professionelle Arbeitsauffassung. Peter Maffay oder Udo Lindenberg haben einen Großteil ihres Erfolgs dem Energiebündel zu verdanken. Lindenberg nennt ihn den "Vater" einer sizilianischen Familie: "Wehe, wenn einer ihn schlecht behandelt!". Und Mick Jagger sagt: "Fritz is a Godfather. Rock n Rau forever".

Die enge Beziehung von Rau und Jagger belegt eine Geschichte aus dem Jahr 1982. Im Kölner Stadion steigt das letzte Konzert der Europatournee der Rolling Stones. Fritz Rau steht hinter dem Vorhang und zittert, hat Schüttelfrost, Bühnenangst total. Mick Jagger legt ihm die Hand auf die Schultern: "Be cool, man. You can do it". Dann gibt ihm der Stones-Boss einen Stoß, der Impressario steht vor 10 000 Leuten und brüllt in seinem badisch angehauchten Englisch ins Mikro: "Ladies and Gentlemen, welcome de Rolling Stones". Hinter ihm stürmt die Band auf die Bühne, die Menge tobt, das Stadion bebt. Später sagt Rau über diesen heiligen Moment: "Es gibt nichts Schöneres als was Schöns", frei nach Karl Valentin.

Fritz Rau war mehrfacher Echo-Preisträger und erhielt 2002 das große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 2007 wurde er mit dem Live Entertainment Award (LEA) für sein Lebenswerk ausgezeichnet. In den letzten Jahren stand Rau häufig selbst auf der Bühne. Er hielt Vorträge über den Blues und las aus seiner Autobiografie "50 Jahre Backstage". Fritz Rau starb friedlich auf seinem Alterssitz im Taunus. Doch wie sagte Pete Townshend von The Who: "Fritz will never f-f-fade away".

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