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Bitte nicht naschen!

Für Beuys war Schokolade eine Energiebombe. Wie andere Künstler mit diesem besonderen Stoff umgehen, zeigt jetzt das Museum Ritter.

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Corrado Bonomis Elfe bearbeitet Schokolade. Foto: Gerda Meier-Grolman

Im Schoko-Laden, wo abertausend Tafeln Ritter-Sport lagern, hat man die Wahl zwischen Vollmilch, Halbbitter, Marzipan, Eierlikör, Nougat, Trauben-Nuß, Mandeln und Trüffeln, aber riechen tut man kaum etwas. Ganz anders nebenan im Museum Ritter.

Schon im Erdgeschoss explodiert eine enorme Kakaowolke, kein Wunder bei den Riesen-Schokokugeln in der Raummitte. Der Geruch zieht nach oben, verstärkt sich. Dort hat Sonja Alhäuser zwei gut temperierte Schokoladenmaschinen stehen, in deren brodelnder, blubbernder Schoko-Soße Klein-Adam und Klein-Eva Schwimmübungen machen. Überall ist Schokobraun auf den Bildern, zerfließende Osterhasen, leicht bekleidete Elfenwesen, die mit dem Presslufthammer Schokotafeln bearbeiten wie bei Corrado Bonomi. Ruth Knecht zeigt zermantschte Weihnachtsmänner. Bei Dieter Roth versinken Hühner und Gänse im Schokosand. Timm Ulrichs überzieht frech ein Kruzifix mit süßem Zeug, frei nach der Zeile "Nehmet, esset; das ist mein Leib".

Dabei ist das Material Schokolade im Kunstbetrieb gar nicht so beliebt, ist eigentlich nur eine Ausnahmeerscheinung, denn die Mehrzahl der Künstler schaut auf Nachhaltigkeit, will in Öl, Holz, Stein Ewigkeitswerte schaffen, die Generationen überdauern und die künstlerische Botschaft weitertragen. Wer wird sich da auf vergängliche Kunst-Ware versteifen? Beim Star der Schoko-Kunstszene, Dieter Roth, dessen Schokoladen-Gebirge und -Karnickel vom Zahn der Zeit arg angenagt werden und die naturgemäß rasant zerbröseln, müssen schon die Restauratoren ran.

Die 60 Schoko-Arbeiten, die das Museum Ritter jetzt zeigt, scheinen aber taufrisch, knusprig und lecker. Gut, die Altmeister-Stücke von Marcel Duchamp, Kurt Schwitters, Joseph Beuys, Wolf Vostell, Richard Hamilton und Dieter Roth haben schon ziemlich Patina angesetzt, während die jüngeren Schoko-Kunstwerker sehr trickreich der Material-Ermüdung begegnen. So hat etwa der 1964 in Reken in Westfalen geborene Thomas Rentmeister eine überdimensionierte samtig erscheinende Quadrat-Schokotafel als Bodenskulptur angeliefert, die todsicher Bestand haben wird, denn sie bringt 300 Kilogramm auf die Waage und besteht aus Eisen.

Verführerisch nach Schokolade duften auch die 17 Wettbewerbsarbeiten von Studenten an der Kunsthochschule Halle Burg Giebichenstein, sie haben mit viel Fantasie unter anderem farbige Kakaoschoten, Schachfiguren, Plattenspieler und den Kopf des neuen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un aus dem wunderbar formbaren braunen Stoff herausmodelliert.

Aber auch hier gilt wie übrigens in der gesamten Schoko-Schau im Museum Ritter der unbedingt zu beachtende Besucher-Hinweis "Bitte nicht naschen!"

Info "Kunst mit Schokolade" bis 30. September im Museum Ritter in Waldenbuch, Öffnungszeiten Di-So 11-18 Uhr, www.museum-ritter.de

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