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Backe, backe Kuchen

Die Herzen des Publikums fliegen ihnen schon länger zu. Nun haben die Tänzer von Gauthier Dance auch das offizielle Stuttgart erobert. Der neue Abend geriet etwas zwiespältig, wurde aber eingehend gefeiert.

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Ausflug ins Paris der Josephine Baker: Marianne Illig in ihrer Choreografie "Toc Toc". Foto: Regina Brocke

"Seit zwei Wochen sind wir eine Stuttgarter Institution", freute sich Company-Chef Eric Gauthier. Denn seit Jahresanfang ist die Truppe aus mittlerweile zehn Tänzerinnen und Tänzern in der städtischen Kulturförderung, auch wenn Mitte des Monats noch kein Euro aufs Konto geflossen ist, wie Gauthier augenzwinkernd in Richtung erste Parkettreihe sandte. Dort saß Stuttgarts Stadtoberhaupt Wolfgang Schuster, sichtlich gelöst und gutgelaunt nach seiner Absage an eine weitere Amtszeit.

Gauthier Dance und das Theaterhaus als sein Domizil haben gut fünf Jahre zäh um die Anerkennung der Stuttgarter Kulturfinanzpolitiker ringen müssen. Nun könnte eitel Sonnschein herrschen - solange die städtische Gauthier-Hilfe nicht zulasten anderer Stuttgarter Kultureinrichtungen geht. Die Tanzsparte im Theaterhaus beginnt 2012 jedenfalls mit einer Leistungsschau nach Hausrezept, die sich auch als Motivationsschub für opferbereite Ensemblemitglieder verstehen lässt.

In "Out of the Box", deren dritte Folge nun Premiere hatte, können sich Gauthiers Akteure choreographisch ausprobieren. Kein reiner Befehlempfänger für tänzerische Ideen zu sein, sondern selber gestalten - das ist schon ein Anreiz. Die Hälfte der Company machte mit.

Ist eingangs Marianne Illigs Zeitreise ins Paris der Josephine Baker ("Toc Toc") noch eine harmlos-vergnügliche Petitesse, zeigt Anna Süheyla Harms "All that Talking" bereits erstaunliches Format, wie der elegante Rosario Guerre dort um Zuwendung aus einer befremdlichen Haubenträger-Riege buhlt. Fünf Meisjes tanzen Sirtaki, bis sich für den Solisten ein inniges Duett herauspellt: eine starke Etappe auf der achtteiligen Strecke dieses Abends.

Gewiss ist es nicht durchweg allererste Güte, was dem Talentschuppen entspringt. Das Tanzvokabular muss erst noch, teils unbeholfen, durchbuchstabiert werden. Armando Braswell weiß mit der starken körperlichen Präsenz des Neumitglieds Anna Süheyla Harms in seinem selbstbespiegelnden "Pretty Ugly" nicht wirklich etwas anzufangen. "Nakes Eyes" von Garazi Perez Oloriz lebt mehr von der unbändig energiegebündelten Tanzfreude des Duos Oloriz und Guerra.

Guerras "Inbetween" lässt ein kampferprobtes Trio den männlich-herben Nachtseiten nachspüren, mit einer gehörigen Portion Forsythe. Überhaupt kommt es auf die Zutaten an. Braswells "Like Water für Chocolate" ist ein bitterer Sketch über die versagenden Back-Künste eine Frau, wie sie die schwindende Liebe ihres Liebsten per Rezept wieder durch den Magen erobern möchte.

An den Schluss stellt Anführer Gauthier, der mit "HissStory" zudem eine elastische Schlangenbeschwörung beisteuert, sozusagen zum Vorkosten die Miniversion eines größeren Projekts. Nächstes Jahr sollen abendfüllend "Piano Particles" mit dem Livesound des Komponisten Steffen Wick aufgeführt werden. Ein ambitioniertes Unternehmen, das Wicks befeuernde Minimalmusic optisch ausmalt und das Ensemble in Atem hält (oder außer Atem bringt).

Dieser Vorgeschmack überzeugt wenig. Schleier flatern, mobile Ventilatoren werden geschwenkt. Viel zu viel Luft. Zuvor: reichlich backe, backe Kuchen. Und nun: walle, walle, Tücher, mit vielen fingernden Händchen. Auch dem umjubelten Stuttgarter Tanzhelden Gauthier glückt nicht automatisch alles.

Info Die bisher bekannten Termine bis Ende Februar sind ausvekauft.

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