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Adèle mischt Cannes auf

Die Spannung vor der Verleihung der Goldenen Palme in Cannes ist groß. Diesmal gibt es zahlreiche Anwärter auf den begehrten Preis des Filmfestivals, - auch wenn einige Favoriten enttäuscht haben.

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Die 19-jährige Adèle Exarchopoulos (links) hat Aussichten auf den Preis für die beste Schauspielerin. Foto: dpa

Die Favoritenlisten waren bereits zusammengestellt, da mischt in den letzten Tagen noch ein Film den Wettbewerb um die Goldene Palme auf: "La vie dAdèle" (Adèles Leben), in dem der französische Regisseur Abdellatif Kechiche von einer jungen Frau und ihrer ersten großen Liebe erzählt - zu einer Frau mit blauen Haaren.

So unmittelbar, so intim und einfühlsam zeigt Kechiche seine Geschichte vom sexuellen Erwachen und Erwachsenwerden, dass der Film das Publikum in Cannes trotz Überlänge von drei Stunden auf eine Weise wie kaum ein anderer für sich einnahm.

Wieder einmal fehlen diesem Festival nicht nur weibliche Regisseure, sondern auch allgemein weibliche Hauptfiguren. Im Wettbewerb war überdies nur ein Film von einer Frau vertreten. Insofern stellt "La vie dAdèle" einen Glücksfall in letzter Minute dar. Zumindest der Preis für die beste Schauspielerin scheint der 19-jährigen Hauptdarstellerin Adèle Exarchopoulos sicher.

Anders sieht es im Rennen um die Goldene Palme aus. Im Gegensatz zum Vorjahr, als Michael Hanekes "Liebe" als haushoher Favorit den Wettenteilnehmern fast den Spaß verdarb, gibt es in diesem Jahr wieder ein ganzes Feld an Spitzenkandidaten. Darin spiegelt sich zugleich das hohe Niveau des diesjährigen Festivals.

So sehr die Programmauswahl wieder auf altbewährte Namen setzte, gab sie doch allen Interessierten eine bündige Antwort auf die Frage, was im Weltkino derzeit vor sich geht. Und das Kino erweist sich als vielleicht bester Ort, an dem für jede Geschichte eine Form gefunden wird, sie zu erzählen.

Sei es die Intimität der Handkamera bei Abdellatif Kechiches "La vie d Adèle" oder die raffinierten Kamerafahrten der Coen-Brüder in "Inside Llewyn Davis", sei es der Pragmatismus eines Steven Soderbergh im Liberace-Biopic "Behind The Candelabra", die raue Wortkargheit des Chinesen Jia Zhangke in "A Touch Of Sin" oder das opulente Blut- und Gewaltkino des Dänen Nicolas Winding Refn. Von hochstilisiert bis atemlos realistisch, von tragisch bis komödiantisch war wieder alles dabei.

Der Umstand, dass so viele bereits bekannte Namen vertreten waren, hatte zwangsläufig zur Folge, dass einige mit ihren neuen Werken enttäuschten, einfach weil sie schon bessere Filme gemacht hatten. Wie zum Beispiel Mahamat Saleh-Haroun aus dem Tschad: Dessen "Grigris" konnte nicht gegen seinen Vorläuferfilm "Mann der weint" bestehen.

Nicoals Winding Refn belegte mit "Only God Forgives", in welchem Maße ein plötzlicher Erfolg, wie er ihn mit seinem "Drive" erlebte, zu Kopf steigen kann. Ebenso Berlinale-Gewinner Asghar Farhadi. Dessen "The Past" wird zwar als Preiskandidat gehandelt, reichte aber trotzdem nicht an sein oscarprämiertes Meisterwerk "Nader und Simin. Eine Trennung" heran.

Trotz alledem handelt es sich bei den heißesten Kandidaten auf die Goldene Palme durchweg um Cannes-Veteranen: Der Japaner Hirokazu Koreeda beeindruckte mit seiner Tragikomödie "Like Father, Like Son", von der man annimmt, dass sie genau den Geschmack von Jurypräsident Steven Spielberg treffen könnte. Die Coen-Brüder überraschten alle, die sie zu kennen glaubten, mit ihrem Film über einen erfolglosen Folkmusiker im New York der frühen 60er Jahre, "Inside Llewyn Davis", in dem sie einmal ganz ihre sanfte und melancholische Seite ausspielen.

Und der Italiener Paolo Sorrentino zeichnete in seinem manisch-depressiven "La Dolce Vita"-Remake "La grande bellezza" ein ebenso stilvolles wie schäbiges Bild des gealterten Wohlstandseuropa, womit ihm der Anschluss ans große Fellini-Vorbild wie durch die Hintertür gelingt. Außenseiterchancen werden Jia Zhangke und seinen bitteren Moritaten über den Kapitalismus in China eingeräumt.

Eher übersichtlich gestaltet sich das Feld der für einen Preis in Frage kommenden männlichen Darsteller. Hier müssen Oscar Isaac ("Inside Llewyn Davis"), Michael Douglas ("Behind The Candelabra") und Toni Servillo ("La grande belleza") den Kampf unter sich austragen - beeinträchtigt von der Regel, dass die mit Goldener Palme oder Großem Preis der Jury ausgezeichneten Filme keinen weiteren erhalten können.

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