Partner der

"Ich bleibe lieber dieser kleine Fisch"

Mit der Komödie "Out of Rosenheim" machte Percy Adlon Marianne Sägebrecht vor fast 30 Jahren zum Star. Heute lebt der gebürtige Münchner weit weg.

|
Percy Adlon, der eigentlich Parsifal heißt, im Jahr 2010.  Foto: 

Zum 80. Geburtstag begibt sich Regisseur Percy Adlon ins Abenteuer. Mit seiner Frau Eleonore wandert er fünf Wochen lang durch die peruanischen Anden. Aus 3244 Metern Höhe meldet er sich am Telefon. "Wir haben uns richtig schön abgeseilt", sagt er und lacht. "Ich feiere nur mit meiner Frau. Das ist ein Anker in unserem Leben, diese über 50 Jahre dauernde Ehe."

Ein weiterer Anker sind seine Filme. 150 Dokumentarfilme hat Adlon gedreht und ein paar Spielfilme dazu. Der wichtigste: "Out of Rosenheim" (1987), eine skurrile Komödie, ein fast 30 Jahre alter Kultfilm. Da zog eine dralle Marianne Sägebrecht mit Trachtenhut in einem kalifornischen Kaff einen Koffer durch die US-amerikanische Wüste und traf auf eine junge schwarze Motelbesitzerin - der Beginn einer anrührenden Frauenfreundschaft. Als "Bagdad Café" wurde der mit Preisen überhäufte Film ein Welterfolg. "Der wichtigste Film ist "Out of Rosenheim" - auf jeden Fall und auch finanziell", sagt Adlon, der nach seinem Geburtstag eine DVD-Box mit seinen Spiel- und Dokumentarfilmen auf den Markt bringen will. Mit Sägebrecht, die er einmal als "alpenländische Version von Marlene Dietrich" beschrieb, hatte er zwei Jahre zuvor schon "Zuckerbaby" gedreht. in "Rosalie goes Shopping" machte er sie zum Opfer des amerikanischen Konsumrauschs.

Kurz nach seinem Erfolg mit "Out of Rosenheim" nahm es der Sohn eines berühmten Wagner-Sängers - sein Vorname ist eigentlich Parcifal - und einer Angehörigen der Hoteldynastie Adlon, mit seinem Filmtitel selbst genau und zog ganz weit weg von Rosenheim.

Ende der 1980er Jahre siedelte er nach Los Angeles über. "Ich kam hierher und blieb - wie Jasmin vom Bagdad Café", schrieb er einmal. In den USA drehte er gern ohne die großen Hollywoodstudios. Obwohl er kurz von einer Karriere in der Filmmetropole träumte, erkannte er schnell, dass er dafür zu dickköpfig ist: "Ich will mein eigenes Budget kontrollieren. Ich bleibe lieber dieser kleine Fisch, von dem all die großen Fische in Hollywood denken, ,du bist nicht mal Plankton für uns'." Für den schrägen Liebesfilm "Younger and Younger" konnte Adlon trotzdem Donald Sutherland gewinnen. Den deutschen Star André Eisermann ("Schlafes Bruder") ließ er in "Dog$hit" (2002) einen raffinierten Copyright-Jäger spielen.

1996 brachte er den Film "In der glanzvollen Welt des Hotel Adlon" heraus. 2002 gab er mit Gaetano Donizettis "Liebestrank" in Berlin sein Debüt als Opernregisseur. Einige Jahre später brachte er "Out of Rosenheim" als Musical auf die Bühne.

Vor fünf Jahren veröffentlichte er seinen bislang letzten Film "Mahler auf der Couch". Auch sein neues Projekt, eine Komödie über "nationale Grenzüberschreitung", über die er noch nicht viel mehr verraten will, plant er gemeinsam mit seinem Sohn Felix. Nebenbei schreibt Adlon an "meinen Heften", wie er sie nennt. Eines Tages werde sein Sohn sie vielleicht veröffentlichen.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

12,5 Jahre Haft: „Unglaubliche Dimension der Schrecklichkeit“

Der 40-jährige Spanier, der im Februar in Vaihingen seine beiden Kinder getötet haben soll, muss für 12,5 Jahre in Haft. Er soll zudem in eine geschlossene Psychiatrie. weiter lesen