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Zustände am Bahnhof verärgern die Bürger

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„Graffiti zur Belebung der Innenstadt“ steht am Sachsenheimer Bahnhof geschrieben – wohl als Aufruf zur Verschönerung.  Foto: 

Es ist ein Katz- und Mausspiel am Sachsenheimer Bahnhof: Die Unterführung wird besudelt, die Schmiererei entfernt. Doch kaum ist dies geschehen, hat sich auch schon wieder jemand an den Wänden der Unterführung verewigt, inklusive verhöhnende Botschaft an die, die für Sauberkeit sorgen wollen: „Frisch gestriechen“, steht da in schwarzer Farbe und falscher Rechtschreibung. Eine Sudelei ist mit „der Banause“ unterzeichnet.

Eine Bürgerin, die diese Bilder in eine geschlossene Facebook-Gruppe gestellt hat, ärgert sich – allerdings nicht über die erneuten schwarzen Schriftzüge, sondern generell über „die triste grau-same Unterführung“. An manchen Stellen bröckelt der Putz auch und es bleiben hässliche braune Flecken zurück. In der weiteren Diskussion äußern mehrere den Wunsch, dass dort wieder buntes, dauerhaftes Graffiti wie in früheren Zeiten die Wände ziert. „Vielleicht fühlt sich ja jemand ermutigt“, schreibt jemand.

Die Stadt teilt auf BZ-Anfrage zu diesem Thema mit: „Dass die Unterführung immer wieder mit Schmierereien verunstaltet wird, ist mehr als ärgerlich. Leider gibt es gegen solche Vorkommnisse nirgends ein Patentrezept.“ Derzeit heißt die Lösung Peter Schreiber. Der Stadtrat hat es sich seit vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, Graffiti aus dem Stadtbild zu entfernen. Allerdings fühlen sich offenbar einige selbsternannte Künstler durch seine Sauber-Aktionen angestachelt (die BZ berichtete).

Auf anderem Weg wollte es der Verein zur Belebung der Innenstadt Sachsenheim (Ibisa) bereits vor zwei Jahren versuchen. Sie hatten sich, so berichtet die Vorsitzende Heide Frankenhauser, mit dem Lichtenstern-Gymnasium in Verbindung gesetzt. Die Idee: Mithilfe eines Kunstwettbewerbs sollte ein neues großflächiges Kunstwerk in der Unterführung geschaffen werden. „Aber die Stadt hat dies nach einiger Zeit abgelehnt“, erinnert sich Frankenhauser. Die Begründung sei damals gewesen, dass sich dann immer neue Sprayer dazu berufen fühlten, sich in diesem Bereich zu verewigen. Auch derzeit schließt die Stadt ein neues Graffiti einer Privatperson aus. „Der Künstler muss in der Szene anerkannt sein“, meint Stadtsprecherin Nicole Raichle. Nur dann würden die anderen Sprayer das Werk akzeptieren und es nicht übermalen.

Reinhart Gronbach, Schulleiter des Lichtenstern-Gymnasiums, findet die Idee von vor zwei Jahren immer noch gut. „Kunst im öffentlichen Raum ist immer gut.“ Zudem sei der öffentliche Druck hinsichtlich Verschandelung bei einem Werk von Schülern nicht zu unterschätzen. Aber selbst wenn ein solches Werk nach einiger Zeit zerstört würde: „Kunst ist vergänglich.“

Ebenfalls angeschnitten wird in besagtem Beitrag die immer noch nicht vorhandene Barrierefreiheit. Durch die Unterführung geht es zwar treppenfrei, aber nicht nach  oben zu den Zügen. Fast parallel dazu gibt es in der öffentlichen Facebook-Gruppe „Sachsenheim“ eine große Diskussion zu eben diesem Thema. Ändern wird sich hier so schnell wohl nichts.

Die Stadt betont, dass sie sich einen barrierefreien Zugang wünsche, verweist aber auf das Hoheitsgebiet der Bahn. Der Konzern spielt den Ball teilweise zurück. Denn grundsätzlich habe die Stadt die Möglichkeit, mit dem Land sprechen und darüber Fördermittel beantragen. Im Anschluss daran wird der Kontakt zur Bahn aufgenommen. „Seitens der Bahn gibt es derzeit keine Planungen“, teilt ein Unternehmenssprecher mit.

Heißt im Umkehrschluss: Bis etwas passiert, ist es auf jeden Fall noch ein weiter Weg. Denn gibt es einen Antrag, wird zunächst ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet, im Anschluss erfolgen die Planungen – ein langwieriger Prozess.

Dass am Bahnhofsareal nichts vorwärts gehe, will die Stadt aber nicht auf sich sitzen lassen: Man habe „mit viel Aufwand den Bahnhofsvorplatz verschönert und attraktiviert“, heißt es. Als Beispiele führt die Verwaltung den „Tender“, der von Ibisa hergerichtet wurde, das neue Stadtleitsystem und den Bücherschrank auf. Doch auch diese Bereiche bleiben nicht verschont: Erst vor einigen Monaten wurde der Bücherschrank zerlegt, jetzt meldet Ibisa, die Aufsteller bei ihren angelegten Beeten wurde, nachdem er zunächst mehrere Male besudelt worden war, geklaut.

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Bürgermeister Horst Fiedler

www.sachsenheim.de/

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