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Zukunft des Ochsen spaltet Spielberg

In Spielberg kochen die Emotionen hoch. Dies wurde am Montag bei einer Informationsveranstaltung einer Interessengruppe deutlich, die das Gasthaus "Zum Ochsen" erhalten und wiederbeleben möchte.

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Das ehemalige Gasthaus "Zum Ochsen" in Spielberg. Eine Bürgerinitiative möchte das Gebäude gern erhalten.  Foto: 

Wahrlich keinen leichten Stand hatte der ehemalige Ortsvorsteher und Sprecher der Interessengemeinschaft "Rettet den Gasthof Zum Ochsen'", Ulrich Salewski, bei der von seiner Initiative einberufenen Infoveranstaltung am Montag. Nach seinen Angaben zählt die Gruppe inzwischen bis zu 40 Anhänger. Allerdings schienen davon nur wenige unter den rund 80 Besuchern der Versammlung im Saal des Gasthofes "Zum Ochsen" zu sein. Immer wieder sah sich Salewski nämlich mit Vorwürfen aus dem Publikum konfrontiert, diese Initiative nur ins Leben gerufen zu haben, um den Verkauf des Gasthauses an den Landkreis Ludwigsburg zu verhindern, das dort gegenwärtig 25 bis 30 Flüchtlinge unterbringen möchten (die BZ berichtete). Plakate, mit denen zur Versammlung eingeladen wurde, waren im Ort bereits mit der Aufschrift "Flüchtlinge willkommen in Spielberg" überklebt worden.

Salewski wollte sich aber nicht in eine rechte Enge gedrängt wissen. Ihm gehe es lediglich darum, das Gasthaus zu erhalten und damit die Infrastruktur in Spielberg neu zu aktivieren. "Wenn der Gasthof tatsächlich abgerissen wird, dann wird Spielberg nicht mehr als eine Durchgangsstraße von Sachsenheim sein", betonte er. Er hätte sich von den Ortschafts- und Gemeinderäten oder Bürgermeister Horst Fiedler schon früher eine solche Infoveranstaltung zum Ochsen gewünscht.

Dies wiederum rief die anwesenden Gemeinderäte wie Hugo Ulmer oder Ortschaftsräte wie Daniel Ott auf den Plan. "Im Februar haben wir selbst von den Plänen erfahren, dass die Verantwortlichen des Landkreises das Gasthaus kaufen und abreißen lassen wollen, um dort rund 50 Asylbewerber unterzubringen. Dies war jedoch nichtöffentlich, und die Ortschaftsräte konnten dazu nichts in der Bevölkerung sagen. Wir haben uns aber in vielen Stunden dafür starkgemacht, dass der Gasthof nicht komplett abgerissen wird und nur maximal 30 Flüchtlinge dort wohnen werden", so Ott. Hätte es diesen Einsatz von den Ortschaftsräten nicht gegeben, wäre der Gebäudekomplex eventuell schon längst entfernt und Containerbauten aufgestellt worden, sagte er. Es sei der Sache völlig undienlich, jetzt irgendwelche Grabenkämpfe zwischen Gemeinde- und Ortschaftsräten sowie der Bevölkerung aufmachen zu wollen.

Ott monierte, dass viele Ortschaftsräte, nachdem sie im Frühjahr von der Initiative Salewskis erfahren hätten, ihm angeboten hätten, eine Bürgerversammlung abzuhalten - er dies immer wieder abgelehnt. Salewski seinerseits blieb bei der Behauptung, dass die politischen Vertreter Sachsenheims in der Sache versagt und die Öffentlichkeit nicht informiert hätten. Daraufhin verließen einige Gremiumsvertreter äußerst verärgert den Saal.

Aber auch bei den verbliebenen Besuchern hatte es Salewski mit seinen Mitstreitern nicht einfach, Begeisterung zu entfachen. Für rund 400 000 Euro könnten Mitglieder einer noch zu gründenden Genossenschaft den Gebäudekomplex aufkaufen. Salewski selbst bevorzugt allerdings eine zweite Idee: nur die Gast- und Wirtschaftsräume, das Ladengeschäft sowie sechs Stellplätze für rund 150 000 Euro erwerben und diese Räumlichkeiten einem Bewirtungsteam zu verpachten. "Der Eigentümer des Ochsen kann die Wohnräume und das dazugehörige Bauerwartungsland selbst verkaufen. Für die Bewirtung steht schon ein Team um einen gelernten Koch bereit. Im Kirbachtal fehlt noch gute schwäbische Gastronomie. Auch ein Dorfladen würde sicherlich angenommen werden. Zudem sind kulturelle Veranstaltungen denkbar", so Salewski.

Viele Anwesende hegten jedoch erhebliche Zweifel am Erfolg dieses Projekts, denn immerhin steht der Ochsen seit Mitte Oktober 2013 leer, ohne dass sich bisher ein geeigneter neuer Pächter finden ließ. Die Frage, ob eine Finanzierung auch von lediglich 150 000 Euro gelingen werde, erzeugte im Publikum große Skepsis, müssten doch rund 40 Mitglieder einer Genossenschaft, nach den Berechnungen der Interessengemeinschaft, monatlich 44 Euro zahlen, um die nötigen Finanzmittel mit einem Darlehen und einer Laufzeit von zehn Jahren aufbringen zu können. Lieber noch wäre den Beteiligten allerdings, wenn die Interessenten das Geld selbst bereitstellen würden und eine Finanzierung gar nicht erst bewerkstelligt werden müsste. "Wir müssen in das Gasthaus nicht viel investieren. Die Dämmung und die Fenster sind neu. Ein Verantwortlicher des Landratsamts hat die Räumlichkeiten besichtigt und mir bestätigt, dass wir den Betrieb im Gasthof sofort aufnehmen könnten", so Salewski.

Wann die Mitglieder der Genossenschaft ihr bereit gestelltes Kapital jedoch zurückerhalten werden und ob dies überhaupt möglich sein wird, darüber konnte Salewski keine Angaben machen. Auch ein detailliertes Betriebskonzept sowie das genaue Finanzierungsmodell soll noch ausgearbeitet werden.

Die von Salewski auf der Versammlung angesprochenen Fachleute lehnten eine Mitarbeit jedoch ab, weil sie nicht daran glaubten, dass sich kurzfristig ein erfolgsversprechendes Konzept aufstellen lasse. Sie votierten stattdessen dafür, einen Asylkreis zu gründen, um die Flüchtlinge möglichst gut integrieren zu können. Davon jedoch wollte wiederum Salewski nichts wissen. "Einen Asylkreis gibt es in Sachsenheim schon. Ich bin unter Umständen sogar bereit dabei mitzuarbeiten. Aber jetzt geht es darum, das Gasthaus zu erhalten", stellte Salewski fest. "Dafür müssen aber alle an einem Strang ziehen. Die Bevölkerung in Spielberg ist jedoch gespalten. Es gibt eine große Kluft zwischen den Ortschaftsräten sowie Ulrich Salewski und seinen Anhängern. Erst müssen diese beiden Seiten aufeinander zugehen", forderte eine Bürgerin unter dem Applaus der Anwesenden.

Entscheidung im Kreistag am 23. Oktober

Treffen Am Freitag, 11. September, will sich die Interessengemeinschaft zur Rettung des Ochsen ab 19 Uhr im Saal des Spielberger Gasthauses treffen, um offiziell eine Bürgerinitiative zu gründen und die weiteren Schritte zu besprechen.

Kreistag Nach Angaben des Sprechers des Landratsamtes, Dr. Andreas Fritz, will der Kreistag in der Sitzung am 23. Oktober über den Kauf des Spielberger Traditionsgasthauses entscheiden. "Der Kern des bestehenden Gasthofgebäudes soll erhalten bleiben. Über die konkrete Planung laufen derzeit Gespräche mit den Vertretern der Stadt Sachsenheim und des Ortschaftsrats Spielberg", so Fritz. In der geplanten Unterkunft sollen 25 bis maximal 30 Asylbewerber im Laufe des nächsten Jahres untergebracht werden. Nach Auskunft von Ortschaftsrat Daniel Ott soll es im Ochsen auch in Zukunft möglich sein, Familienfeiern oder sonstige Veranstaltungen abhalten zu können, da die Gasträume vom Umbau unberührt bleiben sollen.

 

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