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Wer Huhn sagt, muss auch Hahn sagen

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  • Matthias Kurz mit einem zehnwöchigen Bruderhahn. Im Hintergrund sieht man einen der zwei Gockel-Ställe auf dem Hof in Hohenhaslach. Die Mobilstall-Freiland-Eier gibt es im Hofladen, auf Märkten und schon bald in ausgewählten Supermärkten zu kaufen. 1/2
    Matthias Kurz mit einem zehnwöchigen Bruderhahn. Im Hintergrund sieht man einen der zwei Gockel-Ställe auf dem Hof in Hohenhaslach. Die Mobilstall-Freiland-Eier gibt es im Hofladen, auf Märkten und schon bald in ausgewählten Supermärkten zu kaufen. Foto: 
  • So sehen die Eierschachteln für die Supermärkte aus. 2/2
    So sehen die Eierschachteln für die Supermärkte aus. Foto: 
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Freilandhaltung, Gütesiegel, Bodenhaltung – So richtig den Durchblick hat beim Thema Geflügelzucht und Eier niemand mehr. Woran das liegt? Einerseits sicherlich daran, dass die Eier und Hähnchenbrüste jederzeit verpackt aus dem Supermarktregal genommen werden können und andererseits, weil in der Tierzucht einiges im Verborgenen geschieht.

Nicht so auf dem Bauernhof Kurz im Kirbachtal. Zimmermänner hämmern und sägen an einem Holzbau. „Das wird unser Kükenhaus. Unsere Küken aus der „Hahn und Huhn“-Initiative werden hier ihre ersten vier Wochen verbringen“, erklärt Matthias Kurz. Er ist in den 1990er-Jahren im Familienbetrieb eingestiegen. Der 46-Jährige führt den Betrieb seit 2003. Das Kükenhaus soll Transparenz schaffen, durch Fenster kann jeder interessierte Bauernhofbesucher hineinschauen. „Das ist Hühnerhaltung zum Erleben und auch für Kinder eine tolle Sache“, erklärt der Landwirt, der Führungen anbietet.

Auch nach dem Schlüpfen geht es diesen Küken etwas anders als den meisten. Die wissenschaftliche Methode der Geschlechterbestimmung vor dem Schlüpfen („InOvo“) ist noch nicht praxisreif, daher muss bis zum Schlüpfen gewartet werden. Direkt nach der Geschlechterbestimmung wird sortiert. Weibliche Küken werden aufgezogen, denn sie werden die Legehennen von Morgen. Ihre Brüder werden gleich am ersten Tag getötet. „Ich hörte von Hühnerhaltern vom alten Schlag immer: ‚Das geht halt nicht, die männlichen Küken aufzuziehen’, das hat mich motiviert, es zu versuchen“, sagt Kurz, nicht ohne schmunzeln zu müssen. Die Aufzucht der Hähne ist nüchtern betrachtet nicht lohnenswert. Die Hähne der Legehennen-Haltung wachsen langsamer als Masthähnchen, brauchen mehr Futter und haben eine kleinere Brust. Sie sind also unwirtschaftlicher. „Ich habe nie darüber nachgedacht, warum ich mit diesem Projekt starten wollte. Wahrscheinlich aus dem Antrieb heraus, es gut zu machen“, sagt Kurz.

Damit ist er nicht der einzige. Die Initiative „Huhn und Hahn“ ist ein Projekt von Landwirten aus Baden-Württemberg. Das Ziel ist, Huhn und Hahn großzuziehen, beide in separaten Ställen, und beiden den Zugang zu Wiesen zu ermöglichen – also ein artgerechtes Leben zu garantieren. Aber auch Matthias Kurz hat eine Familie, die er ernähren möchte und muss kostendeckend und wirtschaftlich arbeiten. Die Initiative finanziert sich einerseits durch den Verkauf des Hähnchenfleischs, doch dies deckt die Kosten nicht. Der zweite Punkt ist, dass die Eier der zugehörigen Hennen teurer verkauft werden. „Unsere Eier aus der „Huhn und Hahn“-Initiative kosten etwa sechs bis sieben Cent mehr als Freilandeier. Es sind Mobilstalleier“, so Kurz.

Mobilställe können auf einer Wiese versetzt werden, sodass die Legehennen immerzu frisches Gras haben. Der Bauernhof Kurz hat 5000 Tiere in Freilandhaltung, davon 550 im Mobilstall-Betrieb, sowie 15 000 Hennen in Bodenhaltung. Außerdem 12 000 Naturland-Bio-Eier auf dem Bromberg­hof. „Mir ist wichtig, dass es allen unseren Tieren gut geht. Sie haben die gleichen Ställe und das gleiche Futter“, betont Kurz. Freilandhaltung bedeutet Auslauf ins Grüne, alle anderen Tiere haben Stroheinstreu als Unterlage. „Die langen Halme sorgen nicht nur für Trockenheit und Wärme, sondern bieten den Tieren auch eine Beschäftigungsmöglichkeit“, so der Landwirt. Denn Hühner seien wie Kinder: neugierig und spielerisch. Auf dem Hof gibt es zwei Ställe mit je 200 Gockeln, die unterschiedlich alt sind. Ein Stall ist für die etwa zehnwöchigen „Bruderhähne“, der zweite bis zur Schlachtung mit etwa 20 bis 22 Wochen gedacht. Die Schlachtung wird einzeln und von Hand auf dem Hof durchgeführt, sodass die Tiere möglichst wenig Stress haben, was auch dem Geschmack des Fleisches gut tut. Das Fleisch der Bruderhähne ist etwas fester und kräftiger als das von Masthähnchen.

Ob das Projekt weiter wachsen kann – im Kirbachtal, in Baden-Württemberg und bundesweit – hängt von der Nachfrage ab. Bisher kommt das Konzept gut an und Geflügelhalter Kurz bietet seine Freilandeier aus der „Huhn und Hahn“-Initiative in Kürze nicht nur in seinem Hofladen an, sondern auch bei Rewe und Edeka in Sachsenheim sowie beim Hit-Markt in Bietigheim-Bissingen, der am 1. Juni eröffnet.

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