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Von wegen Schäfchen zählen

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Schäferin Ute Svensson, die einzige Frau unter fünf Teilnehmern beim diesjährigen Markgröninger Leistungshüten, kam auf den zweiten Platz.  Foto: 

Zum Start des Wochenendes um den Markgröninger Schäferlauf stellten sich am Freitagmorgen wieder hauptberufliche Schäfer einer besonderen Herausforderung, dem Leistungshüten. Dabei wurde bewertet, wie gekonnt ein Schäfer mit Hilfe seiner Hunde seine Herde leitet. Das Treiben wurde von anderen Schäfern und viel Publikum verfolgt. Ein junger Schäfer mit 18 Jahren, Alexander Smietana aus Weidenbach, machte das Rennen.

Es wimmelt an diesem Morgen nur so vor Besuchern und Schafen auf dem Gelände nahe der Klinik bei Markgröningen. Viele Helfer, halten den Schotterweg von Menschen frei, damit hier vor aller Augen Schäfer mit ihren Herden passieren können. Der Parcours geht einmal im Kreis, auf die Hauptstraße und auf eine Wiese. Im Festzelt ist es zum Frühschoppen schon proppenvoll. An einem Stand schimmern die schwarzen ineinander gestapelten Schäferhüte in der Sonne und natürlich dürfen Kinderhände über flauschige Felle streicheln – die Ständelandschaft lädt dazu ein. „Wenn es einem Schäfer gelingt, beim Vorbeigehen samt Herde bei uns noch eine Brezel zu schnappen, bekommt er einen Extrabonus“. witzelt Thomas Reichert vom Behindertenheim Markgröningen.

Freunde finden es „cool“

Im Schatten des Festzelts wartet der 18-jährige Schäfer Smietana aus Weidenbach mit seinem Rüden Mutz vom Messelhof auf seine große Stunde, denn so lange dauert es, bis ein Schäfer samt seiner Herde durch den Parcours ist. Alexander Smietana ist quasi zwischen Schafen aufgewachsen, sagt er. Er ist Schäfer „in der fünften Generation“ erzählt er. Seine Freunde finden es „ganz cool“, dass er sich nicht scheut, den selten gewordenen Beruf zu ergreifen. In seiner Ausbildung lernte er viel über Landschaftspflege, über die Schafzucht und über die Erkennung von Krankheiten.

Zunächst wird „ausgepfercht“: Schäfer und Hund führen die Herde aus dem Pferch, treiben sie zur Weide. Dabei muss der Schäfer sie hier zur Straße führen und am Feldweg und Wiesenrand zum Weidengelände. Auf dem Weg fährt ein Auto an der Herde vorbei und die Blicke der Schäfer in der Jury sehen genau, ob der Hütehund sich ordnungsgemäß zwischen Herde und Auto aufhält. Dann geht’s über die Brücke zu einer kleinen Weidefläche. Der Hund muss dabei die Herde zusammenhalten.

Danach können sich die Tiere auf einer weiten Weidefläche frei bewegen. „Man nennt das ein weites Gebüt“, erklärt Schäfer Karl Bauer aus Wildberg, der das Geschehen verfolgt. Zum Schluss wird eingepfercht. Der Hütehund sollte die richtige Mischung zwischen Gehorsam und Selbständigkeit haben und „die Furche“ halten können – Schäferlatein hört man viel an diesem Vormittag.

Der bundesweite Rückgang an Schäfern in den letzten zehn Jahren liegt bei 30 Prozent. 110 hauptberufliche Schafhalter gibt es derzeit in Baden Württemberg und viele davon pilgern an diesem Wochenende nach Markgröningen. Einer, der genau weiß, warum er ausgerechnet diesen Beruf ergriffen hat ist Karl Bauer aus Wildberg. „Ich könnt mir nicht vorstellen, in einem Gebäude meiner Arbeit nachzugehen. Allein schon der Wechsel der Jahreszeiten jedes Jahr läuft in der Natur anders ab. Das kriegt man im Büro doch gar nicht mit“, sagt der Besitzer von 900 Schafen, der es genießt, mal wieder Fachzusimpeln. Natürlich sei die Wolleverarbeitung heute nicht sonderlich gut bezahlt, lässt er wissen. Gerademal zwei Prozent des Ertrages für den Schäfer macht sie aus. Das sind die Einnahmen aus der Landschaftspflege für einen Schäfer heute schon lukrativer. 39 Prozent der Einnahmen kommen aus der Lammvermarktung. „Der Stundenlohn eines Schäfers liegt einschließlich Förderung derzeit unter 6,50 Euro“, lässt Dr. Hans Jörg Wenzler vom Ladesverband der Schafzüchter wissen und dennoch grinsen die Gesichter unter den Strohhüten und signalisieren, dass sie Beruf und Freiheitsgefühl tatsächlich unter einen Hut bringen. Man erkennt sie sofort, die Schäfer im Publikum, die ihren Beruf inmitten der Natur lieben.

1. Platz Alexander Smietana, Weidenbach, mit Mutz vom Messelhof; 88 Punkte.

2. Platz Ute Svensson, Baden-Baden, mit Hanouk von Hässbächel; 77.

3. Platz Jonas Henninger, Münsingen, mit Cora und West; 76.

4. Platz Deniel Erhardt, Stöldten-Birkenzell, mit Abu vom Liastrauf; 75.

5. Platz Johann Seeberger, Baden-Baden, mit Rosa; 65.

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