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Vom Stall zum modernen Haus

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Ende des 18. Jahrhunderts gab es in der Schäferlaufstadt rund 700 Schafe, die von zwei Stadtschäfern betreut werden sollten. Da das Schafhaus und der Schafstall am Benzberg dafür nicht ausreichten, wurde damals, um die Jahre 1833/34 herum, ein zweites Schafhaus mit Stall an der Bruckmühle gebaut. Doch schon bald verstarb der zweite Stadtschäfer, und die Weideflächen wurden wieder verkleinert, sodass nur noch ein Stadtschäfer in Markgröningen tätig war, der nur den Schafstall am Benzberg nutzte. Seit dieser Zeit blieben das Untere Schafhaus und der Untere Schafstall ungenutzt und zerfielen.

Bis die Familie Hanisch das Objekt entdeckte und sich in das alte Bauwerk verliebte. Andrea und Markus Hanisch waren mit ihren beiden Töchtern auf der Suche nach einem Familienheim, das die Nähe zum Grünen und zur Natur bieten sollte. Das Gebäude bot 2014, als das Ehepaar das Bauwerk erwarb, einen erbärmlichen Anblick. Der Dachstuhl war teilweise angefault, ins Gebäude waren Pflanzen und Bäume hineingewachsen, der Boden im einstigen Stall aufgeweicht. Hinzu kamen Risse in der Fassade und Löcher in der Außenmauer.

Dennoch wagte sich Familie Hanisch gemeinsam mit ihrem im Denkmalschutz erfahrenen Planungsfachmann Wolfram Flatzeck an die Sanierung. Im Oktober 2014 begannen die Bauarbeiten. Anschließend wurde innerhalb von sieben Monaten der gesamte Innenraum der ehemaligen Scheune umgebaut, wobei die Aufteilung des Stalls in ein Erd- und ein Dachgeschoss beibehalten wurde. Überhaupt wollten die Hanischs die einstige, historische Struktur des Bauwerks so weit wie möglich sichtbar lassen.

Der Charakter des Schafstalls sollte innen wie außen erhalten bleiben, was nicht immer einfach war. Das teilweise 65 Zentimeter dicke Bruchsteinmauerwerk musste für die Fenster und Türen durchdrungen werden. Im Inneren konnte das Mauerwerk nur teilweise sichtbar bleiben, da die schlechten Isolationswerte und die Schimmelgefahr eine Kompromisslösung erforderten. Doch die sichtbare Bruchsteinmauer hat Familie Hanisch mit Beleuchtungskonzepten in Szene gesetzt. Überhaupt herrscht in dem Gebäude, in dem die Raumhöhe bis zu 3,20 Meter beträgt und das gläserne Scheunentor den Blick frei nach draußen gibt, eine helle Atmosphäre.

Sogar die alten Scheunentore sind als „riesiger Fensterladen“ für den verglasten Tordurchbruch noch vorhanden. Eine offene Balkenstruktur, massive Eichendielenböden und das freigelegte Fachwerk im Giebelbereich sind weitere Kennzeichen der Sanierung, die mit dem Einzug der Familie im September 2015 erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

Lohn für die Mühen und Investitionen ist nicht nur die sehr gute Wohnqualität der Hanischs, sondern auch der diesjährige Markgröninger Sanierungspreis, den die Verantwortlichen der Stadt gemeinsam mit den Mitgliedern des Arbeitskreises für Geschichtsforschung und Denkmalpflege (AGD) Markgröningen verleihen. Mit dem Sanierungspreis, der insgesamt mit 1000 Euro dotiert ist, werden in Markgröningen seit rund 20 Jahren Projekte ausgezeichnet, die die historische Optik eines Bauwerks erhalten, aber das Objekt einer modernen Nutzung zugänglich machen.

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