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Vom Bann- in den Nutzwald

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Revierförster Theo Wöhr führte die Sachsenheimer durch ganz unterschiedliche Teile des Sachsenheimer Waldes. Die Waldbegehung findet jedes Jahr statt – allerdings nicht mehr öffentlich.  Foto: 

Wie Ökologie und Waldnutzung für sie zusammengehören, wollte die Stadt Sachsenheim dieses Jahr am Beispiel des Spielberger Waldes zeigen. Am Freitag führte Revierförster Theo Wöhr rund zwei Stunden durch völlig unterschiedliche Waldbestände und erklärte die waldbauliche Zielsetzung und Behandlung.

Der Walddistrikt Spielberg gehört mit circa 30 Hektar zu den kleinen Distrikten im Stadtwald. Die beiden Abteilungen 1, genannt „Hang“, und 2 „Platte“ könnten, von Topografie und Bewuchs kaum unterschiedlicher sein. Wegen der hohen Nachfrage entschied sich die Stadt vor einigen Jahren, die Teilnehmerzahl beim Waldbegang zu begrenzen: Eingeladen werden jetzt vor allem Stadträte und Holzkunden. Wer dazukommt, darf laut Stadt natürlich mitlaufen.

Los ging es in diesem Jahr an der „Platte“, im Distrikt 8, oberhalb der Tennisplätze und der Weinberge in Spielberg. Die Teilnehmer bahnten sich den Weg über einen Trampelpfad quer durch das Waldstück. Auf dem Boden lag überall totes Holz. „Unaufgeräumt“ sehe es hier aus, bemerkte ein Bürger und traf damit ins Schwarze. Denn das städtische Forstamt hat 2013 entschieden, in dieses 2,5 Hektar große Stück nicht mehr einzugreifen und es als Refugium für bestimmte Tierarten zu belassen.

Denn zur wirtschaftlichen Nutzung taugt der nährstoffarme, saure und trockene Boden am Südrand kaum. Daher steht in diesem „Mini-Bannwald“, wie es Revierförster Wöhr nennt, der Artenschutz im Vordergrund. Zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten finden hier Lebensraum, beispielsweise der Mittelspecht, der Waldkauz – Vogel des Jahres 2017 – oder die Bechsteinfledermaus. Diese finden in Habitatbäumen – abgestorbene Buchen, Bäume mit Spechthöhlen, Eichen mit abgebrochener Krone – ihren Lebensraum.

Vielfältige Verwendung

Theo Wöhr führte dann tiefer in den Wald hinein. Die Besucher merkten an, dass der Bewuchs jetzt deutlich dichter würde. Inmitten des Mischwalds aus Kiefern, Lärchen, Buchen und Eichen machte der Tross erneut Halt. Hier wird der Wald bereits wirtschaftlich genutzt. Vor allem die Kiefer sei entscheidend für dieses Waldstück. Sie weist nicht nur eine hohe Sturmstabilität auf, sondern wächst auch auf dem nach wie vor nährstoffarmen Böden gut. Dazu kann Kiefer vielfältig verwendet werden, beispielsweise für Fenster, Möbel oder Werkstoffplatten.

Nicht nur hier ist der Wald von Menschenhand gemacht. „Viele denken ja, der Wald, wie er heute ist, war schon immer so“, übernahm Revierförster Burkhard Böer das Mikrofon. Weit gefehlt. „Früher hat man aus dem Wald geholt, was zu holen war“, betont der Revierförster. Auch die sogenannte Streu, die obere Schicht des Waldbodens, wurde herausgetragen, und beispielsweise als Dünger für die Felder verwendet. „Dadurch haben die Nährstoffe gefehlt. Der Wald war sehr geplagt – von Nachhaltigkeit war damals keine Spur“, erinnert Böer an die Zeit vor 1800.

In der ersten Waldrenovierungsphase im 19. Jahrhundert setzte man vor allem auf die schnell wachsende Fichte. Der Bestand schrumpfte aber, so Böer, durch die Stürme und Käferplagen Ende des 20. Jahrhunderts quasi auf null. „Plötzlich war die Fichte weg. Dabei hat man durch sie alle Gelder generiert“, sagt er.

Dann wurde es wieder etwas lichter, denn es ging zum Eichenwertholzbestand am Hang. Auf dem gut mit Wasser versorgten Standort sollen sich hier wertvolle Eichen entwickeln. „Die Nachfrage nach Eichenstammholz ist derzeit sehr groß“, betonte Theo Wöhr. 388 Euro pro Festmeter sei zuletzt der Preis für Eichenwert­holz gewesen. Der teuerste Stamm mit zirka 3,5 Festmetern ging für 4300 Euro weg. Die Förster geben den Bäumen genügend Licht, dass diese sich entwickeln können. „Durch Ausdünnen erreichen wir, dass die verbleibenden Bäume eine mächtige Krone entwickeln“, erklärt Theo Wöhr.

Mächtig wurde es an der letzten Station beim Buchenaltholz. Bis zu 120 Jahre lassen die Förster die Stämme werden. „Danach tickt die Uhr“, erklärt Theo Wöhr. Denn in der Folge können sich zunächst ein Rot- und dann ein Spritzkern ausbilden. „Dann wird das Holz entwertet“. Der Bereich ist derzeit in der Verjüngungsphase. Auf dem Feinlehm-Standort zeigt die Buche laut Forstamt beachtliche Wuchsleistungen.

„Bei uns heißt es Ökologie und Holznutzung, nicht oder“, so Theo Wöhr. Auch in den bewirtschafteten Bereichen ließen die Förster genügend Raum für Rückzugsorte für Tiere, wie er im Buchenwald an einigen abgestorbenen Habitat-Bäumen zeigt. „Wir wurden sehr gut eingestuft, was die Ökologie angeht“, betont er die externe Qualifikation über das Regierungspräsidium.

Am eigentlichen Sinn vorbei

Der Waldbegang in Sachsenheim war lehrreich. Die Förster erklärten, welcher Bereich wie genutzt wird. Nur: Die meisten bekamen davon nichts mit. Wie in anderen Kommunen, war der Waldbegang initiiert worden, um den Bürgern einen Einblick in den heimischen Wald und das Handeln der Förster zu geben. Anfangs waren daher alle Bürger öffentlich eingeladen worden. Dass dies in Sachsenheim mittlerweile nicht mehr so ist, hat die Stadt nicht nur relativ exklusiv, sondern führt auch am ursprünglichen Sinn der Begehungen vorbei. Wenn nur noch Gemeinderäte und Holzkunden mit den Förstern durch den Wald gehen dürfen, werden genau diejenigen informiert, die sich tendenziell ohnehin mit der Materie befassen, nicht aber der „normale Bürger“. Vielleicht wäre es an der Zeit, dieses System zu überdenken. Es gibt schließlich auch noch andere Möglichkeiten, Teilnehmerzahlen zu beschränken, beispielsweise über eine Teilnehmerliste.

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