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Stationen der Jüdin Margot

Beim Schulfest der Kirbachschule in Hohenhaslach ist eine langfristige Partnerschaft mit dem PKC im benachbarten Freudental geschlossen worden. Erstes Projekt: ein historisch-politischer Geocache der achten Klasse.

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Bei der Unterzeichnung für die neuen Partnerschaft zwischen Kirbachschule und PKC (von links): Lehrerin Anne-Katrin Schlüter, der Achtklässler Jan, Isolde Siegers, die Leiterin der PKC-Geschäftsstelle, Rektor Eginhard Fernow, Barbara Schüßler, die Leiterin für Pädagogik und Kultur im PKC, und der Schüler Dominik.  Foto: 

Was war das für ein Trubel am Freitag an der Hohenhaslacher Kirbachschule. Den ganzen Tag über wuselte es in den Klassenzimmern und rund ums Gebäude. Beim Schulfest standen viele Präsentationen von Arbeiten aus der Projektwoche auf dem Programm: Kinder und Jugendliche verkauften Pesto, stellten Kunst- und Holzarbeiten, ein selbstgestaltetes Brettspiel und allerhand mehr aus. Es wurde gegessen, musiziert, geklatscht und gelacht.

In einem Zimmer war's jedoch auffallend still. Und die Klassenlehrerin Anne-Katrin Schlüter, die hatte nicht nur einmal Tränen in den Augen. Die achte Klasse hatte nämlich ein besonders Projekt in petto. Für "Gedenken to go" haben die Teenager die Lebensgeschichte von Margot Stein nachgezeichnet, einer jungen Jüdin aus dem benachbarten Freudental. 15 Jahre ist sie alt, als die Novemberprogrome 1938 die schwäbische Provinz erreichen. Sie wird von ihren Freundinnen ausgegrenzt, darf die Schule nicht mehr besuchen, hat kaum noch zu essen. Die Familie wandert aus, wird jedoch getrennt. Margot landet in Chicago, die Eltern Julius und Helene Stein in England. Erst sechs Jahre später werden sie sich wieder in die Arme schließen. Kurz vor ihrem 80. Geburtstag stirbt Margot Stein in Israel.

Die Hohenhaslacher Jugendlichen haben sich vor allem mit der Situation der jungen Jüdin in ihrem Heimatort befasst. Wie war das zu der Zeit, als Hitler an der Macht war? Was machte das mit den Menschen? Wie prägen diese Ereignisse das Zusammenleben im ehemaligen Judendorf Freudental? Erarbeitet haben die Schüler das Thema zusammen mit dem Pädagogisch-Kulturellen Centrum Ehemalige Synagoge Freudental (PKC). Die Ergebnisse haben die Kirbachschüler in einem Geocache verarbeitet, einer modernen Schatzsuche, bei der man sich mithilfe eines GPS-Geräts an Koordinaten orientiert. Die acht Stationen sind etwa Margot Steins Wohnhaus, ihre Schule oder auch der jüdische Friedhof. Infokarten sind die an geeigneten Stellen versteckt worden. "Wir wollen, dass so viele Bürger wie möglich sich erinnern", erklärte die Lehrerin Anne-Katrin Schlüter bei der Präsentation. Die Geocache-Informationen seinen kindgerecht aufgearbeitet, so dass auch Familien sich auf die Suche nach den Stationen der jungen Margot machen könnten, versprach sie.

Für die Achtklässler, die sich bislang wenig mit dem Dritten Reich beschäftigt hatten - das Thema kommt im Bildungsplan erst in Klasse neun -, war die Spurensuche im Nachbarort ebenso spannend wie bewegend. "Die Klasse ist groß, 28 Schüler, 23 davon pubertierende Jungs. Und wenn man sieht, dass alle mucksmäuschenstill auf dem Friedhof stehen, dann weiß man, das war gut", berichtete die Klassenlehrerin sichtlich gerührt. "Ich fand es sehr bewegend, weil Margot Stein in unserem Alter war. Ich bewundere sie sehr für das, was sie durchgemacht hat", lautete das Urteil der Schülers Jan. Mit diesem Projekt nimmt die Klasse im Übrigen auch an dem vom Ministerium für Jugend, Kultus und Sport ausgeschriebenen Wettbewerb "Menschenrechte in Baden-Württemberg Schul-Patenschaften mit Gedenkstätten nationalsozialistischen Unrechts" teil.

Und: "Gedenken to go" soll nicht das letzte Projekt der Kirbachschule mit dem PKC gewesen sein, sondern vielmehr der Auftakt für eine langfristige Kooperation. Am Freitag unterzeichneten der scheidende Rektor Eginhard Fernow, Barbara Schüßler und Isolde Siegers, die PKC-Leiterinnen, eine Partnerschaftsurkunde. Ziel ist, jedes Jahr ein solches Rechercheprojekt auf die Beine zu stellen. Schon jetzt steht fest, dass sich nach den Sommerferien die neuen Siebtklässler mit der Biografie von Adolf Hermann, einem Freund Margot Steins, beschäftigen werden.

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