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Heilige Äcker als Ursprung der Stadt

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Die Heiligenäcker, die sich am westlichen Ortsrand Kleinsachsenheims in Richtung Kirbachtal befinden, haben eine lange Geschichte in der Stadt Sachsenheim. Historiker sind sich sogar relativ sicher: Sie sind die Geschichte Sachsenheims. Ursprünglich, Anfang des 9. Jahrhunderts, gehörte das Flurstück demnach zum Widdumhof, der von einem Sachsen betrieben worden sein soll.

Die Bezeichnung Heiligenäcker rührt laut Hermann Albrecht daher, dass die Flur bis ins 19. Jahrhundert zum Kloster Rechentshofen gehörte. Auch der Name des dazugehörigen Widdumhofs passt dazu. „Der zunächst private Hof mit den zugehörigen Ländern ist der Kirche gewidmet worden“, sagt Hermann Albrecht vom Verein für Heimatgeschichte Sachsenheim. Das noch heute vorhandene und privat genutzte Gebäude wird auch Hof der Heiligen genannt.

Doch wie kam es nun dazu, dass dieser Hof von einem sächsischen Oberschichtler bewirtschaftet wurde? Im Jahr 804 hatte Karl der Große den Aufstand der Sachsen endgültig niedergeschlagen. Die sächsische Oberschicht verteilte er daraufhin übers gesamte Reich, „dass sie nicht mehr aufsässig werden können“, beschreibt es Hermann Albrecht, „die Grafen sind damals jeweils belohnt worden mit einem Sachsen. Den durften sie mit nach Hause nehmen.“

Quasi als Kriegsbeute. In der Regel, so wie in Sachsenheim, erhielten die Gefangenen dort ein Gebiet, das eine Hufe groß war. Die 100 Meter auf rund zwei Kilometer reichten aus, dass ein Bauer für seine Familie sorgen konnte. „Somit waren die Sachsen ungefährlich und konnten einen Acker bebauen“, betont der Sachsenheimer Hobby-Historiker, „es ist nicht bewiesen, aber sehr wahrscheinlich, dass auch der Name Sachsenheim daher kommt.“

Die Geschichte umgeschrieben

Auf die Geschichte gestoßen war ein Freund des Sachsenheimers Albrecht: der bekannte Historiker Fritz Kalmbach. Die Geschichte wurde Ende 2014, wenige Monate nach Kalmbachs Tod, in der 80. Ausgabe der „mörin“, der Schriftenreihe des Sachsenheimer Geschichtsvereins, veröffentlicht. „Er hat sehr scharfsinnig vermutet, dass dort schon im 9. Jahrhundert ein Hof war, zu dem das ganze Gebiet gehört hat“, sagt Hermann Albrecht.

Davor war man davon ausgegangen, dass sich die Stadt Sachsenheim etwa 1000 nach Christus vom Hof der Herren von Sachsenheim über die Burg Altsachsenheim und das Wasserschloss entwickelt hatte. Die neuen Erkenntnisse kann Albrecht nur unterstreichen.

Nach den neuen Erkenntnissen soll sich die Stadt über den Widdumhof über die Burg Kleinsachsenheim, gebaut um 926, und erst dann über die Amtsburg Altsachsenheim, von der aus der Enzzoll abkassiert wurde, entwickelt haben. Die Burg Kleinsachsenheim befand sich am Hang in Richtung Mettertal. Das heutige Wohngebiet Burgstall zeugt noch von dieser ehemaligen „Burgstelle“. „Heinrich der Erste hat sich damals gegen die Ungarn bewähren müssen, Deshalb hat er angewiesen, diese Burgen zu bauen“, berichtet Hermann Albrecht. Heute seien von der Burg leider nur noch geringe Reste vorhanden, bedauert er.

Die Heiligenäcker, die sich in der Verlängerung der Kleinsachsenheimer Torstraße befinden, sind heute vorwiegend Streuobstwiesen. Ganz unscheinbar verraten sie so gut wie nichts von ihrer einst großen Bedeutung.

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