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Gutachter attestiert verminderte Schuldfähigkeit

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Hier wird verhandelt.  Foto: 

Am Dienstag gab Dr. Dr. Kristian-Olav Rosenau, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, im Heilbronner Prozess um die beiden getöteten Kinder in Aurich seine Einschätzung zum Angeklagten ab. Erheblich verminderte Schuldfähigkeit attestiert er und empfiehlt eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Ähnlich ängstlich, distanzier, und bedrückt wie vor Gericht, hat der Gutachter den Vater, der seine beiden Söhne getötet haben soll, auch bei seinen drei Besuchen im Mai und Juni im Justizkrankenhaus Hohenasperg erlebt: „Es herrschte eine durchgehend depressive Grundstimmung. Er konnte zur Ablauf der Tat nichts sagen. Hat sich nur daran erinnert, dass er mit den Kindern zu Abend gegessen hat, spielte und sie dann ins Bett brachte.“ An die Zeit danach habe er keine durchgehenden Erinnerungen. Rosenau spricht von einer Form der Amnesie, bei der Personen sich an Geschehnisse vor einem Ereignis nicht mehr erinnern. Und von einem stuporösen seelischen Zustand (Betroffene wirken wie versteinert und reagieren nicht auf Ansprache). Die Steuerungsfähigkeit sei erheblich gestört gewesen.

Die Taten sind nach Ansicht des Gutachters nicht durch die Einnahme von Medikamenten verursacht worden. Die krankhafte seelische Störung habe sich langsam und schleichend entwickelt, sei kumuliert und habe sich am 18. Februar entladen. Er sieht die Gefahr, dass sich etwas Ähnliches wiederholen könnte. Eine Behandlung werde Jahre dauern.

Der Todeszeitpunkt der beiden Buben ist schwer einzugrenzen. Die Rechtsmedizinerin Dr. Iris Schimmel ist sicher, dass es der 18. Februar gewesen sein muss – zwischen 12.37 und 22.43 Uhr. Beim Vierjährigen gab es keine Abwehrspuren. Er wurde vor dem Sofa kniend gefunden. Todesursache seien die Schläge auf den Kopf gewesen, nicht der Messerstich. Dasselbe gilt für den fünfjährigen Bruder. Bei ihm hatte die Medizinerin allerdings Abwehrspuren an der Hand gefunden.

Auch der Angeklagte hatte Klammernähte am Kopf, eine Verletzung am Schlüsselbein und eine Stichverletzung an der Brust, Bei der Aufnahme im Krankenhaus habe Lebensgefahr bestanden. Die Plädoyers wurden am Dienstag nicht gehalten. Die letzten Verhandlungstage sind am 11. und 12. Dezember.

Starke Emotionen bei den Eltern

Bereits am Montag, als ebenfalls lange verhandelt wurde, war es emotional geworden: Beamte von Polizei und Spurensicherung versuchten, das Geschehen des 18. Februars nachzuzeichnen. Angesicht der Fotos war die 35-jährige Mutter erneut einem nervlichen Zusammenbruch nahe und beschimpfte ihren einstigen Lebensgefährten als Monster.

Der Angeklagte selbst hatte darum gebeten, die Fotos nicht ansehen zu müssen. Nun aber brach er doch in Tränen aus – ein Verhalten, von dem auch die mit der Sachbearbeitung betrauten Kriminalpolizisten berichtete. Die erste Befragung, die am Tag nach der Tat im Ludwigsburger Klinikum stattgefunden hatte, sei keine wirkliche Unterhaltung gewesen.  Von sich aus habe er gefragt, ob seine Kinder tot seien. Auf das Nicken des Beamten habe er zu weinen begonnen. Später hätte er angegeben, er habe am Tattag 100 Tabletten genommen und nur noch sterben wollen.

Bei den Tabletten habe es sich laut Pharmakologe Prof. Dr. Klaus Mörike um das Antidepressivium Mirtazapin gehandelt – ein häufiges Mittel, das auch zur Förderung des Schlafs eingesetzt wird. Ein weiteres Antidepressivum sei in nicht schädlicher Konzentration im Blut nachgewiesen worden. Der Vater habe zwar eine „deutliche Überdosis“ gehabt, eine Mirtazapin-Vergiftung sei aber in aller Regel für Menschen ohne schwere körperliche Leiden gut zu vertragen. Zu erwarten sei auf alle Fälle eine verstärkte Lethargie. Das Fazit des Experten lautete, dass die Überdosis nicht als Auslöser infrage komme. Schon gar nicht für sich alleine genommen, sondern nur in Kombination mit der Erkrankung.

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