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Forstbetriebsplan in Sersheim mit dickem Minus

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Bürgermeister Jürgen Scholz deutete es bei der Begrüßung von Revierförster Hartmut Flunkert und Forstrat Dr. Michael Nill schon an, dass auf die Mettertalgemeinde künftig hohe Kosten zukommen. Doch zunächst blickte Nill, der seit 1. September dieses Jahres stellvertretender Leiter des Fachbereichs Forsten beim Landratsamt Ludwigsburg ist, auf das aktuelle Forstjahr zurück. Der milde Winter ließ zwar den Absatz von Brennholz etwas zurückgehen, aber für die Holzernte im Wald war die trockene Witterung von großem Vorteil, denn so kam es zu keinen starken Verschmutzungen und Zerstörungen der Wege. Das regenreiche Frühjahr wiederum ließ die neu angepflanzten Bäume gut anwachsen. Der trockene, heiße Sommer begünstigte den Borkenkäferbefall der Bäume, der sich aber, nach den Worten von Nill, auf der Sersheimer Gemarkung noch in Grenzen hielt.

Auch der Raupenfraß von Frostspanner und Eichenwickler war in diesem Jahr nicht so stark ausgeprägt wie in den Vorjahren, sodass keine großflächigen Bekämpfungsmaßnahmen nötig waren. Mehr Probleme bereitete den Forstmitarbeitern der Pilz, welcher das sogenannte „Eschentriebsterben“ verursacht. Er dringt von den Blättern in die Zweige ein und schädigt die Bäume nachhaltig. „Aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht müssen die befallenen Eschen rechtzeitig gefällt werden, da sie sonst plötzlich umstürzen könnten“, machte Dr. Nill deutlich. Er verwies darauf, dass im Forstwirtschaftsplan die Erlöse für die befallenen Eschen fehlten, wodurch sich ein Teil des Defizits erklären ließe. Die Nachfrage auf dem Holzmarkt insgesamt entwickelte sich in diesem Jahr stabil weiter. Lediglich bei den Industriehölzern bestand deutschlandweit ein Überangebot, das Absatzschwierigkeiten und einen Rückgang der Preise zur Folge hatte.

Die Zahlen des Forstbetriebsplans 2017 stellte Revierförster Flunkert im Detail vor. Der geplante Holzeinschlag von rund 662 Festmetern soll unter anderem am Donnersberg durchgeführt werden, wo im Sommer ein kleiner Sturm Schäden an Eichen verursacht habe, so Flunkert. Auch im „Merzental“ und am Aischbach sollen Bäume gefällt werden. „Insgesamt geht der Holz­einschlag 2017 deutlich zurück, denn 2015 lag dieser Wert noch bei rund 1281 Festmetern. Damit reduzieren sich natürlich auch unsere Verkaufserlöse für das Holz“, betonte Flunkert. Die Jungbestandspflege soll auf einer Fläche von 17 Hektar im Wald umgesetzt werden, denn zu den für 2017 vorgesehenen 13,5 Hektar kommen noch Areale, die in diesem Jahr aufgrund der Erkrankungen der Forstmitarbeiter nicht gepflegt werden konnten. Auf rund 14.000 Euro belaufen sich die Ausgaben für die Bestandspflege und auf weitere 13.800 Euro die Investitionen in die allgemeinen Pflegemaßnahmen im Forst. An Verkaufserlösen hat Revierförster Flunkert im kommenden Jahr 34.673 Euro vorgesehen, Diesem Wert stehen Ausgaben von 17.000 Euro für den Holzeinschlag und die Holzaufarbeitung gegenüber. Insgesamt schlagen auf der Haben-Seite im Jahr 2017 rund 51.673 Euro zu Buche. Im Jahr 2015 stand bei den Einnahmen im Forstbetriebsplan noch ein Wert von 119.832 Euro. Auf der Soll-Seite sind im kommenden Jahr 119.850 Euro veranschlagt gegenüber 139.122 Euro im Jahr 2015. Während vor zwei Jahren das Defizit im Forstbetriebsplan noch 19 290 Euro betrug, schraubt sich dieses Minus im Jahr 2017 auf 68.177 Euro empor.

Für einige Gemeinderäte war dieses Defizit zu hoch. Dennoch genehmigten sie den Forstbetriebsplan 2017 mit einer Gegenstimme und bei einer Enthaltung.

„Die Hälfte der Verkaufserlöse fließt wieder in die Kosten für die Holz­ernte und -aufarbeitung. Wir legen bei der Bewirtschaftung unseres Forstes in dieser Art und Weise drauf. Das kann ich nicht mehr mittragen“, empörte sich Rolf Metzle von der CDU. Auch Gerd Langer von der Sersheimer Wählergemeinschaft gab zu bedenken, dass die Gemeinderäte jährlich mit einem Defizit von 10.000 bis 20.000 Euro bei der Forstbewirtschaftung kalkulierten. „Aber wie sollen wir ein Minus von rund 70.000 Euro noch finanzieren?“ fragte Langer. Ratsmitglied Reinhard Gantenbein von den Unabhängigen Bürgern Sersheim regte an, den Holzeinschlag von rund 600 auf 800 Festmeter zu erhöhen, um höhere Verkaufserlöse am Holzmarkt erzielen zu können. Der stellvertretende Fachbereichsleiter Dr. Nill entgegnete, dass diese Steigerung des Holzeinschlags nicht so einfach möglich sei, da die Forsteinrichtungsplanung immer für zehn Jahre beschlossen werde und das nächste Planwerk erst zu Beginn des Jahres 2017 vorgestellt und diskutiert werden solle. „Die Preise werden am Holzmarkt gemacht, und häufig sind die Erlöse im Laubbaumsegment nicht so hoch wie im Nadelbaumbereich. Im Sersheimer Forst gibt es überwiegend Laubbäume. Zudem muss auch beim Holzeinschlag der Grundsatz einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung gelten. Wir können nicht immer mehr Holz aus dem Forst herausholen“, erläuterte Dr. Nill. Bürgermeister Scholz unterstrich, dass die neue Forsteinrichtungsplanung ausführlich mit allen Verantwortlichen diskutiert werde. Dabei könnten die Ratsmitglieder nochmals deutlich machen, dass sie die Einschlagsprognosen im heimischen Wald für zu niedrig halten.

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