Partner der

Die Wut entlädt sich

|
Vorherige Inhalte
  • Zur ersten Versammlung der Bürgerinitiative Schulumbau Gemeinschaftsschule kamen zahlreiche Menschen.  1/2
    Zur ersten Versammlung der Bürgerinitiative Schulumbau Gemeinschaftsschule kamen zahlreiche Menschen. Foto: 
  • Die Hauptredner: Bürgermeister Horst Fiedler (hinten) und Ludger Ignaszak, Spercher der Bürgerinitiative.  2/2
    Die Hauptredner: Bürgermeister Horst Fiedler (hinten) und Ludger Ignaszak, Spercher der Bürgerinitiative. Foto: 
Nächste Inhalte

Eine Demonstration in Sachsenheim – gibt es nicht alle Tage. Nach Polizeiangaben 150 bis 200 Menschen waren am Dienstagabend auf den Äußeren Schlosshof gekommen. Organisiert hatte die Veranstaltung die neu gegründete Bürgerinitiative Schulumbau Gemeinschaftsschule. Vorwiegend Eltern von Kindern des Schulzentrums in Großsachsenheim wollten ihrem Unmut äußern über die Unterbringung von Flüchtlingen in Containern beim Schulzentrum. Die sollten eigentlich ab September als Behelfs-Klassenzimmer dienen.

Viele hatten ihre Kinder mitgebracht, die ihre Trillerpfeifen und andere Krachmacher – oft auf Signal der Eltern hin – während der Reden von Bürgermeister Horst Fiedler und seinem Stellvertreter Gunter Albert einsetzten. Die Demonstranten wollten gegen die Verzögerung und befürchtete Kostensteigerungen demonstrieren. Ebenso wollte sie ihrem Wunsch nach einer Alternative für die geplante Unterbringung der Flüchtlinge in den Containern sowie dem Wunsch für die Sicherheit ihrer Kinder Ausdruck verleihen. Vor allem die letzten beiden Themen bestimmten die hitzige Debatte.

„Es geht uns um die Sache, wie alles abgelaufen ist“, sagte Ludger Ignaszak, Sprecher der Bürgerinitiative Schulumbau Gemeinschaftsschule, anfangs. „Wir fühlen uns regelrecht verarscht“, kritisierte er das Vorgehen der Stadt, die die Unterbringung von heute auf morgen beschlossen hatte. Das Publikum applaudierte. „Verarscht“ auch deshalb, weil die Demonstranten den Verdacht hegen, dass die Stadtverwaltung die Entscheidung, die Container am Schulzentrum bis Ostern für die Anschlussunterbringung zu nutzen, absichtlich in der Urlaubszeit gefällt hatten. Dem Projekt Gemeinschaftsschule würden „ein weiteres Mal Steine in den Weg gelegt“. Bürgermeister Fiedler antwortete: „Das Gegenteil ist der Fall. Wir möchten möglichst schnell die neue Gemeinschaftsschule haben. Ich möchte aber, dass es ein sehr gelungenes Objekt wird“, verwies er erneut auf Problematik bei den Planungen.

Davon wollten die Demonstranten wenig hören. Schnell ging es vor allem um das Thema Sicherheit. „Ich glaube Ihnen nicht mehr und ich glaube, der Großteil der Bürger auch nicht mehr“, hatte Ludger Ignaszak bereits zu Beginn gesagt.

Die Gesprächsbasis war eine schwierige: Es wurde in Frage gestellt, dass in absehbarer Zeit Standorte für die Unterbringung realisiert würden. Dabei hat der Gemeinderat jüngst zwei Vorhaben für insgesamt 79 Personen auf den Weg gebracht. Laut Gunter Albert „rücken in den nächsten 14 Tagen die Kolonnen an“. Sprecher Ignaszak befürchtete dennoch, dass die Container nicht bis Ostern geräumt sind. Die Stadt hingegen erneuerte ihr Versprechen diesbezüglich. Und verwies darauf, dass die Gemeinschaftsschule sich ohnehin verzögert hätte und durch die vorübergehende Wohnnutzung sogar Geld gespart werde. Denn für die Anschlussunterbringung zahlt das Landratsamt Miete.

Argumente und Themen vermischten sich, Bürgermeister und Stellvertreter wurden durch erboste Zwischenrufe unterbrochen. Ihre Antworten konnten nicht überzeugen. „Beim Thema Sicherheit bin ich immer noch nicht zufrieden“, ergriff Timo Werder, Elternbeirats-Vorsitzender und ebenfalls Teil der Initiative, das Wort, „da erwarte ich deutlich konkretere Worte.“ Bürgermeister Horst Fiedler führte an: Für die Sicherheit sei die Polizei zuständig. Zudem gebe es einen Sichtschutz in Richtung Schule und Kindergarten. Und natürlich gelte auch für die dort Untergebrachten das Verbot, den Schulhof während der Schulzeiten zu betreten. Er erntete Hohn.

Hitzige Debatte beendet

Die Stimmung drohte überzukochen, als ein Familienvater von Bürgermeister Horst Fiedler wissen wollte, ob er für die Sicherheit seiner Kinder garantieren könne. Gunter Albert entgegnete: „Jede ehrliche Antwort, die ich Ihnen geben kann, wäre aus Ihrer Sicht falsch.“ Die Veranstalter beendeten die Debatte und zogen weiter in Richtung Schulcontainer. Dort, so Ludger Ignaszak, fassten sie in ihrer Unzufriedenheit den Entschluss: „Die Sache ist noch lange nicht gegessen.“­

Allerdings: Schon Ende August kommen 15 Menschen in die Unterkunft. Alleinstehende Männer unterschiedlicher Herkunft. Anerkannte, Geduldete und Flüchtlinge, deren Asyl-Verfahren noch nicht abgeschlossen ist wurden vom Landratsamt zugewiesen. Zur Beruhigung der Situation dürfte das nicht beitragen.

Gefährliche Vermengung

Der Wunsch nach Sicherheit für seine Familie ist ein mehr als nachvollziehbarer. Wenn man von heute auf morgen erfährt, dass Flüchtlinge direkt neben die Schule oder den Kindergarten der Liebsten ziehen, kann das schon mal Angst vor dem Unbekannten auslösen. Zu mehr gibt es im Einzelfall erst mal keinen Grund. Wie sich dieser Wunsch nach Sicherheit in Sachsenheim (fast schon regelmäßig) allerdings äußert, ist zuweilen ein unwürdiges Schauspiel. Bei der jüngsten Demo wurden die Regeln der gepflegten Kommunikation ignoriert: Es wurde dazwischen gebrüllt, Halbwahrheiten behauptet. „Die Flüchtlinge“ wurden über einen Kamm geschert, die Gefahr, dass etwas passiere, fast schon als Tatsache hingestellt. Natürlich mit dem Zusatz: Wir haben doch nichts gegen Flüchtlinge.

Ob Kinder generell bei Demos dabei sein müssen ist ebenfalls fraglich. Denn was man bei all dem auch bedenken sollte: Sie gehen vielleicht später mit den Kindern der Geflüchteten in die Schule. Das fragwürdige Vorgehen der Stadt beim Thema Anschlussunterbringung kann für dieses Verhalten nur zum Teil als Ausrede gelten.

Kommentieren

Kommentare

14.08.2017 19:46 Uhr

Der Kommentar spricht für sich

Liebe Redaktion, ihr wollt doch nicht allen Ernstes die Gefahr, die gerade für Kinder von den alleinstehenden, jungen Männern ausgeht, herunterspielen. Was erzählt ihr den Eltern, wenn das Kind dann in den Brunnen gefallen ist? Bzw. sich die jungen, alleinstehenden Männer in ihrer triebgesteuerten, traumatisierten Verzweiflung an die Kinder heranmachen? Hat man aus den tausenden von Einzelfällen denn wirklich nichts gelernt?
Ich lebe übrigens nicht dort, würde mich aber ebenfalls vehement gegen eine Ansiedlung von frischen, jungen, alleinstehenden Flüchtlingen neben dem Klassenraum meines Kindes wehren. Und wenn ich mein Kind dort aus der Schule nehmen würde.
Ich wünsche allen Eltern und Familien gute Nerven und Durchhaltevermögen. Lasst es nicht zu, dass eure Kinder einer Gefahr ausgesetzt werden, die nicht sein muss!

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Wappen
Ludwigsburg

Sachsenheim

Einwohner: 18170 (31. Dez. 2015)
PLZ: 74343
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 246 m ü. NHN
Bürgermeister Horst Fiedler

www.sachsenheim.de/

Nachrichten aus Ihrer Gemeinde

Meist gelesen
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Expertenhilfe von Ruheständlern

Über den Senior-Experten-Service geben Rentner und Pensionäre ihr berufliches Wissen und Können im Inland und im Ausland weiter. So wie der ehemalige Bietigheimer Chefarzt Michael Butters. weiter lesen