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Die Bibel immer wieder neu interpretieren

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Die Pfarrerin für die Pauluskirche, Christa Epple-Franke, will die unterschiedlichen Generationen näher zusammenbringen.  Foto: 

Seit Anfang Mai ist Christa Epple-Franke die neue Pfarrerin der evangelischen Paulusgemeinde in Bietigheim-Buch. Bevor die 55-jährige Pfarrerin ihre Stelle antrat, gab es eine rund einjährige Vakanz auf die Stelle. In dieser Zeit war die Pfarrerin Eva Schury für die Pauluskirche zuständig. Im März hatte schließlich der Kirchengemeinderat Epple-Franke zur neuen Pfarrerin gewählt (die BZ berichtete). Überzeugt hatten das Gremium unter anderem die Erfahrungen in der Jugendarbeit überzeugten.

Sie haben im Mai die Stelle in der Paulusgemeinde angetreten. War das die richtige Entscheidung?

Christa Epple-Franke: Ja, auf alle Fälle. Meine Vorstellungen von einer engagierten, offenen Gemeinde, die lösungsorientiert ist, die zu den Menschen geht und aufnimmt, was dort notwendig ist, hat sich voll und ganz bestätigt. Es gibt einen sehr engagierten Kirchengemeinderat und viele engagierte Gemeindemitglieder.

Sehen Sie sich für diese als Zug­pferd?

Ich sehe mich eher als Katalysatorin oder als Moderatorin. Ich möchte es so beschreiben: Bei den Spielzeug-Eisenbahnen früher gab es eine Drehplatte, auf die die Züge von einer Seite einfuhren. Sie wurden so lange gedreht, bis sie auf dem richtigen Gleis weitergesetzt werden. Ich sehe meine Aufgabe darin, das Wort Gottes zu verkündigen und in Gottesdiensten vielfältig zum Ausdruck kommen zu lassen. Und ich möchte die Menschen an die Orte bringen, an denen sie ihre Interessen und Bedürfnisse einbringen können. Die Ehrenamtlichen sind viel näher an den Gemeindegliedern dran, als ich es je sein könnte. Meine Aufgabe ist es, die Dinge aufzunehmen, zu überprüfen und so weit einzuspuren, dass sie ehrenamtlich weitergehen können.

Die Gemeinde ist ein vielfältiger Haufen aus Ur-Schwaben und – teilweise internationalen – Zugezogenen. Wie wollen Sie diese alle unter einen Hut bringen?

Das muss ich gar nicht. Vielfalt ist eine wunderbare Gabe Gottes. Vielfalt ist immer auch eine Herausforderung. Andersartigkeit von Menschen verunsichert uns ein bisschen, aber daraus kann Neugierde und Bereicherung werden. Wir können miteinander die Chance wahrnehmen, wenn wir die Augen und Herzen offen halten und aufeinander zugehen. Monokulturen waren noch nie gut.

In der Vergangenheit haben Sie Ihren Schwerpunkt auf Religionspädagogik mit Kindern und Familien gelegt. Was haben Sie diesbezüglich hier vor?

Es gibt die zweite Pfarrstelle Paulus-Kilian, die mit einem Teil in Bissingen angedockt ist. Das ist die Pfarrstelle, an der die Kinder- und Familienarbeit an erster Stelle steht. Geschäftsführung, Erwachsenen- und Seniorenarbeit und Bildung sind bei mir verortet. Zudem gibt es viele große diakonische Aufgaben, um die ich mich gerne kümmern möchte. Und die Kirchenmusik macht mir viel Freude.

Täuscht der Eindruck, oder wird in Gottesdiensten heute mehr Musik gemacht als früher?

Ich denke, das ist personenabhängig. Ich möchte meiner Gemeinde kein Programm aufoktroyieren, sondern sie zum Musizieren einladen. Wenn ich es kühn formuliere, wünsche ich mir, dass ich beim Bäcker einen Flashmob auslöse, wenn ich ein Kirchenlied anstimme. Ich kann mir auch Musical-Projekte gut vorstellen, die mit vielen verschiedenen Aufgabenfeldern generationsübergreifend die Gemeinde zusammenbringen.

Kaschieren musikalische Projekte, dass mancher mit dem reinen Bibelwort nicht mehr zu kriegen ist?

Ich sehe mich nicht als Rattenfängerin zu Hameln, ich will niemanden kriegen. Ich möchte eine einladende Kirche ermöglichen; eine, die zu den Menschen geht und nicht in ihrer Festung hockt und wartet, bis die Menschen kommen. Was ist schon das reine Bibelwort? Ich erlebe die junge Generation genauso spirituell mit religiösen Fragen wie ich uns damals erlebt habe. Die Fragen werden anders bearbeitet und das Leben ist ein anderes geworden. Wir müssen das Wort Gottes, das uns in der Bibel überliefert ist, immer wieder neu interpretieren und dabei auch neue Sprachformen finden.

Es gibt immer mehr Menschen, die in der Kirche nur noch eine Steuerverpflichtung sehen. Was würden sie diesen zurufen wollen?

Wenn ich Mitglied in einem Verein bin, der ein Schwimmbad unterhält, und mich darüber aufrege, dass ich so viel Mitgliedsbeitrag bezahle, obwohl ich das Schwimmbad nicht nutze, dann muss ich entweder aus dem Verein austreten oder das Schwimmbad nutzen. Und ich möchte allen sagen: Nutzt den Raum, für den ihr bezahlt. Die Kirche ist das, was wir aus ihr machen. Ich möchte Mut machen, in einen vielfältigen Austausch zu kommen statt sich zurückzulehnen und zu sagen: Ich bediene mich der Kirche wie einer Fernbedienung und zappe in der Gegend herum.

Medienberichten zufolge gibt es Theologen beziehungsweise Theologiestudenten, die an der Existenz Gottes zweifeln. Kann das mit Ihnen gelingen?

Gibt es Menschen, die in ihrem Leben nicht mindestens ein- oder zweimal an der Existenz Gottes gezweifelt haben? Der Zweifel gehört zu unserem Glauben dazu. Auch Hiob fragte: Warum tust du mir das an? Selbst in den letzten Worten Jesu ist uns überliefert: Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Wir müssen überlegen, ob wir wirklich gottverlassen sind oder ob uns Institutionen verlassen; ob unser Zweifel Gott gilt oder von Menschen gemachten Strukturen. Wir sollten darüber scharf nachdenken und uns darüber austauschen, von wem wir uns verlassen fühlen und woran wir wirklich Zweifel haben.

Christa Epple-Franke wurde 1962 geboren und wuchs im schwäbischen Heckengäu auf. 1982 nahm sie das Theologiestudium in Tübingen auf. Nach dem Vikariat im Dekanat Herrenberg arbeitete Epple-Franke zunächst für das Aalener Dekanat und trat im Anschluss daran eine Pfarrstelle in Trochtelfingen an.

In Neustadt an der Weinstraße widmete sie sich der musikalischen Früherziehung bevor sie 2004 den Gemeindedienst im Dekanat Weikersheim wieder aufnahm. Vor ihrer Investitur in der Paulusgemeinde in Bietigheim-Buch am 7. Mai 2017 arbeitete sie im evangelischen Privatschulwesen.

Die Pfarrerin Christa Epple-Franke ist verheiratet und hat zwei Töchter. Sie liebt Musik, das Tanzen, Töpfern, Spaziergänge und Radfahren.  sab

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