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Der Windhundeverein ist am Boden

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  • Wo noch vor rund eineinhalb Jahren die Windhunderennbahn des Windhund-Rennsportvereins Solitude lag... 1/2
    Wo noch vor rund eineinhalb Jahren die Windhunderennbahn des Windhund-Rennsportvereins Solitude lag... Foto: 
  • ...entsteht aktuell das neue Warendienstleistungszentrum von Breuninger im Zuge der Süderweiterung des Gewerbeparks Eichwald.  2/2
    ...entsteht aktuell das neue Warendienstleistungszentrum von Breuninger im Zuge der Süderweiterung des Gewerbeparks Eichwald. Foto: 
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Der Gewebepark Eichwald wächst. Und zwar in so einer Geschwindigkeit, dass bereits nach gut einem Jahr nur noch wenige über das reden, was dort einmal war. Zum Beispiel den Windhund-Rennsportverein (WRSV) Solitude, einst ein stolzer Verein, der auf der Windhundrennbahn im Eichwald viele große Wettkämpfe ausgetragen hat. Viel ist davon nicht übrig geblieben.

Nach Sachsenheim kommt Helmut Schmidt nicht mehr. Freunde hätten dem aktuellen Vorsitzenden des WRSV von den intensiven Bauaktivitäten im Eichwald erzählt. „Das gebe ich mir nicht mehr“, betont er. Vor gut einem Jahr war die Ära des Vereins in Sachsenheim zu Ende gegangen. Und während auf dem Gelände der ehemaligen Windhunderennbahn das Warendienstleistungszentrum von Breuninger wächst, geht es für die Windhunde-Freunde bergab.

„Der Verein ist ziemlich am Boden. Viele sind ausgetreten, weil sie keine Perspektive gesehen haben“, sagt Helmut Schmidt. Von 50 Mitgliedern sind 14 übrig. Allein im letzten Monat sind wieder zwei ausgetreten. „Wir haben einfach keine Anlaufpunkte, an denen man sich gemütlich trifft. So zerfällt der Verein. Wir können nichts bieten.“ Immerhin: Eine Auflösung, wie sie im vergangenen Jahr im Raum gestanden hatte, droht derzeit nicht. „Wir haben unseren Kern“, betont Helmut Schmidt.

Neuer alter Name

Der Verein nennt sich wieder Hundefreunde WRSV Solitude. „Das ist unser Stammname. Sachsenheim wollen wir nicht mehr im Schriftzug haben“, betont der Vereinsvorsitzende. Wollen die Mitglieder auf die Rennbahn, müssen sie mindestens bis nach Lorch im oberen Remstal. Doch anstatt Sand, wie in Sachsenheim, rennen die Hunde hier auf Gras. Das berge ein höheres Verletzungsrisiko, betont der Vereinsvorsitzende. „Wenn ich auf eine Sandbahn möchte, muss ich mehr als 200 Kilometer fahren.“ Ab und an nimmt er den Weg mit seinen drei Hunden auf sich. „Sie brauchen dieses Ausdauertraining.“

Der Ärger über das damalige Vorgehen des Zweckverbands Eichwald (ZVE) ist immer noch nicht ganz verflogen. Der ZVE hatte den Pachtvertrag im Zuge der Süderweiterung des Gewerbeparks Eichwald nach mehr als 40 Jahren gekündigt – fristgerecht. Nach mehreren Gesprächen hatte der ZVE eingewilligt, dem Verein eine Gnadenfrist zu gewähren: Anstatt zum Jahresende 2015 mussten die Hundefreunde erst im April 2016 weichen, nach dem letzten großen Event, der traditionellen Frühjahrsveranstaltung. Dennoch: „Wir sind davongejagt worden wie räudige Hunde“, findet Helmut Schmidt noch heute. Der Verein wandte sich damals auch mit einer Petition an das Regierungspräsidium – ohne Erfolg.

Coursing statt Rennbahn

Seit 1973 war das Gelände im Eichwald das Zuhause des WRSV, der dort große Momente erlebte. Der anfangs unmöglich scheinende Aufbau wurde durch emsige Vereinsmitglieder und die Hilfe der amerikanischen Besatzer, die unter anderem mit schweren Maschinen anrückten, bewerkstelligt. Im Frühjahr 1977 wurde mit dem provisorischen Training begonnen, heißt es in der Vereinschronik. Ab 1994 ging es auf der Sandbahn, die die Vereinsmitglieder als eine der besten Europas bezeichneten, an den Start. Einer der Höhepunkte in der Geschichte des Vereins war die Austragung der Weltmeisterschaft der Welthundeorganisation FCI im Juni 2007 mit Rekordmeldezahlen. Damals, so Helmut Schmidt, sei der Verein noch als Aushängeschild gelobt worden. „Ein paar Jahre später wurden wir dann einfach wegrationalisiert.“

Was dem Verein heute bleibt, ist ein Anbau am Haus der Familie Schmidt in Grab, einem Ortsteil von Großerlach, der als Vereinsheim dient. Und ein nahegelegenes Stück Feld, das von einem Landwirt zur Verfügung gestellt wird. Hier betreiben die Vereinsmitglieder das sogenannte Coursing. Ein spezielles Gerät zieht hierbei eine Fährte im Zick-Zack-Kurs über ein freies Feld. Die Hunde jagen hinterher. Im Coursing sieht der Vorsitzende die Zukunft des Vereins. Zwei Veranstaltungen gibt es im Jahr, die nächste am 14. Oktober. 2018 soll in Grab dann zum zweiten Mal die Deutsche Meisterschaft im Coursing stattfinden. Bereits 2015 gab es die. 2020 winkt sogar eine EM.

Auf der Suche nach einer neuen Anlage ist der Verein nach wie vor. Allerdings eben für die Coursing-Disziplin. Selbst das gestaltet sich laut Schmidt sehr schwierig. Eine neue Rennbahn ist da schon gar kein Thema. Denn Geld ist keines da. Für die einst teuer erstandene Ausrüstung in Sachsenheim habe man kaum etwas bekommen. Schätzungen Schmitds zufolge würde eine neue Bahn 200 000 bis 250 000 Euro kosten. Eine Anlage inklusive Vereinsheim, wie sie bis vergangenes Jahr in Sachsenheim vorzufinden war, wurde in der Vergangenheit sogar mit 450 000 Euro beziffert.

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Wappen
Ludwigsburg

Sachsenheim

Einwohner: 18170 (31. Dez. 2015)
PLZ: 74343
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 246 m ü. NHN
Bürgermeister Horst Fiedler

www.sachsenheim.de/

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