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Das Vertrauen in die AVL ist tief erschüttert

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Mehr als 100 Besucher kamen am Mittwoch in die Markgröninger Stadthalle zu einer Infoveranstaltung über die Ablagerung von Rückbaumaterialien des Atomkraftwerks Neckarwestheim auf den kreiseigenen Deponien „Am Froschgraben“ und „Burghof“. Was schnell deutlich wurde: Das Vertrauen in die Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises ist erschüttert. Bürgermeister Rudolf Kürner erinnerte daran, dass auf der Deponie „Am Froschgraben“ schon sogenannte freigemessene Abfälle – Bauschutt aus einer atomaren Versuchsanlage im Kreis Karlsruhe – abgelagert wurden, dies aber nicht öffentlich bekannt gegeben worden war. „Es ist ein Vertrauensschaden entstanden, der nur schwer zu beheben sein wird“, so Kürner. Auch die unsachgemäße Ablagerung von Asbest aus Italien habe für Missstimmung gesorgt. Auf die Deponie „Burghof“ in Horrheim waren strahlenbelastete Schlacken, die bei der Handyherstellung im Kongo entstanden sind, gebracht worden.

Das Regierungspräsidium  führe nur alle zwei Jahre Kontrollen durch. „Es gibt zwar inzwischen eine Handlungsanleitung zur Entsorgung von freigemessenen Abfällen, die von Vertretern des Landkreistages und des Städte- sowie Gemeindetages ausgearbeitet wurde, aber sie hat keine rechtsverbindliche Form. Es werden darin keine Bußgelder angedroht“, erklärte Agrarbiologin, Dr. Monika Leder aus Schwieberdingen. Sie hat Angst davor, dass der sorglose Umgang mit brisanten Abfällen sich auch in Zukunft fortsetzen könnte, wenn in Schwieberdingen und Horrheim bis zu 3350 Tonnen freigemessener GKN-Bauschutt abgelagert werden sollen.

Angst vor Spätfolgen

Dies könnte auch für die Markgröninger Folgen haben, so Kürner. Die Deponie „Am Froschgraben“ grenzt direkt an die Gemarkung an, zudem liegt in dem Bereich die Quelle Hummelbrunnen. „Weiterhin sollen die Flächen nach der Verfüllung der Deponie landwirtschaftlich genutzt werden.“ Als „freigemessen“ gilt AKW-Abrissmaterial nach der Strahlenschutzverordnung dann, wenn Messungen den Rückschluss erlauben, dass für Einzelpersonen der Bevölkerung nur eine effektive Dosis im Bereich von zehn Mikrosievert im Kalenderjahr auftreten kann. Doch dieses Freigabeverfahren zweifelten viele Fachleute an. „Es gibt kein einheitliches Messverfahren, keine genauen Studien und viele Schätzungen. Die Grenzwerte sind veraltet. Die Experten des BUND fordern eine Reduzierung um den Faktor zehn“, unterstrich der Schwieberdinger Mediziner Dr. Dierk-Christian Vogt, der Sprecher der Bürgerinitiative. Er sorgt sich vor allem um die Spätfolgen, welche das strahlenbelastete Material bei den Bürgern von Schwieberdingen, Markgröningen und Horrheim haben könnte. „Die Deponie ,Am Froschgraben’ soll im Jahr 2025 rekultiviert werden. Die Grund-Abdichtungsfolie für das Deponiematerial hält aber angeblich nur 100 Jahre dicht, 30 Jahre sind davon schon vorbei. Die möglichen Belastungen für das Grundwasser und auch die Glems sind absehbar“, empörte sich Vogt. Daher fordert die Interessengemeinschaft, das Rückbaumaterial des Atomkraftwerks direkt auf dem Gelände in einer Halle oder einem Bunker zu verwahren.

Auch Kürner macht sich dafür stark, keine Materialen aus dem GKN auf den Kreis-Deponien abzulagern. „Wir bereiten einen  Gemeinderatsbeschluss vor und unterstützen damit auch Schwieberdingen, wo es bereits eine entsprechende Ratsentscheidung gibt.“ Auch die Kreistagsfraktion der Freien Wähler, der FDP und der Linken haben einen ähnlichen Antrag eingebracht, über den in der kommenden Woche beraten werden soll. Michaela Glemser

www.froschgraben-freigemessen.de

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