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Bitteschön nicht nur Klassik

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An der Sachsenheimer Realschule unterrichtet Musikschullehrerin Antje Krüger-Spindler die Streicherklasse.  Foto: 

Wer ein Streichinstrument lernt, mag klassische Musik. Diese Annahme liegt nahe, denn auf Violine und Co. wird natürlich nur klassische Musik gespielt. Von wegen.

Die Sechstklässler der Eichwald-Realschule in Sachsenheim, die sich für die Streicherklasse entschieden haben, mögen ihr jeweiliges Streichinstrument. Sie spielen gerne. Aber bitteschön nicht nur klassische Musik. Die Abwechslung von poppigen, traditionellen und klassischen Melodien ist für die jungen Musizierenden enorm wichtig. Das betonten die Schüler mehrfach.

Zuhause hören die allerwenigsten freiwillig klassische Musik. Die Streicherklasse empfinden die Schüler als willkommenen Ausgleich dazu, und drum darf‘s in diesem Umfeld auch mal Mozart sein. Als die Bietigheimer Zeitung am Dienstag zum Probenbesuch kam, lag dagegen das russische Volkslied „Sascha“ auf dem Notenständer.

Das Angebot der Streicherklasse erreichte die Schüler auf unterschiedlichen Wegen, wie zum Beispiel beim Tag der offenen Tür. Pia erzählt, wie sie mit dem Gedanken gespielt habe, Geige zu lernen, „beim Vorstellungstag habe ich mich dann für das Cello entschieden.“ Eva erinnert sich an die ersten Gedanken, als sie sich mit der Violine beschäftigte: „Wow, dieses Instrument ist einfach schön.“ Kalliopi hat sich in den Ton der Bratsche verliebt: „Ich wusste vorher gar nicht, dass es zwischen der hohen Geige und dem tieferen Cello noch ein Instrument gibt.“ Die Sechstklässlerin hat ihr Traum-Instrument gefunden.

Damit auch andere Kinder vom Streicher-Virus infiziert werden, klappert die Gruppe Grundschulen in der Umgebung ab. Denn im direkten Kontakt steige die Chance, potenzielle neue Fünftklässler für das Angebot zu begeistern, meint Antje Krüger-Spindler. Die Musikschullehrerin leitet die Streicherklasse zu Teilen.

Beinahe zehn Jahre unterhält die Eichwald-Realschule nun eine Kooperation mit der Bietigheim-Bissinger Musikschule. „Wir haben sehr viel Glück, dass hier vier ausgebildete Musiklehrer arbeiten“, betont Musikpädagogin Stephanie Dreher. Antje Krüger-Spindler von der Musikschule im Schloss pflichtet ihr bei: „Für eine Realschule ist das keine Selbstverständlichkeit.“ Die Streicherklasse ist in den Vormittagsunterricht integriert und wird  von Lehrern der Realschule sowie Musikschullehrern übernommen; einmal in der Woche leiten beide Vertreter das Ensemble als Doppelspitze. Die Schüler verpflichten sich für zwei Jahre.

Ein musikalisches Elternhaus ist unter den Sechstklässlern der Streicherklasse eine absolute Rarität. Zwei Schülerinnen berichten, dass ihre Eltern einst selbst ein Instrument spielten, es aber irgendwann sein ließen. „Meine Mama bereut, dass sie aufgehört hat“, erzählt Nadja. Deswegen habe ihre Mutter sie überredet, Geige zu spielen. Eine Weile lang bekam Nadja Einzelunterricht, ehe sie in der Streicherklasse anfing. Musizieren in der Gruppe bereitet dem Mädchen noch mehr Spaß. Diese Gemeinschaft stärkt die Schüler auch untereinander, denn die Streicherklasse gelte bei vielen Mitschülern als uncool. „Man muss sich schon ab und zu doofe Kommentare anhören“, erzählt Emily, „aber man darf da einfach nicht drauf hören. Es muss mir gefallen und Spaß machen und nicht den anderen.“

Ob sich die Sechstklässler in ein Sinfoniekonzert setzen würden? Eher nicht. Und wenn doch, dann müsse auf der Bühne was abgehen, finden sie. Ein Solist, zum Beispiel, „der draufhaut“. Für Kalliopi wäre die Kürze des Konzerts ein entscheidender Faktor. Genau das hat Musiklehrerin Stephanie Dreher auch bei den Zehntklässlern, die sich die Oper „Rigoletto“ angeschaut haben, beobachtet: „Musik und Handlung waren weniger das Problem. Es hat den Schülern einfach zu lange gedauert.“

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