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Bei den AKW-Abfällen bleiben die Fronten verhärtet

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Wie es aussieht, bleibt es dabei: Der Landkreis Ludwigsburg, das Landes-Umweltministerium sowie die Atomaufsicht betonen – unterstützt von Gutachtern – die Ungefährlichkeit der Abfälle, die auf den Deponien Froschgraben bei Schwieberdingen und Burghof bei Horrheim bereits vergraben wurden und noch vergraben werden sollen. Viele Bürger und die Interessengemeinschaft (IG), die das Geschehen auf der Deponie Froschgraben seit Jahren kritisch beobachtet, lehnen dies prinzipiell als zu riskant ab.

Zusätzlich Pfeffer kam am Dienstagabend in die Veranstaltung, weil die Gegner und insbesondere ihr Sprecher Dr. Dierk-Christian Vogt dieses Mal nicht am Podium teilnehmen durften. Es handle sich somit um eine reine PR-Veranstaltung der AVL, bei der die Fakten verdreht würden, schimpfte ein Mann. Landrat Dr. Rainer Haas konterte: Auch die IG habe in der Vergangenheit zu eigenen Infoveranstaltungen ohne Behördenvertreter eingeladen. Und wie sich später herausstellte, hatte Vogts Abwesenheit berufliche Gründe.

Den ersten Applaus des Abends bekam Vaihingens OB Gerd Maisch. Auf der Deponie Burghof würden seit 40 Jahren Abfälle aus dem Kreis, der Region, aus Deutschland und sogar darüber hinaus entsorgt. Die Stadt und die an die Deponie angrenzenden Teilorte Horrheim, Gündelbach und Ensingen hätten somit ihre Verantwortung zu Genüge wahrgenommen. „Die Mehrheit der Bevölkerung will’s nicht“, so Maisch.

Haas stellte nochmals klar: Bei den Abfällen aus dem bevorstehenden Rückbau des ersten Atommeilers des Akw Neckarwestheim habe der Landkreis  die gesetzliche Entsorgungspflicht, da sich das Akw teilweise auf Gemmrigheimer Markung und somit auf Kreisgebiet befinde. Das untermauerte auch Martin Kneisel vom Referat Abfalltechnik im Stuttgarter Umweltministerium. Die Deponien seien keineswegs nur „bessere Erdlöcher“, sondern aufwendige Bauwerke und bestens geeignet, die Abfälle aufzubewahren. Auch nach einer Stilllegung werde eine Deponie Jahrzehnte lang überwacht. Erst danach werde eine Nachnutzung möglich. Die Nuclear Control & Consulting GmbH hatte im Oktober Messungen auf beiden Deponien sowie im Umfeld der Gemeinde Schwieberdingen vorgenommen. Dabei wurden auf den Deponien keine erhöhten Werte festgestellt.

Mehrmals kam die Frage auf, warum das Material nicht auf dem Akw-Gelände verbleiben könne. Das vielfach angeführte Beispiel Schleswig-Holstein verfange aber nicht, erklärte Gerrit Niehaus, der Leiter der Atomaufsicht. Dort habe man einfach keine geeigneten Deponien zur Hand. Auch dem von einem Zuhörer ins Spiel gebrachten „sicheren Einschluss“ des Materials auf dem Akw-Gelände erteilte Niehaus eine Absage. Dies setze ebenfalls eine Entkernung der Anlage voraus, wobei auch Abfälle anfielen, die deponiert werden müssten. Haas sieht nur einen Weg: „Es gibt keinen sichereren Ort als eine mit teurem Geld erbaute Deponie.“ „Mein Bauchhirn wünscht sich eine alternative Lösung“, gestand zudem die Horrheimer Ortschaftsrätin Edith Abel. Erfahrungsgemäß komme vieles später anders als vorher gedacht.

Die Stadt Vaihingen kann die Einlagerung der Abfälle auf dem Burghof nicht verhindern – auch wenn das Deponiegelände von der Stadt an den Landkreis nur verpachtet wurde. Man habe die 40 Jahre alten Verträge schon dahingehend geprüft, so OB Maisch. Er wolle dem Gemeinderat vorschlagen, mit einem Votum gegen die Deponierung ein deutliches Zeichen zu setzen. mba

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