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Aufständische Nonnen im Museum

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Sachsenheims Museumsleiterin Claudia Papp zeigt eine Lutherbibel von 1702, die in der Ausstellung zu sehen ist.  Foto: 

Sie leisteten lange Widerstand. Doch 1564 musste auch die letzte Nonne des Zisterzienserklosters Rechentshofen, Magdalena Schenkin von Winterstetten, auf ihre klösterlichen Rechte verzichten und den reformatorischen Bestrebungen endgültig Platz machen. Die Geschichte der Zisterzienserinnen vom Kloster Rechentshofen zwischen Großsachsenheim und Hohenhaslach ist Teil der Ausstellung im Sachsenheimer Stadtmuseum, die am Samstag, 30. September, offiziell eröffnet wird und bis zum 25. Februar läuft: „Nonnen in Aufruhr, Pfarrer in Haft. Sachsenheim und Württemberg im Zeichen der Reformation“.

Den Rahmen bildet eine Wanderausstellung des Landeskirchlichen Archivs Stuttgart zum Thema Reformation in Württemberg. „Wir haben diese Schau aber mit lokalen Ausstellungsobjekten ergänzt“, macht die Sachsenheimer Museumsleiterin Dr. Claudia Papp deutlich. Dass die reformatorischen Bestrebungen nicht immer gleich von Erfolg gekrönt waren, wird an vielen Stellen deutlich, vor allem in dem Abschnitt, der sich mit der Reformation in Sachsenheim und im Kirbachtal beschäftigt.

Pfarrer inhaftiert

„Für die Nonnen als unverheiratete Frauen aus dem niederen Adel war die Auflösung der Klöster nicht einfach, denn viele wussten nicht, wo sie anschließend unterkommen sollten.“ Daher habe es im Zisterzienserkloster zwei Lager von Nonnen gegeben: jene, die die Reformation unterstützten, und solche, die sie strikt ablehnten und sich sogar weigerten mit den anderen an einem Tisch zu sitzen. „Es kam sogar zu Schlägereien.“

Probleme gab es auch in Ochsenbach mit dem ersten evangelischen Pfarrer, Hans Fester, 1534. „Er hielt sehr eigenwillige Predigten, wollte alle Heiligenbilder aus der Kirche entfernen und setzte einen Laien eigenmächtig als Prediger ein“, berichtet Claudia Papp. Schultheiß und Bürger beschwerten sich bei Herzog Ulrich von Württemberg. „1536 ordnete der Herzog die Inhaftierung von Pfarrer Fester an.“

In Häfnerhaslach wurde unter anderem ein Beginenkloster aufgelöst, dessen Schwestern „ihre Kutten fallen lassen sollten, um ehrbare bürgerliche Kleidung zu tragen“. Die Besucher der Ausstellung können in einer Bilderschau nicht nur die Veränderungen nachvollziehen, sondern auch in Hohenhaslacher Kirchenbücher aus dem Jahr 1743 blicken.

„Ein Abendmahlsgeschirr aus Kleinsachsenheim der Jahre 1801 und 1810, Fragmente aus dem Benediktinerinnenkloster am Baiselsberg und eine Sachsenheimer Lutherbibel aus dem Jahr 1564 ergänzen die lokalen Ausstellungsobjekte“, betont Claudia Papp, „weiterhin wird ein Abbild des Totenschilds von Pfarrer Kneer zu sehen sein, dessen Original in der Großsachsenheimer Kirche hängt und an den Geistlichen erinnert, der acht Kinder von drei Frauen hatte.“ Der Museumsleiterin kam es darauf an, keinen rein kirchengeschichtlichen Rückblick zu bieten, sondern dessen historische Bedeutung für Württemberg, Sachsenheim und das Kirbachtal in den Vordergrund zu rücken.

Jüngere Besucher können in das Gewand einer Nonne oder eines Mönchs schlüpfen und der Bedeutung von Redewendungen auf den Grund kommen, die in der Bibelübersetzung Luthers ihren Ursprung haben. Außerdem ist es möglich, verschiedene Sünden mit Goldtalern aus Schokolade aufzuwiegen, eine Kirche aus Bauklötzen zu bauen oder ein Lesezeichen mit einer Lutherrose zu basteln. Moderne Perspektiven auf die Reformation eröffnen auch die Stationen des Reformationswegs, den Schülern des Lichtenstern-Gymnasiums gebaut haben (die BZ berichtete). Während der Ausstellung gibt es Erlebnisnachmittage mit Kamishibai-Theater, Kochen und Drucken wie zu Luthers Zeiten sowie unterschiedliche Fachvorträge.

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