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Auf den Spuren der alten Gerber

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Die Fahrten mit den Vaihinger Stocherkähnen sind bei Einheimischen und Touristen sehr beliebt. Foto: Stadt Vaihingen  Foto: 

Eine der exklusivsten der 27 Stadtführungen in Vaihingen ist die Stocherkahnfahrt. Seit 2013 wird sie von April bis Oktober angeboten – und ist regelmäßig ausgebucht. Circa eineinhalb Stunden geht es dabei über die Enz. „Bei der Führung erhält man einen Blick auf Vaihingen, den man sonst nicht hat“, berichtet Stephanie Bauer vom Stadtmarketing. Mit einem der elf Stocherkahn-Führer geht es nach einer kurzen Einweisung zunächst vom unteren Kraftwerk stromaufwärts in Richtung oberes Kraftwerk. Dort wird dann eine Pause eingelegt.

„Man hat hier einen tollen Blick auf den Schlossberg und das Schloss“, weiß Bauer. Dazu gibt es für den, der möchte, ein Glas Wein – Vaihinger Anbau versteht sich. Dort bietet sich auch ein Blick auf die Fischtreppe, die den Wasserbewohnern das Passieren des Kraftwerks ermöglicht, und einen kleinen Wasserfall. Zurück geht es dann auf der anderen Seite der Insel.

2014 hat die Führung eine Attraktion dazugewonnen. Seither passieren die Besucher das neue Enzufer. „Auch das sieht man ja so sonst nicht“, merkt die Projektleiterin Stadtmarketing und Tourismus an. Zudem gibt es immer wieder neue Impulse. „In den letzten beiden Halbjahren hatten wir die Veranstaltungen ‚Jazz auf der Enz‘ und ‚Irische Musik auf der Enz‘“, sagt Bauer. Dort wird der Kahn dann von einem Floß mit Musikern und Laternen begleitet. Bei einer Tour waren es das „Silent Jazz Trio“, bei der anderen die Ludwigsburger Musiker Angela Gans, Stefan Jeuk und Rainer Wisniewski. An der Anlegestelle gibt es zusätzlich kleine Speisen. „Diese Führungen waren natürlich noch schneller ausgebucht“, berichtet Bauer.

Die Stadt bietet zwischen April und Oktober immer am letzten Wochenende im Monat öffentliche Stocherkahnfahrten an. Daneben sind natürlich auch private Fahrten für größere Gruppen bis zu 36 Personen zu buchen. Auf einen Kahn passen zwölf Personen, insgesamt stehen drei Kähne zur Verfügung. „Die Fahrten sind sehr beliebt, auch die privaten Führungen, zum Beispiel für Geburtstage oder Konfirmationen“, erzählt die Tourismusbeauftragte. Und erschwinglich ist die Sache auch: 100 Euro betragen die Kosten für einen ganzen Kahn. Für die Stadt sei das quasi ein Nullgeschäft, so Bauer. Meist können alle Anfragen – auch kurzfristige – gestemmt werden: „Mit unseren elf Stocherkahn-Führern sind wir da sehr flexibel“, lobt sie.

Nach wie vor sind die Fahrten nicht nur bei Touristen beliebt. „Sie werden auch viel von den Einheimischen genutzt“, sagt Bauer. Im Moment – das neue Programm mit Stadtführungen ist seit Kurzem raus – gebe es noch ausreichend Karten. Eine große Vorlaufzeit müsse man in der Regel auch nicht einrechnen. „Wenn aber abzusehen ist, dass es am Wochenende gut Wetter wird, sind die Tickets schnell vergriffen“, berichtet sie.

In der Regel würden die Fahrten auch ablaufen, ohne dass die Insassen erheblich nass werden. „Es kann sein, dass vielleicht mal einer beim Ausstieg ins Wasser gefallen ist. Aber mir ist eigentlich nichts bekannt“, sagt Bauer. Denn im Prinzip könnten die Kähne nicht kentern. „Außer es stellen sich alle zwölf auf eine Seite.“ Und das liefe ja dann auch unter dem Motto „selber schuld“.

Über Jahrhunderte war die Stadt Vaihingen eine Metropole der Lederherstellung. Entlang des alten Mühlkanals, wo auch die Stocherkahnfahrten stattfinden übten bis zu 33 Gerber gleichzeitig ihr Handwerk aus. Der hochangesehene Gerberstand brachte Wohlstand. Lange zählte Vaihingen, mit Reutlingen und Tuttlingen, zu den führenden Gerberstätten in Württemberg und produzierte ein Sechstel der gesamtdeutschen  Lederleimmenge für den Weltmarkt.

In Vaihingen waren die Bedingungen für Gerber ideal. Neben einem fließenden Gewässer benötigten die hier vor allem angesiedelten Rotgerber große Mengen an Eichen- und Fichtenrinde – welche sie in den Strombergwäldern fanden. Zudem wurden die Häute von Rindern benötigt. Auch das war im Vaihinger Raum gegeben. Hier wurden bis ins 19. Jahrhundert viele Rinder, speziell Arbeitsochsen, gezüchtet.

Rotgerber produzieren vor allem Sohlen- und Schuhoberleder. 1830 gab es 31 Rot- und zwei Weißgerber, die Handschuh- und Hosenleder herstellten. Die entsprechenden verarbeitenden Gewerbe wie Schuhmacher oder Leimsieder ließen sich parallel ebenfalls in Vaihingen nieder. Alle gemeinsam sorgten für ein über Jahrhunderte florierendes Geschäft. bz

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