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Asyl-Großunterkunft für mindestens 150 Menschen in Großsachsenheim

Auf dem Großsachsenheimer Vereinsgelände Steingrube wird in Kürze eine Asyl-Großunterkunft entstehen. Mindestens 150 Flüchtlinge sollen dort leben. Der Gemeinderat hat am Donnerstag zugestimmt.

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Auf dem alten Festplatz in der Steingrube in Sachsenheim soll eine Flüchtlingsunterkunft entstehen.  Foto: 

Die Zuhörerstühle reichten bei Weitem nicht aus. Gut und gerne 50 Bürger wollten am Donnerstag hören, wie der Sachsenheimer Gemeinderat über das Thema Asyl befindet. Und was sie hörten, das gefiel etlichen Menschen im Saal nicht. Begleitet von Gemurmel, Grimassen und nicht wenigen "Wir schaffen das nicht mehr"-Protestrufen aus dem Publikum stimmte der Gemeinderat mit Ausnahme von AfD-Rat Dr. Roland Mackert geschlossen für die Verpachtung einer etwa 2000 Quadratmeter großen Fläche an das Landratsamt, damit dieses auf dem ehemaligen Festplatz in der Steingrube Wohneinheiten für mindestens 150 Flüchtlinge baut. Schon Mitte Dezember hatte sich der Gemeinderat in einer Klausurtagung auf das Areal verständigt, unter anderem deswegen, weil es in puncto Wasser, Abwasser und Strom bereits erschlossen und daher kurzfristig bebaubar ist. "Es geht vor allem um Geschwindigkeit", betonte der Bürgermeister Horst Fiedler in der Sitzung. "Die Menschen sind bereits in Deutschland. Sie stehen vor den Toren Sachsenheims. Und wir haben die Aufgabe nach Recht und Gesetz, sie aufzunehmen." Der Vorteil einer Großunterkunft ab 120 Personen sei, dass ihr ein Hausmeister beziehungsweise Sozialarbeiter zugewiesen werde. Laut Dr. Andreas Fritz, dem Sprecher der Behörde, hat der Kreis zweigeschossige mobile Wohneinheiten in Holzmodulbauweise im Blick. Der Zeitplan müsse noch erarbeitet werden.

Was sowohl Verwaltung als auch Gemeinderat betonten: Keiner wünscht sich diese Unterkunft, aber "dass Handlungszwang besteht, steht außer Frage. Der Beschluss ist unumgänglich", sagte etwa Siegfried Jauß, der Vorsitzende der Freie-Wähler-Fraktion. Grundsätzlich zöge man eine dezentrale Unterbringung vor, "aber das ist alles hinfällig", erklärte Lars Weydt, der CDU-Vorsitzende, angesichts der Flüchtlingszahlen.

Einzig der AfDler Mackert stemmte sich massiv gegen die Planungen, referierte minutenlang über eine wörtlich verbrecherische und gescheiterte Bundes- und Europapolitik und erntete dafür aus dem Publikum auch Beifall. Die anderen Fraktionen verwahrten sich indes dagegen, im Sachsenheimer Kulturhaus das große geopolitische Rad zu drehen. Tenor von Verwaltung und Gremium: Wir in Sachsenheim können die Situation nicht beeinflussen oder die Flüchtlinge ablehnen, sondern müssen rasch handeln, um zu vermeiden, dass Hallen beschlagnahmt werden müssen. Denn, so die SPD-Chefin Helga Niehues, "eine Halle zu besetzen, ist das Letzte, was wir wollen. Das wäre für den Schul- und den Vereinssport verheerend".

Die Stadtverwaltung will sich laut Fiedler bemühen, die Beeinträchtigungen für die Vereine so gering wie möglich zu halten. Man wolle den Klubs vorschlagen, dass sich Flüchtlinge sportlich einbringen könnten. Und auch über die Situation des durch die seit Monaten gesperrte Eisenbahnbrücke angeschlagenen Wirts im Sportfreunde-Vereinsheim will die Verwaltung mit dem Landratsamt diskutieren. Vielleicht, so Fiedler, könne man den Gastronom in die Verpflegung der Asylbewerber einbeziehen. Mehrere Gemeinderäte plädierten dafür, das Baufenster nach Osten zu schieben, um den Platz unmittelbar vor dem Lokal freizuhalten. Um eine bessere Zufahrt zu garantieren, wird laut dem Beigeordneten Gunter Albert die Behelfszufahrt aus Blickrichtung Metterzimmern kommend asphaltiert.

Was Jochen Winkler, der Fachbereichsleiter Verwaltung, in der Sitzung betonte: "Es wird leider nicht der letzte Standort bleiben, wir sind an weiteren dran." Schon in Kürze werde sich der Gemeinderat mit der nächsten Unterkunft in der Stadt befassen müssen.

Asyl: Zahlen aus Sachsenheim

2206 neue Flüchtlinge werden dem Landkreis allein im Januar aus den Landeserstaufnahmestellen zugewiesen.

120 Asylbewerber leben aktuell in Sachsenheim (vorläufige und Anschlussunterbringung).

300 Plätze für die vorläufige Unterbringung wird die Stadt bis Ende 2016 schaffen müssen.

150 Plätze für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen mit Bleiberecht wird die Stadt bis 2016 schaffen müssen.

158 städtische Liegenschaften wurden seit der ersten Asyldiskussion 2013 in Sachsenheim bewertet.

24 wurden im Detail beäugt.

42 Bauvarianten wurden ausgearbeitet.

SWP

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Wappen
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Sachsenheim

Einwohner: 18170 (31. Dez. 2015)
PLZ: 74343
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 246 m ü. NHN
Bürgermeister Horst Fiedler

www.sachsenheim.de/

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