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"Teilen löst positive Gefühle aus"

Muss der Mensch das Teilen erst lernen oder liegt es ihm im Blut? Und: Wie wichtig ist Teilen überhaupt? Simone Heinz, die angehende Leiterin des Sachsenheimer Kinderhauses Mobile, gibt Antworten.

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Simone Heinz: Schon im Säuglingsalter wird geteilt.  Foto: 

Frau Heinz, wie ist Ihre Beobachtung: Ist der Mensch zum Teilen gemacht?

SIMONE HEINZ: Ja, das steckt in einem drin. In der Entwicklungspsychologie heißt es, dass es dem Menschen nicht inne ist zu horten.

Warum ist das so?

HEINZ: Das Teilen fängt schon im Säuglingsalter an. Das Baby gibt seine Rassel her, um damit eine Emotion, ein Lächeln, auszulösen. Es ist eine ich-bezogene Handlung. Ich gebe etwas, um etwas anderes zu bekommen. Im Kindergarten oder der Schule setzt sich das fort. Ich gebe dir mein Vesperbrot, dafür schenkst du mir ein paar Möhren.

Ist Teilen also purer Egoismus?

HEINZ: Ein Stück weit sicher. Dabei geht es aber darum, zu einem sozial kompetenten Menschen zu werden. Wenn ich etwas abgebe und sehe, dass der andere sich freut, löst das in mir positive Emotionen aus. Das Teilen wird also positiv belegt. Dabei ist es nicht immer das Ziel, von derselben Person etwas zurückzubekommen, sondern das Gefühl zu haben, überhaupt etwas zurückzubekommen. Das kann also auch jemand anderes aus der Gruppe sein. Gleichzeitig lernt man beim Abgeben, mit Verlust umzugehen. Denn wer etwas fortgibt, verliert auch etwas, muss Abschied nehmen. Es ist wichtig, diese Gefühle zuzulassen.

Wird das Teilen in der Kindertagesstätte bewusst gefördert?

HEINZ: Das ist unser täglich Brot. Teilen ist in der Pädagogik ein ganz bewusstes Instrument, um die Kinder auf das Leben vorzubereiten. Ein Beispiel: Fünf Kinder wollen basteln, wir legen aber bewusst nur drei Scheren bereit. Die Kinder lernen, sich in Geduld zu üben, Absprachen zu treffen.

Geben manche lieber ab als andere? Stichwort: Einzelkinder?

HEINZ: Klar, die Frustrationstoleranz ist unterschiedlich. Der eine kann mit dem Gefühl des Verlusts schlechter umgehen als der andere. Dass Einzelkinder schlechter teilen können, ist unserer Ansicht nach jedoch ein Mythos. Sie haben wenig Bedenken, etwas zu verlieren. Es sind eher die Sandwichkinder, die weder das Recht des Erstgeborenen, noch den Nesthäkchen-Status haben, die um ihr Hab und Gut bangen.

Wie wichtig ist Besitz denn überhaupt?

HEINZ: Für Kinder hat Besitz viel mit ihrer Individualität, ihrer Persönlichkeit zu tun. Es gibt den Lieblingspullover oder das Lieblingskuscheltier, ohne das man nicht schlafen kann. Dinge, die für die Kinder sehr wichtig sind, die aber nicht teuer sein müssen. Es geht nicht wie im Erwachsenenalter um Statussymbole. Kinder beleben Gegenstände eher gern: Das Auto hat einen Namen, der Tisch ist schuld, dass man sich das Bein gestoßen hat.

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