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Robert Baisch: Mal Vollblut-Comedian, mal feinsinniger Kabarettist

Von der Schönheit Sachsenheims "total geplättet" begeisterte Roland Baisch am Freitag im sehr gut besuchten Kulturhaus die Zuschauer mit seinem Programm über die Privilegien des Alters.

MIRIAM STAUDACHER |

Er habe spontan ein Lied auf die Stadt dichten müssen, so sehr habe sie ihn beeindruckt, frotzelte der Musik-Comedian Roland Baisch, der letztjährige Gewinner des Baden-Württembergischen Kleinkunstpreises, eingangs seiner Vorstellung und hatte mit Lied und Spott flugs die Herzen der vielen Besucher im Sachsenheimer Kulturhaus erobert. Dort präsentierte er die Zutaten seines knapp zweistündiges Bühnenprogramms "Der graue Star": reichlich Humor, eine gehörige Prise Altersweisheit, ein Quentchen Larmoyanz und viel Selbstironie. Darauf packte der ausgebildete Schauspieler und Entertainer eine Musikalität, die ihresgleichen sucht und bei Frank Wekenmann, einem herausragenden Gitarristen, auf einen kongenialen Partner traf.

Vor einem großformatigen Poster eines Bodybilders mit Schwarzenegger'schen Muskeln und Baisch'schen Gesichtszügen zielt der "graue Star" (Roland Baisch war Mitte der 1990er-Jahre als Autor mehrerer Fernseh-Comedy-Formate richtig gut im Geschäft) mit der Erfahrenheit eines Neusechzigers auf alle, die ihm vor seine kabarettistische Kimme kommen: Die "gepiercten Zahnspangen, die mein Besenreiser-Tattoo bewundern", seinen früheren Schulfreund aus Korntal, Günther Oettinger ("der mit der Nasenklammer"), die "Tages-Duzer vom Golfplatz", Pur ("Vorgruppe beim Baisch-Konzert in der Mercedes-Benz-Arena 2015") und immer wieder den "Glücksdoktor" Eckart von Hirschhausen, an dem er nicht ein gutes Haar lässt. Apropos Haare: Die habe er sich "einzeln implantieren lassen", sagt Baisch: "Bevor ich hierher kam, habe ich so ausgesehen", sprach er und zeigte auf den Muckibudentyp mit vollem Haupthaar. "Für den Silberrückeneffekt!"

Wenn Roland Baisch, mal Vollblut-Comedian, mal feinsinniger Kabarettist, singend und musizierend dem Volk aufs Maul und die Herzen schaut, gibt's kaum ein Halten mehr: Ob Country-like wie dereinst Johnny Cash, als Swinger oder Jazzer. In bester Call and Response-Manier, wenn es gilt, ein bevorzugtes Opfer seiner intelligenten Hohn-Tiraden durch den Kakao zu ziehen: Die Arme in die Höhe gereckt, mimt er den "Sohn Mannheims" Xavier Naidoo zum Wegschmeißen komisch. Auch der "Rüpel-Rapper" Bushido kriegt sein Fett weg: "Der sagt, er habe mit 800 Frauen geschlafen! Ich mit 12.000! Auf dem Kirchentag in Stuttgart", prahlt Baisch und nennt sich fortan "Baishido". "Ich bin Grandfather Flash!" rappt er und legt eine flotte Hiphop-Sohle aufs Parkett des Kulturhauses.

Der "Graue Star" ist ein Musik-Comedy-Programm, in der ein Höhepunkt den nächsten jagt: Ob er "Swing-Bonbons" im Stepp-Rhythmus geräuschvoll in der Mundhöhle kreisen lässt oder einen körperbetonten Schnellkurs in "reversierendem Jammern" erteilt, ob er das Publikum mitnimmt auf einen bitterbösen, todwitzigen Ausflug in die Lebenswirklichkeit der Unterschicht oder beim volkstümlichen Saufparolen-Medley zum Mitgrölen auffordert, ob er begnadet Saxofon, Mandoline oder Bratislette (eine Blockflöte mit Klarinettenmundstück, die er bei der Erkundung der Magistrale Paris-Bratislava entdeckt hat) oder auf der singenden Säge spielt: Roland Baisch ist auf jeder Saite und jeder Taste zuhause und singt die Stars des wahren Lebens in Grund und Boden.

Ein Stück des Erfolgs dürfen sich die beiden anderen Beteiligten des "Grauen Stars" an ihren Hut heften: der Gitarrist und musikalische Leiter des Programms, Frank Wekenmann, der sein Können zeigen darf, ohne dem Alphatier Baisch die Show zu stehlen. Und der großartige Bühnen- und Filmdarsteller Vilmar Bieri, der Regie führt.

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