Partner der

AfD-Landtagskandidatin Anja Markmann im Porträt - Anhängerin des "Erfurter Flügels"

Anja Markmann aus Heidelberg kandidiert im Wahlkreis Vaihingen für die AfD. Die Informatikerin bezeichnet sich nicht als rechts, bekräftigt aber ihre Sympathien für den rechtskonservativen "Erfurter Flügel".

MARTIN TRÖSTER |

Diese Ehrlichkeit Anja Markmanns ist nicht unsympathisch. Elegant gekleidet stöckelt die 56-Jährige über das Pflaster des Markgröninger Marktplatzes und erzählt von der Podiumsdiskussion am Vorabend: "Das ist nicht so gut gelaufen." Ihr fehle noch etwas die Erfahrung. Am Tag danach, nach dem nächsten Podium, wird sie sagen, sie habe Fortschritte gemacht.

Anja Markmann ist relativ neu in der Politik. Den Drang, sich zu engagieren, habe sie erst mit dem Aufstieg der AfD verspürt, vor ungefähr drei Jahren. Heute sitzt sie für die Partei im Heidelberger Stadtrat. Früher, sagt sie, hat sie immer die CDU gewählt. Doch irgendwann habe sie sich auch von ihrer Stammpartei nicht mehr verstanden gefühlt. "Da war das Hauptgefühl, dass die Politik etwas macht, das nicht in Ordnung ist." Fragt man gut drei Jahre später in einem Markgröninger Café, welcher Anlass dieses "Hauptgefühl" ausgelöst hat, erinnert sie sich an die Euro-Politik, die dazu beigetragen habe, die EU in Richtung "Zentralstaat" zu führen.

Ihr Wahlkampf-Motto "Damit Baden-Württemberg unsere Heimat bleibt", scheint die Heidelbergerin durchaus ernst zu meinen. Das Fachwerk am Markgröninger Marktplatz erinnere sie an dieses Heimatgefühl. Deshalb habe sie sich diesen Platz ausgesucht, als sie um ein Treffen an ihrem Lieblingsort im Wahlkreis gebeten wurde. Angesichts der Flüchtlingskrise fürchtet sie um das Deutschland, wie sie es kannte, sagt sie. Das Deutschland vor der "Überfremdung", vor den Flüchtlingsströmen. Auch und vor allem: bevor mit den Flüchtlingen so viele Muslime in das Land gekommen seien. Die kulturellen Unterschiede zu "den Muslimen" erachtet sie als zu mächtig für eine erfolgreiche Integration dieser großen Gruppe.

Anja Markmann ist das Zusammenleben der Kulturen gewohnt, erzählt sie. Jahrelang hat die Informatikerin in einer Dienstwohnung der Uni Heidelberg gelebt, auf einem Berg abseits der Stadt, bei den Molekularbiologen. Auf dem Gelände lebten Forscher aus aller Herren Länder. "Das war die schönste Zeit in meinem Leben", sagt Markmann heute. Auch dort habe es Muslime gegeben - aber die seien nicht negativ aufgefallen. Anders als heute, sagt sie. "Sowas wie Köln ist jetzt ein enormer Anstieg" der Kriminalität. Sie ergänzt: "Es kann natürlich nur ein Einzelfall gewesen sein."

Kann das Fremde eine Bereicherung sein? "Ja, auf alle Fälle", sagt Markmann, ohne zu zögern.

Manche Redner von Pegida finde sie "ein bisschen extrem", zum Beispiel Michael Mannheimer, der als Islamhasser gilt und den sie auf ihrer bislang einzigen Pegida-Veranstaltung gehört habe. Sie habe sich als Besucherin ein Bild von Pegida machen wollen, sagt sie.

Und dennoch lässt sich die Frau, die sich nicht als rechts bezeichnen will, durchaus dem rechten Flügel der Partei zuordnen, zum sogenannten "Erfurter Flügel", benannt nach der "Erfurter Resolution", initiiert von Björn Höcke, dem Thüringer Landes-Chef der AfD. Höcke ist unter anderem mit einem rassistischen Ausfall aufgefallen, in dem er über genetisch bedingte Fortpflanzungsunterschiede von Europäern und Afrikanern fabulierte. Anfang Mai hatte er einer Zeitung erklärt, nicht jedes NPD-Mitglied sei extremistisch. Kurz danach, am 8. Mai, bekundete Markmann Höcke auf dessen Facebook-Seite ihre Solidarität, nachdem aus der AfD zahlreiche Missbilligungen seiner Aussagen laut geworden waren: "Viele AfD'ler stehen hinter ihnen." Und: "Für eine bessere Politik brauchen wir unbedingt aufrichtige Politiker wie Sie!"

Im Café in Markgröningen bezeichnet sie Höcke als "authentisch" und "charakterstark". Ob seine Aussagen zum Fortpflanzungsverhalten rassistisch sind? "Das weiß ich nicht", sagt sie. Sicher könne man sich über seine "Art und Weise" streiten. Markmann bleibt vage. Für Leute wie Höcke gelte eben: "Menschen, die solche Bewegungen auf die Beine stellen, sind oft ein bisschen so."

Zu einem weiteren Bericht über die AfD-Landtagskandidatin und ihr fragwürdiges Profilbild auf ihrer Facebook-Seite gelangen Sie hier.

Person

Name: Anja Markmann

Alter: 56

Wohnort: Heidelberg

Beruf: Diplom-Informatikerin der Medizin, berufstätig am Universitätsklinikum Heidelberg

Familienstand: getrennt lebend, zwei Töchter, 14 und 27.

Hobbys: Fitness, Saxophon spielen, Wandern, Skifahren, Wasserski, Segeln

Lieblingslied: "Ich liebe Musik, habe aber eigentlich kein ausgesprochenes Lieblingslied. Mein Musikgeschmack ist vielfältig und geht von Rock, Pop und Soul zur Klassik."

Lieblingsbuch: "Ein Lieblingsbuch habe ich nicht. Ich bin großer Fan von Pippi Langstrumpf. Sie war für mich immer ein Vorbild für starke Mädchen."

Lieblingsfilm: "24 Wochen" interessiert mich, das Thema des Films ist Spätabtreibung.


Positionen

Thema Asyl: Wie lässt sich der Druck von Landkreis und Kommunen nehmen? Anja Markmann: "Kreis und Kommunen müssen Druck aufbauen zur Änderung der Politik, die sie nicht bestellt haben, deren Folgen sie aber tragen sollen. Um die Bürger nicht zu überfordern, sollte die Aufnahme von Flüchtlingen freiwillig sein und eine maximale prozentuale Aufnahmekapazität anhand der Einwohnerzahl festgelegt werden."

Thema Asyl: Was kann das Land tun? Anja Markmann: "Das Land kann Fehlanreize abzubauen. So sollten Asylanwärter Sach- statt Geldleistungen erhalten. Daneben kann das Land Abschiebungen von Wirtschaftsflüchtlingen konsequenter durchführen. Über den Bundesrat sollte es helfen, den von allen EU-Staaten abgelehnten Alleingang Deutschlands zu beenden."

Außer Asyl: Was ist ansonsten Ihr wichtigstes landespolitisches Ziel? Markmann: "Erhalt unserer Heimat, ihrer Werte und Regeln, damit unsere Kinder eine sichere Zukunft in unserem Land haben, genauso wie wir es hatten."

Wie wollen Sie dies erreichen? Markmann: "Ich möchte die Stimme des Bürgers wieder stärker zur Geltung bringen und die Kommunikation mit den Bürgern und die direkte Demokratie verbessern. Die Politik muss sich wieder als Dienstleister für die Menschen in unserem Land verstehen und den Bürger mitnehmen. Dazu ist für ein besseres politisches Klima zu sorgen, das durch Respekt vor der Meinung des Andersdenkenden geprägt ist."

Zwei weitere Ziele, die Ihnen für die Landespolitik wichtig sind? Markmann: "Sicherstellung des friedlichen Zusammenleben von Menschen, die Ihre Potentiale im Leben ausschöpfen und sich verwirklichen möchten. Schaffung nachhaltigen Wohlstandes durch Bildung, Innovation und Fleiß, Rückkehr zu den Regeln und Werten, mit denen Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde."

Warum soll man Sie wählen? Markmann: "Ich bin frustriert über die Ohnmacht des Bürgers und unzufrieden mit den Lösungen, die von der etablierten Politik angeboten werden. Ich komme aus der Mitte der Gesellschaft, und kenne die Sorgen und Nöte der Bürger durch mein Studium und meine Arbeit am Klinikum Heidelberg. Zudem bin ich alleinerziehend und muss, wie so viele andere auch, Beruf und Familie unter einen Hut bringen."

 

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Themenschwerpunkt

Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg

Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg

Alle fünf Jahre wählen die Menschen in Baden-Württemberg den Landtag. Am 13. März 2016 fiel die Wahl historisch aus: In Baden-Württemberg kommt die erste grün-schwarze Regierung an die Macht.

mehr zum Thema

Zum Schluss

Mainz feiert Karneval im Mai

Karneval in Mainz - diesmal nicht im Februar sondern im Mai.

Die Mainzer lassen sich das Feiern nicht nehmen. Mit 77 Zugnummern und 2222 Teilnehmern holen sie am Muttertag die Fastnacht nach. Doch nicht alle sind damit einverstanden. mehr

Polizei rettet Kaninchen vor Marder

Kaninchen. Foto: Jennifer Jahns/Archiv

Polizisten haben bei einem nächtlichen Einsatz in Achern (Ortenaukreis) ein Kaninchen vor einem angriffslustigen Marder gerettet. mehr

YouTube-Star Moritz Garth ...

Justin Bieber war der erste, der noch nicht ganz so bekannte Moritz Garth will ihm folgen. Musiker, die auf der Onlineplattform Youtube Erfolge feiern, wagen sich auch in die richtigen Charts vor. mehr