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Stress im Beruf

Der Leistungsdruck im Beruf steigt. Viele Beschäftigte halten Stress im Job nur noch mit Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen aus. Für immer mehr Suchtkranke ist die Belastung im Beruf Auslöser ihrer Abhängigkeit.

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Der aktuelle Fehlzeiten-Report des AOK-Bundesverbands liefert erschreckende Ergebnisse, denn in den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage, die durch die Einnahme von Suchtmitteln verursacht wurden, von 2,07 Millionen Tagen im Jahr 2002 auf 2,42 Millionen im Jahr 2012 geklettert. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch eine Studie der Techniker Krankenkasse (TK), die ebenfalls eine große Zunahme alkoholbedingter Ausfälle im Beruf verzeichnete.

"Bei unseren Versicherten hatten die Fehltage aufgrund psychischer Belastungen im Jahr 2012 einen Anteil von 9,9 Prozent. Nur Skeletterkrankungen oder muskuläre Probleme, Erkrankungen des Atmungssystems oder Verletzungen verursachten noch mehr Fehltage", macht Klaus Hage, Koordinator für betriebliches Gesundheitsmanagement bei der AOK Ludwigsburg-Rems-Murr, deutlich. Er kann zwar nicht mit sicheren Daten belegen, dass aufgrund des Stresses im Beruf immer mehr Beschäftigte zur Flasche, Tabletten oder Aufputschmitteln greifen, aber er stellt fest, dass sich die Unternehmen in der Region verstärkt dem Thema der Gesundheitsfürsorge für ihre Mitarbeiter widmen.

"Die Betriebe haben in den letzten Jahren ein immer größeres Interesse daran, die Rahmenbedingungen für ihre Mitarbeiter so gesundheitsförderlich wie möglich zu gestalten. Viele fragen bei uns in puncto Seminare zum Stressmanagement oder zu Entspannungsmöglichkeiten im Berufsalltag an, die wir in den Unternehmen mit eigenen Fachkräften oder externen Partnern durchführen", erklärt Hage.

Teilnehmer an diesen Angeboten sind sowohl Führungskräfte als auch einfache Arbeiter aus allen Berufssparten. "Die Unternehmer sind in den vergangenen Jahren sensibler für dieses Thema geworden. Sie können es sich nicht mehr leisten, dass Fachkräfte länger ausfallen. Daher wird versucht, schon präventiv vieles zu unternehmen, damit die Mitarbeiter erst gar nicht länger krank oder gar suchtabhängig werden. Dies betrifft auch den zwischenmenschlichen Bereich und beispielsweise die Fragen, wie rede ich mit meinen Mitarbeitern, um zu viel Stress oder Leistungsdruck vorzubeugen, wie gehe ich mit Betroffenen um, die aus einer Krankheitsphase kommen, und wie kann ich mögliche Suchtgefahren erkennen", macht Hage deutlich.

Auch die IHK Ludwigsburg nimmt das Thema sehr ernst. "Wir informieren und sensibilisieren über das betriebliche Gesundheitsmanagement", sagt der stellvertretende Geschäftsführer Reiner Boucsein, aber auch er hat keine belegbaren Informationen dazu, dass immer mehr Beschäftigte nur mit Suchtmittel die Herausforderungen des heutigen Berufsalltags bestehen.

Dass Probleme am Arbeitsplatz aber sehr oft einer der Auslöser für eine spätere Suchtkrankheit sein können, weiß Diplom-Psychologin Anja Schäfer von der Psychosozialen Beratungs- und ambulanten Behandlungsstelle für Suchtkranke bei der Caritas in Ludwigsburg. "Schwierigkeiten und Belastungen im Berufsleben sind durchaus ein großes Thema bei unseren Klienten. Das betrifft Arbeiter wie Akademiker und vor allem alle Altersgruppen. Vor allem bei Alkoholkranken sind diese Probleme im Job sehr häufig auch Auslöser für ihre Sucht", betont Schäfer.

Sie schränkt aber ein, dass bei vielen noch andere Umstände hinzukommen. Allein wegen seiner beruflichen Überforderung suchten nur in Einzelfällen Betroffene ihre Beratung. "Viele, die dies betrifft, kommen bei uns erst gar nicht an", unterstreicht Schäfer. Wer es jedoch gar nicht erst so weit kommen lassen will, sollte seinem Körper auch Auszeiten gönnen, sich Freiräume zur Erholung schaffen und so die richtige Balance zwischen beruflicher Anstrengung und privater Entspannung finden, wie Arbeitspsychologen raten.

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Kommentare

16.09.2013 17:05 Uhr

Stressprävention

Immer mehr Menschen erleben Überforderung - und das nicht nur im Arbeitsleben. Das Bewusstsein, wann Stress entsteht, ist aus meiner Sicht noch nicht ausgeprägt vorhanden. Viele erleben Stress, ohne sich dessen bewusst zu sein, dann leider gehört er schon fast zum "guten Ton".
Für Führungsverantwortlich wird es in Zukunft immer wichtiger werden, ein Bewusstsein für Stress und Präventionsmaßnahmen zu schaffen, damit ihre Mitarbeiter gesund und leistungsfähig bleiben. Daher hoffe, ich, dass das, was Sie in Ihrem letzten Absatz schreiben, von Unternehmen zukünftig verstärkt unterstützt wird - schon allein aus eigenem Interesse, denn Fehlzeiten sind für ein Unternehmen nicht gerade günstig.

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