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Im Archiv auf den Spuren der Ahnen

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Archivarin Ute Bitz zeigt im Lesesaal des Staatsarchivs Ludwigsburg historische Reisepässe von Stuttgarter Bürgern. Die Personen auf den Fotos sind in alltäglichen Posen dargestellt.  Foto: 

War mein Opa ein Nazi?“ Nicht selten stellen sich Kinder und Enkel diese Frage, weiß Diplom-Archivarin Ute Bitz. Die Archivarin ist seit 30 Jahren beim Staatsarchiv Ludwigsburg angestellt und kümmert sich unter anderem um die Öffentlichkeitsarbeit. Im Rahmen der Volkshochschule leitet sie Rundgänge durch das Archiv.

Denn was viele nicht wissen: Das Staatsarchiv ist für jedermann zugänglich. „Das ist unsere Existenzberechtigung“, sagt Bitz. Das Staatsarchiv lagert Unterlagen von Gerichten und Ämtern ein. Da natürlich nicht jedes Schriftstück den Weg ins Staatsarchiv finden kann, müssen die Unterlagen zu Beginn gesichtet und bewertet werden. Dafür sind Beamte im höheren Dienst zuständig – wie etwa Ute Bitz. Die nächste Aufgabe ist die Erschließung der Dokumente und die Nutzung. „Das Archivgut wird nicht hinter Schloss und Riegel gehalten, sondern den Bürgern zur Verfügung gestellt“, sagt Bitz.

Der interessierte Enkel lässt sich, ähnlich wie in einer Bücherei, einen Ausweis erstellen, fragt im Idealfall bereits vorab nach den für ihn interessanten Unterlagen, und kann diese dann im Lesesaal einsehen.

Bräunliche Mappen, eingeschlagen in Druckerpapier und umwickelt mit einem Band, werden für den Ahnenforscher vorbereitet. Gekennzeichnet mit einem rosanen Zettel, auf dem der Name vermerkt ist. Eine Voraussetzung zur freien Einsicht gibt es jedoch: Die Person, um die es geht, muss mindestens zehn Jahre tot sein.

Gerade im Rahmen der Entnazifizierung stehen die Chancen gut, etwas über den Großvater zu erfahren, sofern er nach Kriegsende im Landkreis wohnte. 1954 wurden besonders in der amerikanischen Besatzungszone Spruchkammern errichtet. Jeder, der mindestens 16 Jahre alt war, wurde entnazifiziert. Die Menschen mussten sich einem Test unterziehen, wobei ein Meldebogen ausgefüllt werden musste, der geprüft wurde. Meldebogenfälschungen, also Falschaussagen, wurden bestraft. Die Befragten mussten angeben, bei welcher NS-Gruppierung sie dabei waren. NSDAP, SA oder SS? Auch viele weitere Fragen sowie Zeugenaussagen von Freunden, Ehegatten und Nachbarn liegen diesen Mappen bei.

Im Staatsarchiv Ludwigsburg werden alle Unterlagen aus den Spruchkammern von 1945 bis 1948 aus ganz Nord-Württemberg verwahrt. „Das sind 50 000 Einzelakten“, sagt Bitz. Für den Enkel kann ein Einblick in diese Unterlagen ein Schlag ins Gesicht sein, denn nicht selten wird die Nazi-Vergangenheit von Verwandten innerhalb der Familie beschönigt.

Doch nicht nur Verwandte mit diesem Hintergrund können ausfindig gemacht werden. Auswanderer – sofern sie legal ausgewandert sind – haben auch ihre Spuren hinterlassen. Allerdings sind nur die Hälfte legal ausgewandert. Im Idealfall ist die Bürgerverzichtserklärung, die jeder Auswandernde unterschreiben musste, in Ludwigsburg archiviert. Oft liegen noch persönliche Briefe oder andere Schriftstücke bei, die den Vorfahren charakterisieren.

War der ausgewanderte Opa vielleicht Schreiner oder Zimmermann und auf der Walz? Dann besteht die Möglichkeit, dass das Wanderbüchlein im Archiv aufbewahrt wird, denn diese mussten vor der Auswanderung abgegeben werden. „Die Chancen, etwas über den Vorfahren zu finden, stehen am besten bei negativen Auffälligkeiten“, sagt Bitz. Aber auch Bauakten, etwa über das Errichten einer Scheune, werden verwahrt. (Kriegs-)Täter und Opfer können vermerkt sein, und auch Beamte im öffentlichen Dienst haben Personalakten, über die sie ausfindig gemacht werden können. „Es ist eine Spurensuche nach Einzelschicksalen, die bei uns möglich ist. Allerdings darf dies nicht mit dem Erstellen von Stammbäumen verwechselt werden, das ist bei uns nicht möglich“, betont die Archivarin und verweist auf Genealogen-Vereine.

Auch wenn das Ludwigsburger Staatsarchiv auf die NS- sowie die Neuere Zeit spezialisiert ist, besteht die Möglichkeit, Familienforschung vor 1900 zu betreiben. „Das sind handschriftliche Quellen ohne Index. Als Anfänger hat man da eigentlich keine Chance“, sagt die Archivarin. Allerdings gebe es an der Volkshochschule Einsteigerkurse in die deutsche Kurrentschrift. Damit erlange man das Rüstzeug, auch Kirchenbücher oder andere alte Unterlagen zu lesen.

Info Der nächste Rundgang durch das Staatsarchiv Ludwigsburg mit Ute Bitz findet am Mittwoch, 25. Oktober, von 18 bis 20.30 Uhr statt. Die Anmeldung erfolgt über die Schiller-VHS unter Telefon (07141) 1 44 16 66 und kostet vier Euo.

Das Ludwigsburger Staatsarchiv verteilt sich auf das Arsenal, das um 1750 errichtet wurde und später zur Kaserne umgebaut wurde, und das Magazin, das sich im Zeughaus von 1875 befindet. In beiden Gebäuden wurden früher Waffen und Munition gelagert. Unter dem Dach des historischen Zeughauses befindet sich eine gewaltige Klimatechnik sowie Regal-Etagen auf einer freitragenden Stahlkonstruktion, wodurch ein künstliches Niveau errichtet wurde und die Stockwerke innen nicht den äußeren Etagen entsprechen. hevo

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