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Sport, der durch den Alltag hilft

Boris Breitenstein trainiert einmal in der Woche zusammen mit den Ludwigsburger Rollstuhlbasketballern. Der Sport ist für ihn Ausgleich zum Alltag und Treffpunkt mit anderen, die im Rollstuhl sitzen.

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Noch ist außer Boris Breitenstein niemand da. Er dreht schon vor dem offiziellen Training seine Runden in der Sporthalle der Fröbelschule Ludwigsburg. Immer wieder reißt er seinen Rollstuhl herum, zielt auf den Korb, nimmt Maß und netzt den Ball zielsicher ein. Er nutzt die Zeit, bevor die anderen Sportler kommen, um seine Würfe zu verbessern. Während seine Mitspieler noch unterwegs sind, hat der ehrgeizige 40-Jährige schon sein Basketball-Shirt vollgeschwitzt.

Als die Mannschaft dann komplett ist, beginnt das Training. Obwohl auch sogenannte Fußgänger, also Nicht-Behinderte, an den Ligaspielen teilnehmen dürften, sind alle Spieler der SG Ludwigsburg-Heilbronn auch im Alltag auf ihre Stühle angewiesen. Fragen, warum man nicht mehr gehen könne, sind für keinen unangebracht. "Ich hatte einen Verkehrsunfall, als ich 25 war", erzählt Breitenstein. Die Zeit danach war nicht leicht für den begeisterten Sportler. Als er zwei Jahre nach dem Unfall wieder ein Auto zur Verfügung hatte, ging es langsam wieder bergauf für ihn. Endlich war er nicht mehr ständig auf Andere angewiesen. Fünf Jahre nach dem Unfall, fing er wieder damit an, Sport zu treiben. "Für die Nationalmannschaft im Rollstuhlbasketball war ich da leider schon zu alt", erzählt er bedauernd. Auch wenn es für die Landesauswahl nicht mehr gereicht hat, übt er diesen Sport nach wie vor begeistert aus. Im Winter fährt er außerdem Ski.

Als das Training dann beginnt, ist Breitenstein mit vollem Einsatz dabei. Schnell und präzise steuert er über das Spielfeld, sein Rollstuhl folgt dabei jeder Bewegung seines muskulösen Oberkörpers. Weit lehnt er sich aus seinem Sitz, um den Ball vom Boden aufzunehmen. Zielsicher versenkt er die Bälle aus den unterschiedlichsten Winkeln. Die Extraübungen vor dem Training machen sich bezahlt.

Beim abschließenden Trainingsspiel gibt er dann noch einmal alles. Mit zwei, drei kräftigen Zügen beschleunigt er, bietet sich als Anspielstation an, nimmt den Ball mit und passt weiter. Zimperlich gehen seine Mitspieler dabei nicht mit ihm um. Immer wieder rasen die Spieler ineinander. Es wird geblockt und gerammt, ab und zu kippt Breitenstein mit seinem Rollstuhl nach vorne um. Geübt fängt er sich ab und rappelt sich schnell wieder auf. Ein kleines Rad hinten verhindert, dass er rückwärts umkippen kann. Seitlich sorgen die schräg angebrachten Räder dafür, dass er nicht umfällt. Immer wieder packt er an den Schwungräder, beschleunigt und bremsen ab.

Um seinen Sport bekannter zu machen, begleitete er einige Zeit ein Projekt und besucht Schulen. Er erklärte den Jugendlichen, wie sie die Rollstühle steuern müssen und worauf es bei der Sportart ankommt. Da die Arme nicht nur zum Werfen benötigt werden, sondern auch im sie fortzubewegen, sind schwere Arme am Anfang programmiert. Auch die Hände sind das ständige Griefen nicht gewohnt, was schnell zu Blasen führt. "Das Werfen aus dem Sitzen ist am Anfang für viele ungewohnt, erzählt Breitenstein, der früher in der zweiten Bundesliga gespielt hat, mit einem Lachen. Viele treffen bei den ersten Würfen daher nicht einmal das Brett, an dem der Korb mit den Netz befestigt ist. Breitenschneider machte es dabei viel Freude, die Jugendlichen mit einigen Tipps zu unterstützen, um sie so für seinen Sport zu begeistern.

Für den Sport engagiert er sich so sehr, weil er ihm selbst so viel gibt: "Er hilft mir, um durch den Alltag zu kommen", sagt er. Der Sport sei für ihn Ausgleich zu seinem Beruf, während dem er kaum Bewegung habe. Außerdem sei der Kontakt zu anderen Behinderten eine große Hilfe im Alltag für ihn. Vor seinem Unfall hatte er keinerlei Kontakt zu Rollstuhlfahrern. "Hier hat jeder die gleichen Probleme", erklärt er. So geben sich gegenseitig Halt und unterstützen sich.

Als das Training dann zu Ende geht, ist der Sportler völlig verschwitzt und erschöpft. Anerkennend schlägt er mit jedem seiner Mitspieler ein, jeder scheint mit seiner Leistung zufrieden sein. Danach gehen sie auseinander. Eine Woche muss Breitenstein nun warten, bis er wieder trainieren kann.

Rollstuhlbasketball als Sport

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