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Schwarz-weiß und ein Tupfen Rot

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Das NRW Juniorballett aus Dortmund bei der Uraufführung des Stückes Mord im Orient Express am Samstag im Forum Ludwigsburg.  Foto: 

Tanz ist Bewegung, Reisen auch. Das NRW-Juniorballett steigt auf seine Weise in den Orient-Express als Symbol für das nostalgische Reisen ein und transformiert die Zugfahrt in eine spannende Begegnung mit Metropolen und Menschen. Im Ludwigsburger Forum wurden am Wochenende hunderte Besucher Zeuge dieser Begegnung zwischen den Kulturen.

Unter seinem Begründer Xin Peng Wang geht das NRW-Juniorballett neue und individuell charmante Wege im Tanz. Es ist heute ein Aushängeschild der Westfalen-Metropole Dortmund und verwandelte sie in eine Drehscheibe der Tanzkunst. Wie der Name schon verrät kommen hier talentierte Nachwuchstänzer zum Zug. Zwei Jahre lang können sie Bühnenerfahrung auf höchstem Niveau sammeln und erhöhen damit ihre Berufschancen in einem hart umkämpften Metier.

Mit der Inszenierung einer Reise im Orientexpress verbinden die zwölf Tänzer Nostalgie und Gegenwart und setzen nicht nur dem legendären Zug ein Denkmal. Einst galt er als Brückenglied zwischen der Stadt der Liebe, Paris, und dem orientalisch geprägten Konstantinopel. Auch wenn die regelmäßigen Fahrten eingestellt wurden, gibt das Ballett-Ensemble Gelegenheit zu einer neuen Reise untermalt mit einzigartiger Musik, die das Flair der jeweiligen Metropole widerspiegelt, in der der Zug gerade hält.

Angelehnt an den Roman „In 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne erlebt man die Faszination des perfekten Tanzes in seiner Ausdrucksvielfalt. Das Publikum in Ludwigsburg gehörte zu den ersten, die den Orient-Express im modernen Gewand erleben.

Wie im Stummfilm

Schwarz-weiß wie im Stummfilm tut sich vor dem Auge des Zuschauers eine filigran angelegte Tanzwelt auf, in der sich Menschen wie im realen Leben begegnen und Emotionen miteinander teilen und austauschen. Im Pas de Deux, im Solotanz, in der präzise einstudierten Bewegung in der Gruppe erlebt man die Atmosphäre des Reisens aus der Perspektive des Tanzes. Weiße Scheinwerferkegel umhüllen die Tanzenden, so dass jede Bewegung und jede Berühung sogar bis in die letzten Reihen sichtbar werden. Hier erlebt man all das, was das Reisen ausmacht in gekonnt stilisierter Form. Ein Pärchen, das streitet gehört dazu, nur eben nicht lautstark sondern in Bewegungen. Zum Schluss schleppt er sie von der Bühne. Dem Gedränge am Bahnhof weichen die Tänzer aus, indem sie einander galant über die Menschenansammlung heben. Der Tanz verfügt als Medium eben doch über Mechanismen, die das reale Leben verschließt. In dieser leichten Art der Bewegung wird die Illusion der Schwerelosigkeit real. Punktuell taucht zwischen all den weißen entindividualisierten Figuren eine rot gekleidete auf, die das individuelle Ich während der Reise symbolisiert und sofort die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Doch die Reise durch die Welten im Ballett ist nicht ohne Hindernisse aus der Vogelperspektive gestaltet. Gezielt setzt sich das NRW-Juniorballett auf dieser Reise auch mit kulturellen Konflikten auseinander. Die Rahmenmusik wechselt immer wieder zwischen modernem Flötenklang, meditativ und schön und zerstörerischen Elementen im Orchester. Klangfarbenreichtum ist unerlässlich als Botschafter zwischen den Kulturen. Das Ballett verschmilzt auf unglaubliche Weise mit der Musik, formuliert sie weiter aus und setzt Zeichen in einer Zeit, wo Orient und Okzident in Glaubenskonflikte und politische Auseinandersetzungen verstrickt sind.

Am Samstagabend bei der Uraufführung hätte man eineinhalb Stunden lang die berühmte Stecknadel fallen hören können, so still war es im Ludwigsburger Forum.

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