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Schelme mit Schalk im Nacken Schlossfestspiele: Modernes Klarinettenkonzert mit Kari Kriikku und Sinfonische Dichtungen

"Don Juan" und "Till Eulenspiegel" spielte das Orchester der Schlossfestspiele. Streitbarer Höhepunkt aber war das Klarinettenkonzert mit Kari Kriikku.

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Klarinettist Kari Kriikku und Dirigent Pietari Inkinen machten das Klarinettenkonzert von Magnus Lindberg zum Spektakel.  Foto: 

Kari Kriikku ist ein Meister der Klarinette. Und ein ebenso hervorragender, wenn auch schräger Entertainer. Außergewöhnlich ist das, was er auf der Bühne zeigt. Kein Wunder, dass sich zeitgenössische Komponisten darum reißen, für ihn maßgeschneiderte Musik zu schreiben. Wie schon 2002 sein finnischer Landsmann Magnus Lindberg.

Über 70 Mal hat Kriikku dessen Konzert für Klarinette und Orchester schon gespielt. Doch immer wieder beweist der Klarinettist, so auch am Donnerstagabend im Ludwigsburger Forum im Rahmen der Schlossfestspiele, wie wandelbar, wie gut, wie virtuos er spielen kann. Auch wenn das facettenreiche, teils bombastische, aber extrem virtuose moderne Werk manches Mal mit jaulenden Tönen, hohen Passagen und querulanten Harmonien nervt - Kari Kriikku zu hören und zu sehen, ist ein einzigartiges Erlebnis, für das man Pietari Inkinen, dem Chefdirigenten der Festspiele, nur danken kann. Er holte den Solisten nach Ludwigsburg, ist er doch Finne wie er.

Der Titel "Sinfonische Dichtungen" für das Gesamtkonzert, der sich eigentlich auf den zweiten Teil, die Tondichtungen Richard Strauss', bezog, galt aber auch für das Klarinettenkonzert. Es erzählte eine Geschichte, die eines Klarinettisten, der mit seinem Instrument eine neue Welt kreiert - und passte somit zum Motto der Schlossfestspielsaison "Erzählung".

Da pfiff das Instrument wie ein Vogel, summten die Geigen wie Bienen - ein ganzer Kosmos wurde im Forum erschaffen. Es war Höchstleistungssport für den Klarinettisten.

Das von Inkinen geleitete Festspielorchester in der riesigen Größe eines spätromantischen Sinfonieorchesters nahm seinen Part mehr als bravourös ein, es geleitete den akrobatisch aufspielenden Kriikku durch alle Passagen - ob als entspannender Klangteppich, als Gesprächspartner oder Duellist.

Es war ein Erlebnis, dieses Spektakel zu sehen, das den Bühnenboden beben ließ, auf den sich Kriikku denn auch legte, um eine Passage der Zugabe, "The Dance of Joy" von Roberto Pansera, zu spielen. Kari Kriikku hüpfte, sprang, wand sich wie ein Schlangenbeschwörer, tanzte, geschmeidig schwang seinen Oberkörper - in dieser modernen Komposition, in der quasi alles vorkam, was die Musik je hervorgebracht hatte: Klassik, Klezmer, Swing, Jazz, Alban-Berg-Einflüsse, oder Anspielungen auf Ravel oder Debussy, aber auch ganz neue Tonzusammensetzungen.

Der Schalk saß dem Finnen bei der Interpretation im Nacken, er küsste und liebkoste sein Instrument, verzog die Miene, rannte zu den Bratschisten, um sich mit diesen musikalisch zu duellieren. Überhaupt: Kommunikation war alles in diesem Konzert, selten sind Orchester, Dirigent und Solist so aufeinander zugegangen, hörten sich zu, spielten miteinander, wie an diesem Abend, an dem - leider, leider - das Forum nur halb besetzt war. Ausgeglichen wurde das quantitative Fehlen von Zuschauern durch die qualitative Anwesenheit mehrerer Schulklassen, die konzentriert mit offenem Mund zuhörten: "So was habe ich noch nie gesehen, das macht Spaß", sagte Mia (12) aus Ludwigsburg. "Ich habe keine Ahnung von moderner Musik, aber mir gefällt es", war die Antwort des elfjährigen Alexanders, der damit das ausdrückte, was manchem Besucher klassischer Konzerte fehlte: Offenheit und Unbekümmertheit.

So verließen einige ältere Herrschaften den Saal während Kriikkus sensationellem Auftritt, um zu den Sinfonischen Dichtungen von Richard Strauss, "Don Juan" und "Till Eulenspiegel", wiederzukommen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Die Schüler hingegen hatten ihren Spaß und forderten unkonventionell und mutig am Bühnenrand Autogramme von Kriikku und Inkinen.

Dann kamen sie, die gefälligen Werke: die erstklassig klassischen Stücke von Richard Strauss, bombastisch, hymnenhaft, hervorragend aufgeführt durch das Schlossfestspielorchester. Bedenke man, dass Strauß zu seiner Zeit, Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts zuerst einmal für seine Programmmusik verhöhnt wurde, sie war damals genauso modern und neu wie Lindbergs Komposition. Nur Jahre später war Richard Strauß einer der erfolgreichsten Komponisten seiner Zeit und so durfte der Münchener gar für Hitler die Eröffnungssinfonie der Olympischen Spiele 1936 in Berlin komponieren und dirigieren.

Auch hier gilt: Ein Schelm, der Böses denkt, denn da war Strauss schon bei den Nazis in Ungnade gefallen und nicht mehr Reichsmusikkammer-Präsident. Ihm hätte das unkonventionelle Konzert der finnisches Schelme (Kriikku, Inkinen und Lindberg) mit Schalk im Nacken sicher gefallen.

Wie sagte der Komponist Strauss zum fehlenden Programm für "Till Eulenspiegel": "Ich will lieber die Leutchen selber die Nüsse aufknacken lassen, die der Schalk ihnen verabreicht."

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