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Mit Eiern und Pudding terrorisiert

Fünf Monate lang wurde ein Ehepaar nächteweise von zwei jungen Männern belästigt. Sie wurden jetzt vor dem Amts- und vor dem Jugendgericht in Ludwigsburg verurteilt.

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Die beiden jungen Männer kamen immer in der Nacht - fünf Monate lang. Und sie bewarfen immer dasselbe Haus mit Eiern, Joghurt und Pudding: Nun landeteten die beiden, die ein älteres Ehepaar in Aldingen mit ihren Würfen terrorisierten vor dem Ludwigsburger Gericht. Einer kam - auch wegen anderer Straftaten - in Jugendhaft. Der andere wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Zugegeben hat von den beiden keiner was, sodass die Frage nach dem Warum immer noch im Raume steht.

Der Eier-Terror in Aldingen ging schon fünf Monate, als es dem betroffenen Ehepaar gemeinsam mit sieben Nachbarn im April 2013 endlich gelang, die zwei jungen Männer zu stellen. Die beiden waren schon öfter in dem Aldinger Wohngebiet gesichtet worden, aber jedes Mal schnell wieder mit dem Auto abgehauen. Ihre Zielscheibe war das Reihenhaus einer 74-jährigen Frau und eines 80-jährigen Mannes.

Das Ehepaar, so sagte es vor Gericht aus, kann sich bis heute nicht erklären, warum ausgerechnet ihr Haus beworfen wurde. Sie kennen weder die beiden jungen Männer noch hatten sie mit ihnen Ärger. Beide mussten in einem Prozess gegen den jüngeren der beiden Eierwerfer vor dem Ludwigsburger Jugendgericht als Zeugen aussagen und bekamen mit, wie dieser zu einem Jahr und neun Monaten Jugendgefängnis verurteilt wurde.

Richter Karl-Friedrich Engelbrecht verhandelte vor dem Erwachsenengericht jetzt gegen den zweiten Mann, der die Eierwürfe vehement bestritt. Sein Verteidiger plädierte auf Freispruch, doch das Gericht hatte Zeugen, welche den Angeklagten erkannt hatten, und im Übrigen viele stichhaltige Indizien. Unter den nächtlichen Eierwürfen, sagte Richter Engelbrecht, als er den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu jeweils 20 Euro verurteilte, habe die ganze Nachbarschaft gelitten.

Angeklagt war der 23-Jährige nicht nur wegen Sachbeschädigung am Haus des Aldinger Paares, sondern auch, weil er mit seinem jüngeren Mittäter am 28. Dezember 2013 mit zwei Joghurts und einem Ei aus Versehen ein Auto anstatt des Hauses Haus getroffen hat. Hier ging das Gericht davon aus, dass der Jüngere die Lebensmittel aus dem fahrenden Auto geworfen hat. Dem 23-Jährigen konnte es diese Tat allerdings nicht nachweisen. Für die Taten an dem Aldinger Ehepaar hingegen hatte das Gericht Beweise. Im Rauputz des Hauses hängt heute noch die Eierpampe, wie beide übereinstimmend aussagen, und die Küche, in die einmal Eier durchs offene Fenster flogen, sei bis heute nicht renoviert. Bei klirrender Kälte saß die 74-jährige Frau an Weihnachten 2013 in ihrem Garten, weil die Eierwerfer einfach keiner erwischte.

Das Ehepaar wusste sich am Ende nicht mehr anders zu helfen, als versteckte Videokameras für etwa 2000 Euro in den Bäumen anbringen zu lassen und Detektive zu beschäftigen, weil die Senioren sich die Geschichte mit den Eiern einfach nicht zu erklären vermochten - und weil sie nachts nicht mehr schlafen konnten. Die 74-Jährige war es, die den Angeklagten vor Gericht am schnellsten wieder erkannte, denn sie war den Eierwerfern schon öfters hinterher gelaufen. Als am 13. April zum letzten mal Eier flogen, zeigte sich in Aldingen, was Nachbarschaftshilfe ist: Sieben Nachbarn liefen zum Auto der Werfer, und einer von ihnen zog die Autoschlüssel ab. Als die beiden jungen Männer zum Auto kamen, meinten sie nur lapidar, sie seien beim Pinkeln gewesen. Sie wurden festgenommen und bei der Festnahme entdecke die Polizei in ihrem Auto zwei Eierschachteln.

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