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Marktwaren aus historischer Zeit

Zwar besteht der beliebte Ludwigsburger Wochenmarkt nicht 300, sondern erst 299 Jahre, aber dennoch wurde am Samstag das bunte Marktgeschehen mit vielerlei historischen Ständen bereichert.

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Wie im 18. Jahrhundert: Marktfrauen vom Bürgerverein Untere Stadt bieten in Kostümen Gemüse an.  Foto: 

Frische Kräuter, erntefrisches Gemüse und leckeres Obst: Vor den Ständen des Ludwigsburger Wochenmarkts herrschte am Samstagvormittag dichtes Gedränge. Statt ihren Einkaufswagen durch die Regalgassen eines Supermarkts zu schieben, kauften die Marktbesucher lieber Frisches von den Erzeugern aus der Region.

"Unser Wochenmarkt ist im Laufe der Jahre immer vielfältiger geworden. Es gibt einige größere Anbieter, aber auch viele kleine Landwirte aus der Region, die sich inzwischen eine gewisse Stammkundschaft erobert haben. Viele Kunden schätzen den persönlichen Kontakt und kaufen gerne Produkte direkt aus unserer Heimat", betonte die Ludwigsburgerin Sabine Deutscher.

Sie ist Mitglied im Bürgerverein Untere Stadt und war am Samstag mit ihren Vereinskameraden mit einem ganz besonderen Auftrag auf dem Wochenmarkt. Deutscher bot an ihrem Stand historische Kräuter und Gemüsesorten feil, die bei vielen Menschen längst in Vergessenheit geraten sind. "Beispielsweise gelangte das Heilige Basilikum oder Tulsi auf der Gewürzstraße aus Indien zu uns und wurde früher als Heilmittel für allerlei Krankheiten verwendet. Aber auch Pastinaken als Gemüse kennen heute fast nur noch junge Mütter, die ihren Kindern den bekömmlichen Brei zubereiten. Es gibt aber auch leckeren Pastinakenkuchen mit Zimt und Ingwer. Wir verraten unseren Kunden heute gerne das Backrezept", erklärte Deutscher. Die rund fünf Mitglieder des Bürgervereins trugen historische Kostüme aus der Zeit um die Mitte des 18. Jahrhunderts und wollten mit ihrer Aktion eigentlich das 300-jährige Bestehen des Ludwigsburger Wochenmarkts feiern.

Doch in die Geschichtsbücher der Stadt hatte sich ein falsches Gründungsdatum eingeschlichen, denn nicht am 9. August 1714, sondern erst ein Jahr später hat Herzog Eberhard Ludwig der Barockstadt das Recht zugestanden, einen eigenen Wochenmarkt abhalten zu dürfen.

"Ob jetzt 300 oder nur 299 Jahre: Unser erfolgreicher Wochenmarkt ist immer ein guter Grund zu feiern", unterstrich Deutscher. So wie sie dachten wohl auch die Verantwortlichen der Stadt und behielten die bereits organisierten Jubiläumsaktionen bei, auch nachdem sich beim Blick in die Originalurkunde im Hauptstaatsarchiv Stuttgart herausgestellt hatte, dass der Wochenmarkt in diesem Jahr überhaupt keinen runden Geburtstag begeht.

So war am Samstag auch Regine Holz-Pfoh mit ihren Kolleginnen vom Ernährungzentrum Mittlerer Neckar mit einem Stand auf dem Marktplatz vertreten und klärte die Besucher ebenfalls über Gemüsesorten aus längst vergangenen Zeiten auf. "Viele ältere Marktbesucher sagen uns, dass sie zum Beispiel Steckrüben gar nicht mehr mögen. In den Nachkriegszeiten gab es dieses Gemüse häufig und viele wollen daran nicht mehr erinnert werden. Wir haben heute aber zu jedem Gemüse ein passendes Rezept dabei. Der Trend geht eindeutig dahin, dass alte Gemüsesorten neu entdeckt werden. Viele Menschen legen wieder Wert auf natürliches Kochen ohne jegliche Geschmacksverstärker", machte Fachfrau Holz-Pfoh deutlich.

Wem mehr der Sinn nach Hochprozentigem stand, der schaute gerne am Stand des Schwäbischen Schnapsmuseum aus Bönnigheim vorbei. Dort erklärte Kurt Sartorius alte Techniken des Schnapsbrennens, oder wie die Birne in die Williams-Christ-Flasche kommt. "Die Flasche wird dazu im Frühjahr an einer kleinen Birne am Baum befestigt, die anschließend in der Flasche weiterwächst, bis sie im Herbst geerntet und mit Schnaps aufgefüllt wird", so Sartorius. Der Bönnigheimer hatte aber auch einen hochprozentigen Tropfen mit Blutwurz im Angebot. "Die Wurzeln dieser Pflanze werden mit Schnaps angesetzt. Dies fördert die Verdauung, und vor allem die älteren Menschen mögen das sehr gerne", erläuterte Sartorius. Die kleinen Wochenmarktbesucher lauschten auf Strohballen sitzend Märchenerzählerin Xenia Busam, die sie zu Füchsen in den Wald entführte. Zudem erinnerten musikalische Klänge oder traditionelle Backwaren wie "Käseschnitten aus Omas Zeiten" an die Anfangsjahre des Wochenmarkts.

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