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Interreligiöses Spektakel

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Das BürgerTheater zeigt eine Szene aus dem interreligiösen Theaterstück „Urban Prayers“ im Kunstzentrum Karlskaserne in Ludwigsburg.  Foto: 

Das Schönste für den Frankfurter Regisseur Axel Brauch: Alle Religionsgemeinden können und sollen mitmachen. Die Protestanten in der Erlöserkirche, Muslime in der DITIB-Moschee, Katholiken in St. Johann und die Aleviten in ihren Räumlichkeiten in der Osterholzallee. Björn Bickers Theaterstück „Urban Prayers“ lebt davon, dass jede der Religionen sich auch selbst präsentiert mit Musik, Gesang und Tanz. Auf diese Weise vergrößert sich der Kreis der Mitwirkenden auf insgesamt 290 Personen. Seit Mitte Juli wird an allen vier Spielorten ernsthaft daran gearbeitet.

Seit Montag sind auch die vier professionellen Schauspieler da, die Brauch um sich geschart hat und mit denen er seitdem „beinahe ohne Pause“ probt, wie Geschäftsführerin Bettina Gonsiorek von der Tanz- und Theaterwerkstatt berichtet: Alexandra Mahnke aus Stuttgart, Cecilia Hafiz aus Berlin, Corbinian Deller aus Frankfurt und – als alter Bekannter – Yahi Nestor Gahe, der als Schauspiellehrer für die Theaterwerkstatt arbeitet, aber seine heimatlichen Wurzeln an der Elfenbeinküste hat.

Alle vier haben ganz unterschiedliche Entwicklungen hinter sich – und die sind beileibe nicht unbedingt religiös geprägt.

Nicht einmal getauft

So hat Deller zwar einen typisch katholischen Vornamen, doch ist er nicht einmal getauft worden, wie er gesteht. Alexandra Mehnke hat zwar jüdische Wurzeln, ist aber niemals im jüdischen Glauben aufgewachsen. Während Cecilia Hafiz‘ Vater eigentlich Muslim war, jedoch heute, wie sie lachend erzählt auf seiner griechischen Insel lieber den Griechen-Göttern huldigt. Und der Afrikaner Gahe ist zwar konservativ-katholisch erzogen worden, jedoch nach Ausflügen in den Islam und in den Buddhismus inzwischen bekennender Atheist geworden, weil er in allen Glaubensgemeinschaften immer „an Grenzen gestoßen“ ist. Alle eint aber das Interesse an Spiritualität. „Ich bin eine Beobachterin“, nennt dies Alexandra Mahnke.

Bickers „Urban Prayers“ ist kein Theaterstück mit handelnden Charakteren, sondern lebt eher von plakativen bis poetischen Aussagen der unterschiedlichen Religionen, um zu beweisen, dass sie sich eigentlich alle sehr nahe sind. Es wurde zuerst in München und später bei der Ruhrtriennale aufgeführt und als Hörspiel aufgenommen und gesendet. Regisseur Brauch hat den Bicker-Text gestrafft, die zum Teil sehr langen Monologe weggelassen, um so die Spielzeit auf maximal 90 Minuten und in der Ludwigsburger Moschee sogar auf 70 Minuten zu reduzieren, „weil man dort schließlich traditionell mit untergeschlagenen Beinen auf dem Boden sitzen muss“.

Die jeweiligen Partnergemeinden sollen eigene Spielszenen, Rituale, Klänge, Chöre, Derwischtänze oder Gospels einbringen, damit die Vorstellungen authentisch werden. Weil es in Ludwigsburg keine jüdische Gemeinde gibt, hat der Regisseur für die Abschlussveranstaltung in der Reithalle extra die internationale Musikerinitiative „Trimum“ verpflichtet, weil die nicht nur ein jüdisches Mitglied in ihren Reihen hat, sondern auch jüdische Musik im Repertoire. Eingeladen ist dazu im Übrigen auch der syrisch-aramäische Kirchenchor aus Bietigheim-Bissingen. Die Eröffnungsveranstaltung findet ebenfalls in der Reithalle statt.

Kostenlose Eintrittskarten gibt es im Büro der Tanz- und Theaterwerkstatt im Kunstzentrum Karlskaserne (Hindenburgstraße 29), während der Bürozeiten (Montag und Donnerstag von 14 bis 18.30 Uhr, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 14 Uhr) sowie in den beteiligten vier Religionsgemeinden. Die Besucherzahl ist auf 2500 begrenzt, daher ist eine Karte notwendig.

Die Veranstaltungen: Samstag, 21.Oktober, 19 Uhr, Eröffnung in der Reithalle. Sonntag, 22. Oktober, 18 Uhr, Evangelische Erlöserkirche. Samstag, 28. Oktober, 19 Uhr, Katholische Kirche St. Johann. Sonntag, 29. Oktober, 15.30 Uhr, DITIP-Moschee. Mittwoch, 1. November, 16.30 und 19 Uhr Alevitische Gemeinde.

Die interreligiöse Abschlussveranstaltung findet am Samstag, 4. November, 19 Uhr, in der Reithalle Ludwigsburg statt. nick

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