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Immer öfter streikt die Psyche

Der Krankenstand im Landkreis ist 2013 gestiegen, jedoch nur leicht. Das geht aus dem DAK-Gesundheitsreport hervor. Die meisten Arbeitnehmer fehlen wegen Rückenleiden, gefolgt von Erkältungen und psychischen Problemen.

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Psychische Erkrankungen waren laut DAK die dritthäufigste Ursache dafür, dass sich Arbeitnehmer im Landkreis krank meldeten.  Foto: 

Die "Volkskrankheit" Rückenleiden war auch im vergangenen Jahr wieder die Hauptursache, dass Arbeitnehmer im Landkreis zu Hause bleiben mussten. Laut dem Report der Krankenkasse DAK-Gesundheit lag der Anteil der Muskel-Skelett-Probleme mit 20,4 Prozent ganz vorn bei den Krankmeldungen. Pro 100 Beschäftigte fielen 234 Krankentage an. Basis der Zahlen bilden die DAK-Versicherten - derzeit rund 28 000 im Landkreis.

Immerhin gingen die Rückenleiden bei den DAK-Versicherten im Vergleich zum Vorjahr zurück, wie Wolfgang Nitschke, der Leiter des DAK-Servicezentrums in Ludwigsburg, berichtete. Gegenüber 2012 waren es fast fünf Prozent Fehltage weniger.

Krankheitsfaktor Nummer zwei im Kreis sind Atemwegserkrankungen wie Erkältungen oder Bronchitis. Sie haben im vergangenen Jahr verstärkt zugeschlagen. Der Anteil am Krankenstand unter den DAK-Versicherten belief sich auf 19,5 Prozent. Auf 100 Versicherte kamen 223 Krankentage, eine starke Zunahme von 23 Prozent.

Während Atemwegserkrankungen auch mit der Witterung zusammenhängen und Schwankungen unterliegen, befindet sich die dritthäufigste Krankheitsursache - psychische Erkrankungen - seit Jahren in einem kontinuierlichen Aufwärtstrend. Verzeichnete die DAK im Jahr 2000 landesweit noch 100 Fehltage pro 100 Beschäftigte, so waren es 2013 180 Fehltage. Ein Anstieg um immerhin 80 Prozent. Im Kreis betrug die Zunahme von 2012 auf 2013 sechs Prozent (auf 163 Tage). Der Anteil am Krankenstand beläuft sich auf 14 Prozent.

Soweit die nackten Zahlen. Über die Gründe für die Zunahme der seelischen Krankheiten, die von Angstzuständen bis hin zu Depressionen reichen, verrät der DAK-Report nichts, weil dort keine Ursachenforschung betrieben wird. Anna Schöpp, Oberärztin an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Bietigheim, vermutet aber, dass der Anstieg zum einen damit zusammenhängt, dass heutzutage viel offener mit diesem Krankheitsbild umgegangen werde. Früher seien beispielsweise bei Schlafstörungen zunächst einmal Schlaftabletten verschrieben worden, heute wisse man, dass dies Symptome dafür sein könnten, dass die Psyche streike. Zum anderen nähmen die Anforderungen im Beruf immer mehr zu. Ständige Flexibilität sei gefordert, während gleichzeitig der Rückhalt im Alltag durch ein familäres Umfeld abnehme, so Schöpp. Die Problematik spiegelt sich auch in der Zahl der Kranken, die in der Bietigheimer Psychosomatik behandelt werden, wider, sagt die Oberärztin. Dort gebe es inzwischen Wartezeiten von zwei bis drei Monaten.

Auf eine weitere Schwierigkeit im Zusammenhang mit den psychischen Krankheiten weist DAK-Servicestellenleiter Nitschke hin: "Während Kurzzeit-Krankheiten wie Erkältungen für Arbeitgeber in der Regel leichter zu bewältigen sind, bedeuten längere Erkrankungen wie seelische Leiden meist größere Probleme."

Weitere Gründe für krankheitsbedingte Ausfälle waren Verletzungen (12 Prozent), Infektionen (5,5 Prozent), Probleme mit dem Verdauungssystem (5,3 Prozent), Tumore (4 Prozent), Krankheiten an Nerven, Augen und Ohren (3,8 Prozent) sowie Kreislaufprobleme (3,2 Prozent). Unter dem Strich nahmen die Ausfalltage im Kreis wegen Erkrankungen 2013 um 0,1 Prozentpunkte leicht zu. Mit 3,1 Prozent war der Krankenstand aber geringer als der Landesdurchschnitt (3,3 Prozent).

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