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Im Landkreis haben Frauen die schlechteren Jobs

Die Gewerkschaften NGG und Verdi üben Kritik an der Niedriglohn-Schicht, schalten sich damit in den Wahlkampf ein und fordern einen Mindestlohn. Frauen würden in Teilzeit- und Mini-Jobs gedrängt. Der Anteil im Landkreis: 72 Prozent.

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Die Armut ist weiblich: Besonders Frauen werden in Teilzeit- und Mini-Jobs gedrängt.  Foto: 

Im Landkreis Ludwigsburg haben Frauen die schlechteren und die schlechter bezahlten Jobs. Sie werden in Teilzeit- und Mini-Jobs gedrängt. Das geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung der Gewerkschaften NGG und Verdi hervor. Nach Angaben des Pestel-Instituts seien lediglich 34 Prozent aller Vollzeitstellen im Landkreis Ludwigsburg mit Frauen besetzt. Ganz anders bei den Teilzeit- und Mini-Jobs: Hier betrage der Frauenanteil 72 Prozent. "Frauen machen immerhin rund 30 760 Mini-Jobs im Landkreis Ludwigsburg. Gerade hier ist das Niedriglohn-Risiko am höchsten. Zwei von drei der Mini-Jobs werden mit weniger als 8,50 Euro pro Stunde bezahlt. Oft liegen sie sogar weit darunter", sagt Cuno Hägele von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft. Der Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Stuttgart spricht von einer "Niedriglohn-Schicht", die vom "fair bezahlten und damit anständigen Arbeitsmarkt" mehr und mehr abgekoppelt werde. "Gerade Frauen werden als billige Arbeitskräfte von Teilen der heimischen Wirtschaft regelrecht ausgenutzt", so Hägele.

Mit Verdi übt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) heftige Kritik an der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis: "Arbeitsplätze, von denen man leben kann, werden systematisch abgebaut. Mini-Jobber übernehmen die Arbeit von Vollzeitkräften. Jobs werden zerschlagen, Löhne gedrückt", sagt Dieter Kindler. Der Geschäftsführer der NGG-Region Stuttgart belegt dies mit Zahlen vom Pestel-Institut aus Hannover, das die beiden Gewerbschaften damit beauftragt haben, die regionale Arbeitsmarktsituation zu beurteilen. Demnach hat die Zahl der Mini-Jobs in den vergangenen zehn Jahren um 92 Prozent zugenommen. "Mini-Jobber sind moderne Tagelöhner - mies bezahlt mit wenig Schutz", so Kindler. Er beklagt eine "völlig verlotterte Moral im Umgang mit dem Wert von Arbeit".

"Wer für einen Dumpinglohn schuftet, der fühlt sich von der Gesellschaft mit Füßen getreten. Und das völlig zu Recht", sagt Hägele. Die Bundesregierung habe hier "auf ganzer Linie versagt". Seit Jahren stemme sie sich gegen einen gesetzlichen Mindestlohn. Arbeit dürfe nicht länger nach dem Geiz-ist-geil-Prinzip auf den Wühltischen der Arbeitsvermittler angeboten werden, so der Verdi-Bezirksgeschäftsführer. Vordringliche Aufgabe der neuen Bundesregierung müsse es daher sein, einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro einzuführen.

"Für einen Niedriglohn zu arbeiten, bedeutet, dass man den Gürtel ganz eng schnallen muss. Wer dazu gezwungen ist, hat nicht mehr das Gefühl dazuzugehören", sagt Kindler. Dumpinglöhner lebten längst in einer "Verzichtskultur", zu der sie gezwungen seien. Ganze Familien würden dabei vom gesellschaftlichen Leben abgekoppelt. "Bus- und Bahnfahrten sind für diese Menschen oft schon etwas Besonderes. Der Gang ins Kino oder Freizeitbad ist die absolute Ausnahme. Und ein Restaurantbesuch der pure Luxus", sagt er.

Info NGG und Verdi appellieren an alle Beschäftigten, die einen Niedriglohn von weniger als 8,50 Euro pro Stunde bekommen, diesen online beim Dumpinglohnmelder anzuzeigen.

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