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Hobbygärtner: Ein grüner Fleck in der Stadt

Zucchini, Bohnen und Tomaten aus dem eigenen Garten - und das mitten in der Stadt. Was für manch einen als spießig gilt, liegt heute im Trend: Das Phänomen "Urban Gardening" greift auch im Landkreis um sich.

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Nach der Arbeit in den Garten fahren, Pflanzen gießen, Tomaten ernten, Schnecken absammlen - was für manch einen nach Arbeit klingt, bedeutet für Katrin Gölsdorf und Valerie Nasser aus Ludwigsburg Erholung pur. Im "StattGarten" in Eglosheim haben sie mit sechs weiteren Mitgliedern eine grüne Oase mitten in der Stadt geschaffen. Auf der Fläche des Fun-Clubs-634 bauen die Hobbygärtner auf rund 50 Quadratmetern Bohnen, Tomaten, Gurken, Kürbisse, Mais, Spinat, Peperoni und vieles mehr für den eigenen Bedarf an. Angefangen hatte alles im Februar. "Mein Mitbewohner hat im Demokratischen Zentrum einen Vortrag über Urban-Gardening gehalten. Grüne Orte sind in der Stadt Mangelware", erzählt Nasser. Von diesem Zeitpunkt an traf sich eine Gruppe von Interessierten alle ein bis zwei Wochen. Ihnen stellte sich die Frage: "Wo gibts Flächen in der dicht besiedelten Stadt und wo können wir starten?", erinnert sich die Lehrerin. Die Gruppe nahm Kontakt mit der Verwaltung auf und stellte ihr Konzept vor. Bereits im Juni kamen die Parteien an einem runden Tisch zusammen - im Juli gabs grünes Licht. "In anderen Städten ist der Weg viel mühsamer", blickt Nasser zurück.

Nun kann geerntet werden: Viele Tomaten und ein Kürbis sind schon reif. Katrin Gölsdorf läuft durchs Beet, gießt die Zucchini, zupft Blätter und pflückt Bohnen. "Die Pastinaken sind noch nicht so weit", stellt sie fest. Doch das sei nicht weiter schlimm - die Pflanzen hätten sie erst spät aussetzten können, erzählt Nasser: "Es war allerhöchste Eisenbahn, denn die Gartensaison lief bereits." Ihre Wahl sei deshalb auf Herbstgemüse gefallen, weil es spät kommt. "Wir haben richtig Gas gegeben."

Dazu war jede Menge Vorarbeit nötig. Bereits im Juni hatten die Hobbygärtner angefangen, die Pflanzen auf Fensterbänken und im Hinterhof ihrer Wohngemeinschaft zu ziehen. Schließlich pflanzten sie sogar im Wohnzimmer auf Bierbänken. Und das, ohne zu wissen, ob die Stadt ihr Okay gibt. Als das schließlich kam, haben sie im Juli bei 35 Grad die Fläche umgegraben. "Ich habe schon so viel gelernt und hätte nicht gedacht, dass ich so einen grünen Daumen habe", erzählt Valerie Nasser. "Die Tomaten, die ich jetzt ernte, esse ich mit anderer Wertschätzung."

Die Mühe lohne sich. Denn den Mitgliedern des "StattGartens" geht es mit Blick auf die Lebensmittelskandale vor allem darum, zu wissen, woher Nahrungsmittel kommen. Das möchten sie auch Kindern beibringen, die in der Stadt aufwachsen. "Essen sollte nicht nur billig und schnell konsumiert werden", sagt Gölsdorf. Es gehe auch darum, gemeinsam zu gärtnern, Spaß zu haben und etwas zu schaffen - auch nach dem Vollzeitjob. "Es ist anstrengend, nach einem Tag mit Schülern, Konferenzen und Co., den Garten umzugraben und zu gießen. Aber danach habe ich das Gefühl, geerdet zu sein", erzählt Nasser. Und das Interesse am Projekt sei groß, vor allem in anderen Stadtteilen, sagt Gölsdorf. Nasser ergänzt: "Es kommen immer wieder Leute vorbei, die über den Zaun linsen und fragen: Was macht ihr hier?"

Am 21. September feiert der "StattGarten" Eröffnung. Neben Infostand, Bewirtung und Feuerstelle wird es Aktionen für Kinder geben. Wie die Fläche künftig gestaltet werden soll, ist offen. Sicher ist nur: Ein Gewächshaus und ein Komposthaufen fehlen noch.

Trend Urban Gardening

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