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Geschichtsblätter befassen sich unter anderem mit Louis Bührer

In der neuesten Ausgabe der Ludwigsburger Geschichtsblätter geht es gleich in zwei Artikeln um Louis Bührer (1803 bis 1863). Er war nicht nur erster Kassier der Sparkasse, sondern auch Initiator für den Bau eines Gaswerks.

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Porträtaufnahme von Louis Bührer.  Foto: 

Mit der Benennung eines Saals nach ihm hat die Kreissparkasse Ludwigsburg Louis Bührer ein bleibendes Denkmal gesetzt. Weniger bekannt ist, dass er sich auch dafür einsetzte, dass der Stadt mit der Gründung eines Gaswerks und dem Aufbau einer Gasbeleuchtung im wahrsten Sinne des Wortes ein Licht aufging. Sein geringer Bekanntheitsgrad dürfte auch daran liegen, dass kein persönlicher Nachlass existiert. "Louis Bührer hat viel in seinem Leben bewirkt, aber nur wenig Greifbares hinterlassen", charakterisiert ihn Autor Günther Bergan in der jüngsten Ausgabe der Ludwigsburger Geschichtsblätter. In zwei Artikeln, einem über die Rolle Bührers beim Aufbau des Gaswerks und einem Porträt über ihn, beleuchtet Bergan den Mann, der Licht in die Stadt bringen wollte.

Wilhelm Ludwig Bührer wurde 1803 als zehntes Kind eines Nagelschmieds und Zunft-Obermeisters in Ludwigsburg geboren. Er erlernte den Beruf eines Silberarbeiters und war in Tuttlingen, München und Paris tätig, wo er vermutlich seinen Rufnamen Ludwig in Louis änderte. 1829 heiratete er die in Paris geborene Léonide Antonette Mortieau und ließ sich in Brüssel nieder. Die Ehe sollte kinderlos bleiben.

1830 kehrte Louis Bührer nach Ludwigsburg zurück, wo er sich als Gold- und Silberarbeiter etablierte. Das Geschäft lief ganz offensichtlich gut, denn wie Bergan herausgefunden hat, erwarb das Ehepaar 1837 das Eckgebäude Poststraße 22 (heute Wilhelmstraße) in bester Wohnlage und Blick auf den Arsenalplatz.

Zu dem Zeitpunkt hatte sich Bührer auch bereits für die Kommunalpolitik zu interessieren begonnen. 1835 wurde er in den Bürgerausschuss gewählt, 1846 in den Gemeinderat. Der Tausendsassa setzte sich für die Verschönerung Ludwigsburgs ein, ebenso für die Unterstützung der Armen und die Verbesserung des Bildungswesens.

Dass heute der Louis-Bührer-Saal der Kreissparkasse nach ihm benannt ist, liegt daran, dass er ab Januar 1852 das Amt des Oberamtssparkassiers der neu gegründeten Oberamtssparkasse, der späteren Kreissparkasse, übernahm. Deren Zweck sei es gewesen, "zunächst die ärmeren, selbstständig oder unselbstständig im Oberamtsbezirk lebenden Personen durch Verzinsung selbst kleinerer Einlagen zu Ansammlung von Ersparnissen zu veranlassen", zitiert Autor Bergan aus zeitgenössischen Quellen. Die Anfänge waren bescheiden: Einmal pro Woche habe Bührer am Dienstag den Schalter in seinem Wohnhaus geöffnet und Einzahlungen entgegengenommen, so Bergan. Er behielt den Posten bis zu seinem Tod bei.

Als er sein Amt bei der Bank übernahm, hatte Bührer sein Geschäft einem anderen übergeben. Nicht verwunderlich aufgrund seiner großen Amtsfülle, stellt Günther Bergan fest. Bührer, der als streitbar und auch streitlustig galt, war unter anderem Ausschussmitglied im Gewerbeverein, Waisenrichter, Geschworener des Schwurgerichts, Kirchenältester, Mitglied der Friedhofskommission und Ausschussmitglied der Schützengesellschaft.

Seine Lebensaufgabe habe er schließlich in der Errichtung eines Gaswerks und der Einführung der Gasbeleuchtung gefunden, so der Autor. Er wurde dazu im Gemeinderat aktiv und gründete auch eine Aktion-Gesellschaft, die allerdings nicht lange Bestand hatte. Nach vielen Diskussionen und auch Rückschlägen hatte seine Initiative schließlich Erfolg, und im Dezember 1858 wurde das erste Ludwigsburger Gaswerk eröffnet. Gaslaternen ersetzten nun die bisherigen Öllaternen in der Stadt. Erst ab dem Jahr 1928 sollte schrittweise die elektrische Beleuchtung Einzug halten.

Nachdem das Gasproblem gelöst war, widmete sich der unermüdliche Louis Bührer der Verbesserung der Wasserversorgung. Die Vollendung eines Wasserwerks erlebte er allerdings nicht mehr. Er starb 1863 an einem "Nervenschlag", wie es damals hieß.

Info
Der 69. Band der "Ludwigsburger Geschichtsblätter" des Historischen Vereins für Stadt und Kreis Ludwigsburg befasst sich neben Louis Bührer unter anderem mit dem Komponisten und Kapellmeister Carl Eugens, Niccolò Jommelli, dem Bauernaufstand des "Armen Konrads" in Marbach und Umgebung oder dem Alltag in Ludwigsburg während des Ersten Weltkriegs. Die Geschichtsblätter gibt's bei der Buchhandlung Aigner, sie kosten 18 Euro.

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